"Awo Quartiersmanagement" steht auf der Visitenkarte von Nathalie Haase. Ihr Büro hat sie im Seniorenheim an der Sonneberger Straße. Doch die Menschen, um die sie sich kümmert, leben in der Stadt. Eine ihrer Aufgaben ist es, Senioren zu helfen, damit sie möglichst lange selbstbestimmt zu Hause wohnen bleiben können. Wenn sie heute sagt: "Das Leben war früher ganz anders", dann meint Nathalie Haase damit die Zeit vor den einschneidenden Beschränkungen, die zur Bekämpfung der Corona-Pandemie erlassen wurden.

Alte Menschen leben oft alleine. Kontaktbeschränkungen lassen ein Gefühl von Einsamkeit wachsen. Nathalie Haase steuert mit einer Reihe von Angeboten gegen. Eines ist die "Bastelspaß-Tüte". Eine Idee, die gemeinsam mit dem Museum der Deutschen Spielzeugindustrie verwirklicht wurde. Es gibt die Tüte für Kinder. Aber es gibt eben auch eine Variante für Senioren. Heißt es in der Kinder-Tüte vielleicht "Wir bauen ein schönes Windrad", so lautet in der Senioren-Variante das Motto: "Malen wie der Künstler Max Ernst. Wir führen in die Kunst der Frottage und Grattage ein." Die Tüte kostet einen Euro und kann nach Voranmeldung am Museum abgeholt werden. So werden die Senioren zur Aktivität animiert, denn "weniger Bewegung führt auch zu weniger Beweglichkeit", weiß Nathalie Haase. Wo Beschäftigung und Ansprache fehlen, ist geistiger Abbau zu befürchten.

Um auch dagegen etwas zu tun, regt Nathalie Haase die Senioren, die sie bereut, dazu an, ein "Tagebuch in Zeiten von Corona" zu führen. Als Zeitzeugen sollen die älteren Menschen ihre Erlebnisse, Gedanken und Gefühle niederschreiben. Was haben sie unternommen, wann und wo hatten sie eine nette Begegnung? So soll der Geist beweglich gehalten und gleichzeitig ein Dokument einer ungewöhnlichen Zeit geschaffen werden, das später als wertvolle Erinnerung dienen kann.

Eine andere Idee sind Grußkarten. Ende des vergangenen Jahres rief die Quartiersmanagerin Bürger dazu auf, Briefe oder Karten an Bewohner des Seniorenheimes oder im Quartier zu Hause lebende Senioren zu schicken. Ein Aufruf, dem in den ersten Wochen des Jahres schon mehr als 20 Teilnehmer gefolgt sind. "Uns erreichten viele bunte und liebevoll gestaltete Karten mit den schönsten Faschingserinnerungen, Zeichnungen und Gedichten", sagt Nathalie Haase. Daher wird auch diese Aktion fortgeführt.

Wer sich informieren möchte, oder digital mitmachen möchte, sollte die Homepage www.awo-quartiersentwicklung-neustadt.de aufsuchen. Dort gibt es eine Verlinkung zum Grußkartenservice. Bei der digitalen Postkarte ist beim Grußtitel #von deinen Liebsten und als Empfängerin Nathalie Haase einzutragen. Bis Ende Mai heißt das Motto dann übrigens "Schenkt uns ein Stück Frühling". Noch relativ neu ist der Glücksbringer. Das ist eine Art Wochenplaner, der entweder kostenfrei zugeschickt wird oder per E-Mail zu den Abonnenten kommt. Er will einen Impuls zum Nachdenken geben, enthält eine Wochenaufgabe mit der Möglichkeit die Woche zu strukturieren und sich Ziele zu setzen und regt zur Reflexion über die vergangene Woche an.

Nette Anrufer gesucht

Mit den Beschränkungen vor allem der privaten Kontakte brachte die Corona-Zeit auch Ängste. "Menschen fürchten, sie könnten hinfallen und niemand kommt, um ihnen zu helfen", erklärt Nathalie Haase. Regelmäßige Anrufe der Quartiersmanagerin mindern diese Angst. Sie geben das Gefühl, dass so jemandem auffallen würde, wenn sie den Anruf nicht annehmen - und sich dann kümmert und nach dem Rechten sieht.

Dabei würde sich Nathalie Haase sehr wünschen, dass ehrenamtliche Helfer, die sich in dieser Zeit für Senioren engagieren wollen, solche Anrufe übernehmen. Es geht darum, ein kurzes Gespräch zu führen, das Gefühl zu geben, dass man nicht ganz vergessen ist. Nathalie Haase hat noch eine Vielzahl anderer Aufgaben und würde so etwas entlastet. So hilft sie etwa Senioren bei der Anmeldung zur Impfung und anderen Dingen, die sie nicht gut alleine bewältigen können und die während der Pandemie neu sind oder anders erledigt werden müssen als früher.

Ermöglicht und finanziell unterstützt wird die Arbeit der Awo-Quartiersmanagerin übrigens durch Mittel aus der Deutschen Fernsehlotterie.