Über sieben Wochen sollte das internationale Spring-Turnier "CES Valencia Tour" gehen. Als das equine Herpesvirus vor Ort ausbrach, wurde es nach vier Wochen abgebrochen. Noch vor dem Ausbruch des Virus, das nicht vom Pferd auf den Menschen übertragen werden kann, waren einige Reiter mit ihren infizierten, aber noch nicht erkrankten Pferden wieder in ihre Heimatställe, auch nach Deutschland, abgereist. Im Nachgang wurden die Teilnehmer rückverfolgt und die heimischen Anlagen vorübergehend gesperrt. Die Pferde mussten klinisch untersucht und separiert werden. Alleine in Valencia starben 17 Tiere.

Pferdehalter sind verunsichert

Auch in Oberfranken erkrankten einige Pferde an dem Virus. "In diesem Jahr gab es im Bayreuther und Kulmbacher Raum Bestände, bei denen Herpesinfektionen ausgebrochen sind. Ob diese im Zusammenhang mit den Infektionen rund um die aktuellen, doch sehr dramatischen Ereignisse im internationalem Turniersport mit einigen toten Pferden stehen, ist unklar", sagt Tierarzt Hajo Pohle. Eine breite Verunsicherung bei vielen Pferdehaltern, vor allem Turnierreitern, sei aber trotz der aktuellen Beruhigung des Infektionsgeschehens weiterhin vorhanden.

Im Coburger Raum gab es in diesem Jahr bislang keine Fälle von Pferdeherpes. Dennoch regierte das Virus den Stallalltag für einige Wochen. "Leerstehende Boxen wurden vorerst nicht vergeben. Außerdem durfte niemand mit Pferd den Stall verlassen oder in den Stall rein", sagt Victoria Klose, deren zwölfjähriger Wallach Clemont beim Reit- und Fahrverein Bieberbach steht. Physiotherapeuten oder Sattler, die vorher in einem anderen Stall waren, wurden angehalten, ihre Klamotten vor dem Zutritt zu wechseln. Vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie nahm Klose regelmäßig an Reitturnieren teil. "Im Amateurbereich waren wegen Corona sowieso noch keine Turniere geplant." Die Wettbewerbe für Berufs- und Kader-Reiter wurden wegen des Herpesausbruchs im Zeitraum vom 28. März bis zum 11. April abgesagt.

"Mittlerweile hat sich alles wieder normalisiert. Wenn die Corona-Inzidenz weiter sinkt, finden sicher bald wieder Turniere für Amateure statt", vermutet Klose. Um ihren Wallach bestmöglich zu schützen, hat sie ihn gegen Pferdeherpes impfen lassen. "Mir war es wichtig, Clemont zu impfen, weil das Virus zur Pandemie hätte werden können. Zum Glück wurden erkrankte Pferde schnell isoliert."

Isolation zum Schutz trächtiger Stuten

Wenige Kilometer vom Reit- und Fahrverein Bieberbach entfernt betreibt Stephan Trukenbrod sein gleichnamiges Gestüt in Zedersdorf. Als das Herpesvirus in Valencia ausbrach, waren drei seiner Stuten trächtig. "Ich habe den Stutenstall komplett geschlossen und die Tiere nur noch am Morgen rausgelassen, wenn noch niemand im Stall war. So konnte ich verhindern, dass die Stuten Kontakt zu anderen Pferdebesitzern hatten", sagt der 48-Jährige.

Seine Stuten sind bereits seit Jahren gegen Pferdeherpes geimpft. Vor allem im letzten Drittel der Trächtigkeit von insgesamt elf Monaten kann es infolge eines Herpesausbruchs zu Totgeburten kommen. Mittlerweile sind alle drei Fohlen gesund zur Welt gekommen.