Kirche, Rathaus, Wirtshaus und Tante-Emma-Laden gehören zu einem ordentlichen fränkischen Dorf. In Grafengehaig gibt es all das nebeneinander im Ortszentrum. Und mehr noch: Hinter dem Dorfladen entstehen in Eigenregie der Gemeinde fünf neue Mietwohnungen in einem Neubau. Jetzt wurde Richtfest gefeiert.

Außerdem wird im Umgriff des Neubaus ein parkähnlicher Mehrgenerationenspielplatz angelegt und vielleicht sogar ein neuer Kindergarten gebaut. Damit ist ein belebtes dörfliches Ortszentrum im Werden. "Parkplätze für den Mehrgenerationenplatz sind schon vorhanden. Die taugen auch für den Kindergarten, doch der ist erst einmal nur angedacht", sagt Bürgermeister Werner Burger.

"Ein Mietshaus wollte der Gemeinderat keinesfalls außerhalb, sondern mitten im Dorf haben, um eine Zersiedelung beziehungsweise eine neue Bebauung am Ortsrand zu vermeiden." Dazu konnte im Rahmen der Förderoffensive Nordostbayern ein jahrelang leerstehendes Gebäude erworben und abgerissen werden. "Geplant war zunächst, das leere Grundstück irgendwie zu begrünen. Doch dann entschloss sich der Gemeinderat, dort ein modernes, auch behindertengerechtes Mehrfamilienhaus mit fünf Wohnungen zu bauen" berichtet Burger.

1,7-Millionen-Projekt

"Möglich ist uns das mit Mitteln aus dem Wohnraumförderprogramm des Freistaats, aus dem etwa 30 Prozent der Baukosten von immerhin 1,7 Millionen Euro fließen." Das neue Mietshaus steht von der Straße zurückversetzt; davor direkt an der Straße nebeneinander Rathaus, Dorfladen und Dorfgemeinschaftshaus, ein Gebäude aus dem Jahr 1826.

Dieses "Wirtshaus", wie es Werner Burger nennt, hat die Gemeinde in jüngster Zeit aufwendig sanieren lassen. Es soll nun, wie früher die Dorfgaststätten, für alle möglichen Veranstaltungen, also als Ort der Begegnung, dienen. Dafür stehen zwei großzügige, gediegen eingerichtete Räume und eine professionell ausgestattete Küche zur Verfügung. Gefeiert werden kann bei Bedarf auch draußen auf dem Platz davor Richtung Kirche. Energetisch versorgt werden die vier Gebäude nach ganz modernem Standard - zentral über ein Blockheizkraftwerk im Untergeschoss des Dorfladens.

Ein gasbetriebener Motor in einem schallisolierten Gehäuse produziert zum einen Strom und durch dessen Abwärme Heizenergie. Das Kraftwerk ist zunächst über zehn Jahre subventioniert und gehört zum Dorfladen "Unner Lädla", der mit dieser Anlage weitere Einnahmen erzielt "und sich nicht nur mit dem Verkauf von Joghurt finanzieren muss", wie Werner Burger launig anmerkt.

90 Prozent Zuschuss

Der Umgriff des Neubaus bleibt öffentlich zugänglich. Investiert werden für dessen Gestaltung und die Möblierung 433 500 Euro, die durch das Amt für ländliche Entwicklung und die Förderinitiative mit 90 Prozent bezuschusst werden. Neben dem Mehrgenerationenspielplatz ist auch ein weiterer Freisitz am Dorfgemeinschaftshaus und für den Dorfladen vorgesehen. Damit wird ein ganz neues Zentrum in Grafengehaig entstehen, das man durchaus als Modellprojekt ansehen könnte, meint Bürgermeister Burger - "zumindest ist es eine deutliche Aufwertung von Grafengehaig".

Der Park um den Neubau wird auch den bisherigen Spielplatz ersetzen. Der befindet sich außerhalb des bebauten Bereichs, unmittelbar neben der Straße und einer Scheune des Bauhofs, also schlecht gelegen und zum größten Teil im Schatten.

Das neue Dorfzentrum ist schon eine gewaltige Investition für den kleinen Ort, aber "das Geld ist es uns wert", sagte Bürgermeister Burger nach dem Richtspruch und dem Segen von Pfarrerin Heidrun Hemme von ganz oben im eben fertig gewordenen Gebälk des Rohbaus. Architekt, Baufirmen und Arbeitern dankte er "für das schöne Bauwerk" und dem Gemeinderat für die weitsichtige Entscheidung. Sein Dank galt ferner Michael Laaber, der sich in der VG Marktleugast um die Abrechnung des Ganzen kümmert.

Mit dem neuen Ortszentrum warb Burger zudem für Grafengehaig an und für sich, "weil's bei uns halt schön ist".