Das Internet ist die Allzweckwaffe des modernen Menschen. Er kann darin kaufen und verkaufen, Kontakte knüpfen, sich darstellen, für die Schule lernen oder sogar Essen bestellen. Aber auch Kunst und Kultur präsentieren sich in der Welt von Bits und Bytes – Unterhaltung sowieso. Einer, der die Möglichkeiten des World Wide Web nutzt, ist Matthias Than. Der Stadtsteinacher entwickelte die Idee, für seine Heimatstadt ein eigenes Radioprogramm auf die Beine zu stellen: Seit Anfang Mai ist Radio San auf Sendung.

Matthias Than interessiert sich für alles, was mit Noten zu tun hat. Mit 15 fängt er an, Musik zu machen – Akkordeon und Keyboard. Mit 16 tritt er das erste Mal auf, bei einer Feier der Triebenreuther Feuerwehr. Zusammen mit Hans Kotschenreuther aus Stadtsteinach bildet er das Duo "die Muntermacher", ab der Jahrtausende-Wende geht er mit "Die Drei" auf die Bühne. Und seit zwei Jahren ist er als Alleinunterhalter unterwegs.

Die Musik liegt ihm im Blut, ist seit über 40 Jahren fester Bestandteil seines Lebens. Und das nicht nur als Künstler, sondern auch als Sammler: Matthias Than besitzt ein Archiv mit über 11 000 Titeln. Was liegt da näher, als diesen großen Fundus auch im Radio einzusetzen?

Radio Dumba als Inspiration

Die Initialzündung dazu liefert Siegfried Failner. Mit dem Kirchenthumbacher arbeitet der Stadtsteinacher bei der Post zusammen. Und sein Kollege berichtet Matthias davon, dass in seiner Heimatgemeinde das Internet-Radio Dumba sendet. Der 55-jährige Stadtsteinacher wird neugierig, schaut sich das Konzept an und beschließt: "Das will ich auch machen."

Gesagt – getan. Seit wenigen Wochen sendet Radio San nonstop die ganze Woche. Songs aus allen Kategorien, von Schlager über Volksmusik bis hin zu Pop und Hard Rock. Alles, was den Leuten Spaß macht.

Wie aber kann ein einzelner Mann das stemmen? Das funktioniert nur mit Mitteln der modernen Technik. Matthias Than erklärt, dass es für diese Art der Web-Radios eine Plattform namens laut.fm gibt. Die liefert den organisatorischen Rahmen für derlei Radio-Formate. Als Dachorganisation kümmert sich die Plattform auch um die rechtliche Abwicklung und regelt auch Ansprüche Dritter wie die der GEMA oder der Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten (GVL). Abgaben für diese Organisationen fallen für Matthias also nicht an.

"Ich habe keinerlei Einnahmen"

Dennoch: Ganz kostenfrei ist Radio San für den Radio-Macher nicht. Er muss neben den Titeln auch Hardware finanzieren wie einen PC oder Laptop, muss eine eigene Homepage entwerfen, ein Mikrofon einsetzen und die Programm-Software für etwaige eigene Beiträge erwerben. Gegenfinanzieren kann der 55-Jährige diese Ausgaben nicht: " Ich habe keinerlei Einnahmen, keinen einzigen Cent", betont der Radio-Macher aus dem Kellerweg. Das Ganze hat keinerlei kommerziellen Hintergrund. Es gibt zwar Werbeblöcke - mit denen Matthias allerdings nichts zu tun hat. Sie dienen der Finanzierung der Dachorganisation.

Und wie steht es mit der technischen Seite? Than lädt Titel aus seinem Fundus in eine Stoffsammlung hoch. Dort befinden sich derzeit 600 Songs. Aus diesem Pool übernimmt das Programm dann 100 Titel, die als Endlosschleife im Rotationsprinzip "on net" gehen – ein relativ bequemer Automatismus.

Ungeachtet dessen gibt es doch immer wieder einiges zu tun. Rund eine Stunde täglich investiert der Stadtsteinacher für sein Radio. Ab und zu hilft Neffe Benjamin. Die Mühe lohnt sich jedoch: Die Hörerzahl nimmt ständig zu. Momentan klicken im Schnitt rund 300 Leute täglich auf Radio San. Und die Resonanzen sind positiv. Deshalb schließt er den Ausbau der Programm-Vielfalt nicht aus. Er spielt mit dem Gedanken, eigene Beiträge zu besonderen lokalen Ereignissen zu produzieren. Möglich wäre es auch, andere Personen des öffentlichen Lebens oder Künstler zu Wort kommen zu lassen. Oder dem Musikverein Stadtsteinach eine Sendezeit für dessen Klang-Kreationen einzuräumen. Auch die politische Gemeinde hat schon ihr Interesse bekundet an einer Zusammenarbeit.

Bei all dem Zuspruch seiner Hörer weiß Matthias Than jedoch: "Eine Konkurrenz zu anderen Radiostationen kann und will ich keinesfalls sein."