Sauberes Wasser ist ein hohes Gut. Es für die Zukunft zu sichern, muss schon bei der Reinhaltung der Bäche und Flüsse beginnen, sind die Verantwortlichen bei der EU überzeugt. Daher erließ Brüssel eine Wasserrahmenrichtlinie. Bis 2015 sollten die Oberflächengewässer aller Länder einen "guten Zustand" aufweisen. Inzwischen ist die Frist verlängert, aber das Ziel bleibt. Ein Mittel, Belastungen vom Wasser fernzuhalten, sind Uferrandstreifen. Die Landwirte der Region setzen dieses Mittel besonders eifrig ein.
"In den vergangenen drei Jahren haben 77 Betriebe insgesamt 245 Grünstreifen angelegt. Das entspricht einer Gesamtlänge von rund 35 Kilometern", sagt Adolf Ruff, der als Pflanzenbauberater am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Coburg (AELF) den Überblick hat. Diese Streifen bilden eine natürliche Barriere zwischen Ackerflächen und Gewässern. Sie vermindern deutlich den Eintrag von Sediment und Nährstoffen, Dünger oder Pflanzenschutzmitteln. Dazu müssen sie eine Breite von fünf bis 30 Metern haben. Dass auf den Streifen selbst nicht gedüngt oder Pflanzenschutzmittel eingesetzt wird, versteht sich von selbst.


Eingeschränkt nutzbar

Nutzen darf der Landwirt die Streifen aber schon. "Ich habe eine Mischung aus Deutschem Weidelgras und Klee auf den Streifen ausgebracht", erklärt Jochen Körtge. Er bewirtschaftet die rund 200 Hektar landwirtschaftlicher Fläche der Domäne Schwaighof. Uferstreifen legte er schon an, als es dafür keine Förderung gab. Das Weidelgras schlegelt er ab oder verkauft es als Heu an Pferdehalter.
Inzwischen gibt es Fördermittel für solche Streifen. 920 Euro bekommt ein Landwirt für einen Hektar Fläche an solchen Uferstreifen. Ein zehn Meter breiter Uferstreifen muss also einen Kilometer lang sein, um auf den Betrag zu kommen. Dafür ist ein ziemlicher Aufwand erforderlich, denn der Streifen muss angelegt, eingesät und gepflegt werden. Dazu gibt es einen Berg an bürokratischen Hürden zu bewältigen, ehe die Fördermittel gezahlt werden. Die Förderung stellt dann eine Entschädigung dafür dar, dass der Landwirt ja auf der Fläche des Streifens, den er aus der intensiven Bewirtschaftung nimmt, kaum Ertrag erwirtschaftet.
Warum Jochen Körtge es genau richtig macht, wenn er Gräser statt eines Blühstreifens anlegt, erklärt Gesche Petersen von der Fachstelle für Gewässerökologie in Oberfranken: "Gräser halten mit ihrem dichten Wurzelwerk den Boden viel besser fest, als die oft krautigen Pflanzen in den Blühmischungen." Ein paar bienenfreundliche Blumen beizumischen, wäre aber kein Problem.
Claudia Alberts, die Leiterin der Fachstelle, weist noch auf einen anderen Aspekt hin, der für den Wert der Streifen spricht. "Sie tragen zur Vernetzung von Lebensräumen bei, bieten vielen Wildtieren und Kleinlebewesen Schutz und Bewegungskorridore", sagt sie. Damit tragen sie zum Erhalt der Artenvielfalt bei, der ebenfalls erklärtes politisches Ziel ist, so wie der Gewässerschutz.


Lob für hiesige Bauern

"Wasser spielt im Bewusstsein der Öffentlichkeit zurzeit eine große Rolle", weiß Hans Vetter, der Leiter des AELF Coburg-Lichtenfels. Die Erhebung und Kontrolle zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie obliegt der Wasserwirtschaft, stellt er klar.
Doch umsetzen müssen das Programm die Landwirte - und zwar freiwillig. Es spreche also sehr für die Coburger Bauern, dass sie das Programm so gut annehmen. Jochen Körtge hat dafür gute Gründe. "Wir Landwirte sind ja die, die in der Nähe der Gewässer wirtschaften. Und wir haben auch ein Interesse daran, dass die Gewässer sauber sind", sagt er. Ob das Grünstreifenprogramm reichen wird, die von der EU geforderte Wasserqualität überall zu schaffen, das muss sich allerdings erst noch zeigen.