Erholung im Steigerwald

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Mit echtem Spreewasser getauft wurde 1958 in Unterschleichach ein Wegweiser nach Berlin. Das Gebiet der heutigen Großgemeinde Oberaurach war mit ihrem Gemeindeteil Unterschleichach damals ein wichtiger Anlaufpunkt für die Großstädter und damit schon ein touristisches Ziel. Unterschleichach verzeichnete Anfang der 1960er Jahre 15 000 Übernachtungen. Foto: Archiv Ludwig Leisentritt
Mit echtem Spreewasser getauft wurde 1958 in Unterschleichach ein Wegweiser nach Berlin. Das Gebiet der heutigen Großgemeinde Oberaurach war mit ihrem Gemeindeteil Unterschleichach damals ein wichtiger Anlaufpunkt für die Großstädter und damit schon ein touristisches Ziel. Unterschleichach verzeichnete Anfang der 1960er Jahre 15 000 Übernachtungen. Foto: Archiv Ludwig Leisentritt
Die Mainbadeanstalt in Haßfurt in den frühen 1950er Jahren: Noch gab es den Haßfurter Hafen nicht, in der rechten Bildhälfte gut zu erkennen sind der Obere Turm und das heutige Landratsamt, damals als "Herrenhof" die Beherbergungsstätte für die höhere Bildungsanstalt, Vorläufer des Regiomontanus-Gymnasiums.
Die Mainbadeanstalt in Haßfurt in den frühen 1950er Jahren: Noch gab es den Haßfurter Hafen nicht, in der rechten Bildhälfte gut zu erkennen sind der Obere Turm und das heutige Landratsamt, damals als "Herrenhof" die Beherbergungsstätte für die höhere Bildungsanstalt, Vorläufer des Regiomontanus-Gymnasiums.
 
Die Kiesausbeute lief schon in den 1950er Jahren: hier der Baggersee bei Sand mit Blick auf die Ruine Schmachtenberg. Die Kinder und Jugendlichen sprangen begeistert von den Arbeitsgeräten, die werktags den begehrten Baustoff für das gebeutelte Land zu Tage förderten. Fotos: Ludwig Leisentritt/Archiv Heinrich Schneier
Die Kiesausbeute lief schon in den 1950er Jahren: hier der Baggersee bei Sand mit Blick auf die Ruine Schmachtenberg. Die Kinder und Jugendlichen sprangen begeistert von den Arbeitsgeräten, die werktags den begehrten Baustoff für das gebeutelte Land zu Tage förderten. Fotos: Ludwig Leisentritt/Archiv Heinrich Schneier
 

Da wohnen, wo andere Urlaub machen, das trifft für die Menschen im Landkreis Haßberge zu. Ein Blick ein paar Jahrzehnte zurück zeigt, dass das früher auch schon so war.

Urlaub? Mitte des letzten Jahrhunderts verbrachten die Menschen im Landkreis Haßberge diesen zumeist daheim. Entweder wurde auf dem Feld gearbeitet - oder eben das vor Ort Vorhandene genutzt: zum Beispiel der Sander Baggersee. Die Jugendlichen kletterten auf das Arbeitsgerät und sprangen ins Wasser - heute sicherheitsrechtlich undenkbar!
In Haßfurt gab es damals am Main auf Höhe des Naturfreundegeländes ein Mainschwimmbad; das war ein mit Holz umzäunter Raum im Wasser, in dem die Kinder und Jugendlichen ungefährdet im Wasser plantschen konnten; natürlich wurde auf der benachbarten Mainwiese (heute steht dort das einstige Naturfreundehaus) gezeltet.


Steigerwald war Urlaubsziel

Doch auch das Gebiet des heutigen Landkreises selbst war eine beliebte Urlaubsregion, erinnert der Zeiler Heimatforscher Ludwig Leisentritt. 1#googleAds#100x100 Etwa für die Menschen aus Berlin: 1958 taufte man einen in Unterschleichach aufgestellten Wegweiser nach Berlin mit Spreewasser aus der einstigen Hauptstadt.
Im Sommer 1959 traf zum sechsten Mal ein Omnibus mit Feriengästen aus West-Berlin ein, und der 1000. Berliner Feriengast konnte begrüßt werden. Das 364 Einwohner zählende Unterschleichach kam jährlich auf 15 000 Übernachtungen.
In Neuschleichach verzeichnete man gar die Namen der ersten fünf Urlauber-Familien auf einer Ehrentafel, die es heute noch gibt. Initiator war das Reisebüro Krebs/Drescher aus Unterschleichach. Seiner Initiative ist es zu verdanken, dass die Berliner das Urlaubsgebiet Steigerwald aufsuchten. Später war der Busunternehmer an der Vermittlung von Urlaubern aus Berlin und anderen Städten in den Steigerwald beteiligt. Auf Anregung des damaligen Landtagsabgeordneten Heiner Schneier benannte der Bezirk Spandau 1964 einen Weg nach dem Steigerwald. Aus dem Weg wurde bald die "Steigerwaldstraße".
Sehr günstig beeinflusste die "Spree-Athener", dass der damalige Landkreis Haßfurt 1956 bis 1969 insgesamt 541 Ferienkinder aufgenommen hatte. Die teilweise unterernährten Kinder aus der durch den Zweiten Weltkrieg gezeichneten Stadt wurden von den Einheimischen geradezu gemästet. Ein Bub trat mit 18 Pfund Mehrgewicht die Rückreise an. Vor dem Hintergrund warb der Steigerwald 1965 in West-Berlin um Feriengäste.
Vor dem Fremdenverkehrsverein Steigerwald nannte 1962 der Haßfurter Landtagsabgeordnete Franz Elsen die Erschließung der Steigerwaldheimat als ein wichtiges Ziel. "Weil wir unsere Heimat lieben, sollten wir sie anderen zeigen."