Seit Monaten ruht bei den Sportvereinen neben dem sportlichen Geschehen auch das gesellschaftliche Leben. Zwar sollen Herren- und Jugendmannschaften im September die Saison fortsetzen können, doch beobachten die Verantwortlichen derzeit mit Sorge die aktuell wieder ansteigenden Infektionszahlen.

Die finanziellen Einbußen durch die coronabedingte Pause stellen dabei nur ein Problem dar. Viele Vereine sorgen sich dazu um den sportlichen Nachwuchs. "Wir befürchten, dass durch den unterbrochenen Spiel- und Trainingsbetrieb gerade im Schüler- und Jugendbereich einige Kinder und Jugendliche nicht mehr in ihren Mannschaftssport zurückkehren werden", berichtet Udo Scharpf, Vorsitzender des Sportvereins Heilgersdorf (SVH).

Weil aber Stillstand für den SVH "auch in der Krise keine Option ist", beschloss der Vereinsausschuss, ein Minispielfeld mit Kunstrasensystem, einen sogenannten "Soccer-Court", für die jüngsten Kicker zu bauen. Kürzlich erfolgte der Spatenstich für die "Weltmeister 2030" getaufte Initiative.

Die Idee wurde von einer Gruppe engagierter Eltern um Daniel Braunreuther und Sebastian Schuhmann entwickelt. "Wir haben nach Möglichkeiten gesucht, unser Angebot sowohl für unsere jüngsten Mitglieder als auch für alle anderen Kinder und Jugendlichen der näheren Umgebung zu erweitern", schildert Schuhmann, der als Sprecher der Elterninitiative fungiert. Denn das neue Spielfeld soll auch Nichtmitgliedern kostenfrei zur Verfügung stehen.

Ganzjährig sollen die kleinen und großen Kicker aus dem gesamten Stadtgebiet und darüber hinaus auf dem neuen, 20 mal 13 Meter großen Spielfeld an der Bischwinder Straße ihr Ballgefühl und ihre Schusstechnik verbessern können. Damit kein Ball verloren geht, verfügt der Soccer-Court über ein Bandensystem sowie quer- und längsseitig montierte Netze.

Als Treffpunkt gedacht

Auch soziale Aspekte haben die Initiatoren im Blick: Das Spielfeld werde sich "sehr schnell als Treffpunkt sämtlicher Altersstufen etablieren", zeigt sich Schuhmann überzeugt.

Vorsitzender Scharpf sieht in der Umsetzung "einen weiteren Meilenstein zur Förderung unseres Breitensport-Angebotes und unserer Jugendarbeit", denn gerade der Nachwuchsförderung werde im Verein ein sehr hoher Stellenwert eingeräumt.

75 000 Euro kostet so ein kleines Kunstrasen-Spielfeld. Eine Summe, die der 440 Mitglieder starke Verein unmöglich allein stemmen könnte. Doch liegen dem SVH bereits erste Spenden- und Förderzusagen des Bayerischen Landessportverbands (BLSV), der Stadt Seßlach und der Initiative Rodachtal vor. Übrig bleibt ein Bedarf von 15 000 Euro. Ein immer noch stolzer Betrag, zumal der Verein vor seiner 75-Jahr-Feier 2021 noch Sanierungs- und Umbauarbeiten plant. Unter anderem sollen der Umkleidetrakt instand gesetzt, die Tribüne gestrichen und ein fester Vorbau errichtet werden, der das vom Sturm verwehte Vorbauzelt ersetzen soll.

"Um die Handlungsfähigkeit unseres Vereins für die kommenden Jahre nicht zu stark einzuschränken, suchen wir weitere Spenden und Sponsoren", sagt Scharpf. So wurde gemeinsam mit der SÜC Coburg eine Online-Spendenaktion, ein sogenanntes "Kommunales Crowdfunding", ins Leben gerufen. Für jede Spende über zehn Euro, die online eingeht, legt die SÜC weitere zehn Euro drauf.

Die Zeit drängt

Einziger Haken: Bis zum 27. August um 20 Uhr müssen 5000 Euro eingegangen sein. Sollte diese vom Sponsor geforderte Mindestspenden-Summe nicht erreicht werden, müsste die ganze Aktion wieder rückgängig gemacht werden, alle Unterstützer erhielten dann ihr Geld zurück.

Doch der Vorsitzende ist zuversichtlich: "Wir sind überwältigt vom Zuspruch, den wir allein in den ersten 48 Stunden erhalten haben: 62 Unterstützer haben bereits 2285 Euro überwiesen!"

Wer spenden oder den Spendenverlauf verfolgen will, kann es unter www.kommunales-crowdfunding.de/weltmeister2030 tun. "Aber natürlich sind wir auch dankbar für jede einzelne Spende, die uns auf herkömmlichem Wege erreicht", betont Scharpf.

Bis Mitte Oktober, so hofft der Vorsitzende, wird das Spielfeld stehen. Es wird unmittelbar an den neuen Sportplatz angrenzen und liegt parallel zu Sportheim und Kabinengebäude. Die Erdarbeiten laufen bereits. Der Aufbau des Spielfelds ist für die letzte Septemberwoche geplant.

Neben Spenden werden auch im August und September viele Helfer bei den Vorbereitungen gebraucht. Scharpf: "Wir freuen uns über jeden, der unser Vorhaben tatkräftig unterstützt!"