Veronika Schadeck Auf den ersten Blick sieht man es nicht, dass die Corona-Pandemie für die Feuerwehren mit Herausforderungen und Veränderungen verbunden ist. Denn nach wie vor gewährleisten die Feuerwehren den Brandschutz, technische Hilfeleistungen und stehen auch im Katastrophenfall zur Verfügung.

Gerade bei den jüngsten beiden Großbränden in Tettau, bei Gerresheimer Tettau und am Wildberg wurde deutlich, wie professionell die Feuerwehren funktionieren. Es waren beispielsweise Maschinisten vor Ort, um dafür zu sorgen, dass es Löschwasser gab. Es kamen Atemschutzgeräteträger zum Einsatz, die in Schutzauszügen Menschen aus dem brennenden Wildberg retteten. Wer bei solchen unerfreulichen Ereignissen im Einsatz ist, der muss auch gut ausgebildet sein. Neue Kameraden auszubilden beziehungsweise Weiterbildungen durchzuführen, war aber in diesem Jahr für die Feuerwehren besonders schwer.

Am Anfang der Pandemie, so erklärt Kreisbrandrat Joachim Ranzenberger, musste zunächst der gesamte Übungs- und Ausbildungsbetrieb eingestellt werden. Aber so betont er: "Die Einsatzbereitschaft ist nach wie vor rund um die Uhr vorhanden und gesichert!"

Auch für den Kreisbrandrat hat sich vieles geändert. Das fängt schon mit seinem Terminkalender an. Rund ein Drittel der Landkreisfeuerwehren haben noch keine Jahreshauptversammlungen durchgeführt. Zudem fielen Ortsbesichtigungen durch die Kreisbrandinspektionen, Leistungsprüfungen und auch sonstige Veranstaltungen aus. Und auch die Großübungen, die in der kommenden Woche im Rahmen der Brandschutz-Aktionswoche in verschiedenen Gemeinden durchgeführt worden wären, finden nicht statt. Man reagiere damit auf Empfehlungen des Landesfeuerwehrverbandes, so Ranzenberger.

Wie er weiter erklärt, erfolgte die Kommunikation in den vergangenen Monaten innerhalb der Kreisbrandinspektion, mit den Führungskräften der einzelnen Feuerwehren und mit dem Feuerwehrlandesverband per Telefon oder per E-Mail. Er räumt aber ein: "Das alles ersetzt nicht den persönlichen Kontakt!"

Davon ist auch der Steinbacher Kommandant Markus Schulz überzeugt. Seit den Corona-Lockerungen führt die Steinbacher Wehr wieder kleinere Übungen durch. "Das ist alles mit Mehraufwand für die Organisatoren verbunden". So werden kleinere Gruppen eingeteilt. Das habe zur Folge, dass die Übungen doppelt und dreifach durchgeführt werden müssen. Hygiene- und Abstandsregeln müssen beachtet werden. In den Feuerwehrfahrzeugen sitzen bei Einsatzfahrten weniger Kameraden. Regelmäßig werden Gerätschaften und die Innenräume der Fahrzeuge desinfiziert. Händedesinfektionsmittel stehen jedem zur Verfügung. Ein theoretischer Unterricht fand seit dem Lockdown bis zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht statt. Die Kommunikation mit den Kommandanten innerhalb der Gemeinde Steinbach am Wald erfolgt auf virtueller Ebene.

Neue Mitglieder benötigt

Markus Schulz geht davon aus, dass die Einschränkungen - sofern diese sich nicht über Jahre hinziehen werden - auf das Engagement der Aktiven keine Folgen haben wird. Viel eher sieht er eine Herausforderung darin, die Kinder und Jugendlichen weiterhin bei den Feuerwehren zu halten. Denn: "Es fehlt der persönliche Kontakt und der Spaß!" Wenn aber die Feuerwehren auch künftig Menschen retten sollen, benötigen sie auch regelmäßig neue Mitglieder.

Ähnlich sieht es der Vorsitzender und Pressesprecher der Kronacher Feuerwehr, Stefan Wicklein. Wie er auf Anfrage erklärte, habe die für Ende März anberaumte Jahreshauptversammlung aufgrund fehlender Räumlichkeiten noch nicht durchgeführt werden können.

Immerhin kamen in den vergangenen Jahren rund 150 Feuerwehrleute. Die Kassen wurden jedoch bereits intern geprüft. Auch bei der Kronacher Wehr werden wieder kleinere Übungen unter Beachtung der Hygiene- und Abstandsregelungen - ähnlich wie in Steinbach - durchgeführt. Das sei alles mit Mehraufwand verbunden. Sicherlich hoffen alle baldmöglichst auf ein Stück Normalität, darauf dass man sich persönlich treffen kann. Denn gerade die Veranstaltungen und Übungen sind es, die den einen oder anderen für die Feuerwehr begeistern. Aber, so Wicklein, die Feuerwehren haben auch eine Vorbildfunktion und deshalb werden die Empfehlungen zum Schutz der Menschen auch beachtet.

"Corona hat die Feuerwehren voll erwischt", so der ehemalige Kreisbrandinspektor und weiterer stellvertretender Landrat, Bernd Steger. Nach wie vor ist Steger ein "Feuerwehrler mit Herzblut". Er vermisst den persönlichen Austausch mit den Kameraden, die Feiern und die damit verbundene Geselligkeit. Dass die Feuerwehren trotz Corona bei Einsätzen "top" funktionieren, begründet er mit dem Idealismus der Aktiven, mit der qualifizierten Ausbildung und mit den regelmäßigen Übungslehrgängen, die bis zu Beginn der Pandemie stattgefunden haben. Man dürfe auch nicht vergessen, dass bei solchen Veranstaltungen Vertrauensverhältnisse zwischen den Kameraden entstehen. Und das sei wichtig, denn bei einem Einsatz, bei dem jeder Feuerwehrmann sein Leben auf's Spiel setzt, müsse sich jeder auf den anderen verlassen können.

Keine Feste

Corona stellt auch die Jubiläumsfeste in Frage. Wie von der stellvertretenden Kommandantin der Feuerwehr Glosberg, Nicole Kramp, zu erfahren war, wurde bereits das für Juni 2021 anberaumte 125. Jubiläum verschoben. Die Feuerwehr Glosberg plant, das 130. Feuerwehrfest zu feiern. Kramp spricht von Planungsunsicherheiten. Festzelt, Musikgruppen und vieles mehr müssten Monate vorab bestellt und Verträge gemacht werden. "Was bringt es uns, wenn wir ein 2000-Mann-Zelt aufstellen und letztendlich nur 300 Leute reindürfen". Und: "Die Angst vor einem riesigen finanziellen Verlust überwiegt!" Küps dagegen wartet noch ab, ob das Feuerwehrfest wie geplant im Mai 2021 stattfinden kann, so Vorsitzender Peter Weber.