Am 19. November vergangenen Jahres hatte der Marktgemeinderat Gößweinstein mit einer Gegenstimme dem Umbau des katholischen Pfarrhauses zum neuen Rathaus zugestimmt. Knapp ein Jahr später lehnten die sechs Räte der CSU/JUF-Fraktion am Donnerstagabend die Durchführung eines Architektenwettbewerbs zur Revitalisierung des Pfarrhauses zum Rathaus ab. Neun Räte der der Freien Wähler und der SPD stimmten jedoch dafür, darunter auch Bürgermeister Hanngörg Zimmermann (FW), der einem Architektenwettbewerb zunächst skeptisch gegenüberstand.

Die Bezirksregierung von Oberfranken hatte die Durchführung eines Architektenwettbewerbs dringend empfohlen. Gekoppelt ist dies mit einem sogenannten VGV-Verfahren (Vergabeverordnung), in dem der Markt Gößweinstein einen Architekten als Betreuer beauftragt, mit der Planung zu beginnen und den europaweit auszuschreibenden Architektenwettbewerb durchzuführen.

Kosten für VGV-Verfahren

Die geschätzten Kosten für den Architektenwettbewerb und das VGV-Verfahren liegen bei 150 000 Euro und werden über die Regierung von Oberfranken mit mindestens 60 Prozent gefördert. Der Architektenwettbewerb, der mindestens neun Monate dauern wird, soll in einen Realisierungsteil für den Umbau des Pfarrhauses mit Anbau Richtung Pfarrgarten sowie einen Ideenteil für die Neugestaltung des Pfarrgartens selbst gegliedert werden. Vom Pfarrgarten aus soll eine Durchgängigkeit bis zum Pfarrzentrum am Kreuzberg geschaffen werden. Der Ideenwettbewerb umfasst das gesamte Areal von der Basilika bis zum Pfarrheim.

Wie Bürgermeister Zimmermann, der nun für den Architektenwettbewerb warb und dafür auch die Vorteile aufzählte, erklärte, sei der Spielraum zur Umgestaltung des Pfarrhauses zum Rathaus im Inneren sehr gering. Er empfahl nun, in den Architektenwettbewerb hineinzugehen, um mit allen Beteiligten weiterhin partnerschaftlich zusammenzuarbeiten: mit der katholischen Kirchenstiftung, dem Erzbistum Bamberg, dem Denkmalamt, vor allen auch mit der Regierung. Da die Gemeinde bereits einen Erbbaupachtvertrag geschlossen habe, sei sie nun auch in der Verpflichtung, in die Umsetzung der Maßnahme zu gegen.

Bestandsanalyse gefordert

Hans Heckel (CSU) kritisierte, dass er das Pfarrhaus von innen bisher noch nicht gesehen habe. "Eine vorausgehende Bestandsanalyse ist aber viel wichtiger als ein Architektenwettbewerb", meinte der Baufachmann und betonte, dass ein Architektenwettbewerb in keiner Weise auf die Bausubstanz des Gebäudes eingehe. Erst müsse die Bausubstanz geprüft werden.

"Das stimmt und stimmt nicht", entgegnete ihm der Rathauschef. Denn die Bausubstanz prüfe schließlich der Wettbewerbsbetreuer, bevor er in den Architektenwettbewerb geht. Momentan, so Zimmermann, sei man in der Phase 1, dem Vorentwurf.

Heckel ließ jedoch nicht locker: Noch kein Architektenwettbewerb, von denen er selbst schon viele beruflich erlebt habe, hätte die Bausubstanz geprüft. "Ich befürchte, dass uns die Kosten davonlaufen werden", sagte Heckel.

Dieser Meinung war auch sein CSU-Kollege Dietmar Winkler: "Wir stürzen uns in ein Millionengrab, was unsere Kinder noch zu tragen haben." Er verwies auf den Bau der Zweifachturnhalle. Dort war man zunächst bei rund vier Millionen Euro an Kosten, jetzt sind es schon sechs Millionen. "Und das ist ein Neubau", fügte Winkler hinzu.

Bisher sind die Kosten zum Umbau des Pfarrhauses zum Rathaus mit Pfarramt und Tourismusbüro sowie dem Anbau auf rund acht Millionen Euro geschätzt. In diesen Kosten sind bereits die Sanierung der öffentlichen Toilettenanlage neben der Basilika und die Öffnung des Pfarrgartens mit Nachfolgenutzung enthalten, ebenso die Räumlichkeiten, die dann von der Kirchenstiftung genutzt werden können.

Historische Chance

Für den Markt Gößweinstein gilt der Umbau als eine historische Chance, zumal ein Leerstand mitten im Ortskern aktiviert und die Ortsmitte dadurch enorm aufgewertet werden könnte. Die Gemeinde beteiligt sich nach dieser Kostenschätzung mit rund 2,89 Millionen Euro daran, die Kirche mit rund 1,2 Millionen Euro. Der Zuschuss aus Städtebaufördermitteln soll rund vier Millionen Euro betragen. 20 000 Euro kommen aus Mitteln des Denkmalschutzes.