Es steht einem Reporter sicher nicht zu, über ein Gerichtsurteil zu urteilen. Dafür sind die Richter da und die haben sicher keinen einfachen Job, über etwas zu urteilen, das sie letztlich nur durch verschiedene Erzählungen vermittelt bekommen.
Es gab aber einen Nebenaspekt bei dieser Verhandlung, der nicht uninteressant, wenn nicht sogar erschreckend war. Der Verurteilte, so gab er an, arbeitet seit einiger Zeit ehrenamtlich in einer Einrichtung, die Kinder und Jugendliche betreut. Bereits 2009 hatte der Bundestag Änderungen im Bundeszentralregistergesetz (BZRG) beschlossen.
Mit der Änderung ist ein sogenanntes erweitertes Führungszeugnis für kinder- und jugendnahe Tätigkeiten eingeführt worden. Sinn ist es zu eruieren, ob Stellenbewerber bzw. Mitarbeiter wegen bestimmter Sexualdelikte an Kindern und Jugendlichen vorbestraft sind.
Ja, es liegt in diesem Fall kein Sexualdelikt bei dem Verurteilten vor, auch gegenüber Kindern und Jugendlichen gab es offensichtlich noch keine Auffälligkeiten. Dennoch bleibt ein schaler Geschmack, dass ein Mensch, der bereits 23 zum Teil einschlägige Eintragungen in seiner Strafakte hat, ein Mann, der von sich selbst behauptet "leicht erregbar" - im Sinne einer Gewaltreaktion - zu sein, dass solch eine Person im Umgang mit dem Nachwuchs ehrenamtlich weiter arbeiten darf.
Ich weiß, die Frage der Resozialisierung, die Unschuldsvermutung, all das spielt eine Rolle. Ein Mensch verwirkt durch seine Taten, ja nicht grundsätzlich seine ihm grundgesetzlich zugestandenen Rechte. Doch es bleibt ein schaler Geschmack und die Hoffnung, dass die kriminelle Karriere einen Abschluss gefunden hat.