Ein Meister im Kickboxen

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Harald Rögner bekommt ein Schwert als Symbol seiner bestandenen Prüfung verliehen. Foto: Katrin Pauleit
Harald Rögner bekommt ein Schwert als Symbol seiner bestandenen Prüfung verliehen. Foto: Katrin Pauleit

Harald Rögner hat die Prüfung zum höchsten Schwarzgurtgrad im Kickboxen bestanden. Der Eberner ist damit eine von zwei Personen weltweit, die den Kampfsport auf diesem Niveau beherrscht.

Anspannung, Nervosität, Vorfreude - Schüler kennen das Gefühl vor einer Prüfung bestens. Wie ist es aber, wenn sich erfahrene Trainer dieser Herausforderung stellen? Im baden-württembergischen Schorndorf stellten sich sechs Kickboxer und ein Karateka der Herausforderung, einen der höchsten zu erreichenden Meistergrade, den "Dan", zu erreichen. Unter den Prüflingen war die Prominenz des Kickboxsports, unter anderem Klaus Nonnemacher, mehrfacher Weltmeister des siebten Dan und die Bundestrainer Marco Ross (6. Dan) und der 60-jährige Eberner Harald Rögner (9. Dan).
Weniger als 100 Kickboxer der WKU haben weltweit aktuell einen Meistergrad von 6 oder höher - und fünf Kampfsportler davon waren anwesend. Für diese besondere Prüfung stellt sich die Frage, wer diese überhaupt bewerten kann und darf. Abdul Rahman El Rayess ist extra dafür aus dem Libanon nach Deutschland angereist - er ist der einzige Schwarzgurtträger des 10. Dan - um zusammen mit Günther Kogucik (9. Dan) und Harald Folladorf (7. Dan) die Prüfung abzuhalten. Die fünfstündige Prüfung war in vier Teile aufgeteilt. Im Vorfeld war zusätzlich eine schriftliche Ausarbeitung zu einem selbst gewähltem Sportthema anzufertigen. Bevor der praktische Teil begann, mussten die Teilnehmer einen schriftlichen Test bestehen, bei dem sportbiologische Fragen und Fragen zum Verband, Wettkampfformen und Ernährung abgefragt wurden. Im zweiten Prüfungsteil wurde jedem der Sportler ein Thema zugewiesen, das sie anschließend den anderen Teilnehmern in jeweils 15-minütigen Trainingseinheiten nahebringen sollten. Der Eberner Harald Rögner bekam das Thema "Taktische Finessen während eines Kickboxwettkampfs von Fortgeschrittenen".


Fachlich und taktisch gefordert

"Ein Träger eines hohen Dan-Grades muss im Rahmen seiner Trainertätigkeiten sowohl herausragende fachliche und taktischen Fähigkeiten als auch eine gute körperliche Fitness besitzen", sagte El Ravess. Das war die Aufgabe des dritten Abschnitts: ein anspruchsvoller Fitnesstest, der Kraft- und Ausdauerübungen beinhaltete. Liegestütze, Sit-ups, Kniebeugen und zu einem vorgegebenen Takt Kicks und Schläge gegen den Boxsack: Nach drei Stunden harter körperlicher Anstrengung waren die meisten der 40- bis 60-jährigen Teilnehmer an ihren Grenzen angelangt. Dann begann der eigentliche Kraftakt, natürlich ohne vorherige Pause. In vier Sparringsrunden mussten die Kampfsportler gegeneinander in zwei verschiedenen Kampfrichtungen bestehen und ihr Können unter Beweis stellen. Rögner zeigte seine herausragende Kampfsporterfahrung in den Disziplinen Leichtkontakt und Kick-light des Kickboxens. Von Krämpfen geplagt stand allen nur noch eine Bewährungsprobe bevor: Selbstverteidigung. Auf Kommando musste sich ein Prüfungsteilnehmer umdrehen und sich gegen einen Angreifer (mit oder ohne Waffe) wehren und ihn gegebenenfalls entwaffnen. Nach fünf Stunden war es geschafft. Nicht alle bestanden die Prüfung - Rögner schon. Der höchste zu verleihende Meistergrad wurde ihm in einer besonderen Zeremonie zugesprochen. Damit ist Rögner eine von weltweit nur zwei Personen, die den höchsten Gürtelgrad im Kickboxen tragen. Ans Aufhören denkt Rögner jedoch nicht: "Es ist eine große Ehre für mich. Aber es ist nicht das Ende. Ich werde nicht stehen bleiben. Ich bin ja noch jung." red