Veronika Schadeck

Zum vierten Mal finden nach zehnjähriger Pause in der Fastenzeit in Tettau die Passionsspiele statt. Und zum dritten Mal ist Adem Elkol unter den rund 70 Laiendarstellern. Das Besondere ist, dass Adem Elkol weder der katholischen, evangelischen noch der orthodoxen Religion angehört. Adem Elkol ist Moslem - und er lebt seinen Glauben aus Überzeugung.
Ein Moslem in einem Passionsspiel? Adem Elkol lacht: "Ich habe kein Problem damit!" Und fügt hinzu: "Ja, und stell' dir vor. Ich als Moslem fahre wegen der Passionsspiele nicht nach München in die Allianz-Arena." Adem Elkol ist begeisterter Bayern-Fan und hat eine Dauerkarte, doch dieses Mal verzichtet er.
Der Tettauer hat bei den Passionsspielen die Rolle des "Nabal, der Händler" inne. Er hat somit zum ersten Mal eine Sprechrolle. Inhaltlich geht es darum, dass Nabal den Jünger Judas auffordert und überredet, Jesus an die Gerichtsbarkeit zu verraten. Der 49-Jährige lässt keine Probe aus. Seinen Text beherrscht er mittlerweile, das Kostüm ist angepasst.
"In erster Linie will ich mit der Teilnahme Vorurteile zwischen dem Christentum und Moslem abbauen", sagt Elkol, der von frühester Kindheit an in Tettau lebt. Er sieht sich als Botschafter seines Glaubens. Was auf der Welt im Namen des Islam passiert, habe nichts mit dem Glauben gemeinsam. "Es ist genau das Gegenteil, was im Koran steht."


Jesus gilt als großer Prophet

Ein weiterer Grund für seine Teilnahme sei aber auch, dass Jesus bei den Moslems als großer Prophet gilt und auch verehrt wird. Christen und Moslems hätten in ihrer Religion viel mehr gemeinsam, als den meisten Menschen bewusst sei. Und nicht zuletzt sind da seine Schulkolleginnen, die Regisseurin Lydia Müller und die Chorleiterin Anja Knaber. Mit den beiden Frauen hat Adam Elkol die Schulbank geteilt, mit ihnen ist er aufgewachsen und hat zu ihnen bis heute ein gutes Verhältnis. "Die haben mich gefragt, da konnte ich nicht nein sagen."
Vielleicht, so hofft Adem Elkol, tragen die Passionsspiele ja dazu bei, junge Menschen wieder mehr zu ihrer Religion zu führen. Mit einem Kopfschütteln erzählt er dabei, dass er von einem christlichen Arbeitskollegen auf seine Rolle angesprochen worden sei. "Der wusste nicht, was die Passion ist", sagt Elkol kopfschüttelnd.
Überhaupt habe er feststellen müssen, dass die Religion vor allem bei jungen Menschen, seien es Christen oder Moslems, nahezu keinen Stellenwert mehr einnehme. "Das finde ich sehr schade."
Zu den Passionsspielen ist Adem Elkol im Jahre 2003 gekommen. Damals sei man auf ihn zugekommen und habe gefragt, ob er denn nicht mitmachen möchte. "Ja, wenn ich mitmache, dann spiele ich nur die Hauptrolle", erinnert er sich an seine Zusage.
Gerne geht Adam Elkol zu den Probeaufführungen: "Wir sind ein Team geworden." Zufriedenheit ist seiner Stimme zu entnehmen, als er sagt: "Ich gehöre zu Tettau, zur Rennsteig-Region - und dennoch bin ich auch Türke." Er hofft nun, dass er bis zur Premiere sein Lampenfieber in den Griff bekommt. Es sei schon aufregend, auf der Bühne zu stehen, in einem ungewohnten Kostüm, umgeben von einer historischen Kulisse, von Lichtspots und Hunderten von Menschen. "Aber es wird schon gelingen", ist Adem Elkol überzeugt. Schließlich sei er es ja als stellvertretender Betriebsratsvorsitzender der Heinz-Gruppe gewohnt, mit Leuten zu sprechen und in der Öffentlichkeit Statements abzugeben.
Und was sagen seine Glaubensbrüder beziehungsweise die Mitglieder des Türkisch-Islamischen Vereins Tettau zu seiner Entscheidung, bei den Passionsspielen als "Nabal, der Händler" aufzutreten? "Die wissen es und sagen nichts." Nur seine Frau sagte: "Musst du denn überall mit dabei sein." Adem Elkol wirkt nachdenklich, als er weiter erzählt: Durch die Passionsspiele werde die Geschichte vom Leiden Jesu in manchen Köpfen wieder mehr Beachtung finden. Für ihn bedeute seine Rolle aber auch eine Möglichkeit, seinen Glauben als Moslem positiv darzustellen. Vielleicht trügen solchen Aufführungen außerdem dazu bei, dass man füreinander mehr Verständnis entwickelt. "Und dafür lasse ich auch meine geliebten Bayern-Fußballübertragungen ausfallen."