An drei Abenden, Donnerstag bis Samstag (21. bis 23. April, jeweils um 19 Uhr), gastiert die Naturbühne Trebgast in der evangelischen Kirche in Stadtsteinach mit dem Stück "Judas" von Lot Vekemans. Karten gibt es in der Bäckerei Will in Stadtsteinach und in der Buchhandlung Friedrich in Kulmbach. Theater in der Kirche? Wie sieht das die Hausherrin, Pfarrerin Sigrun Wagner?

Ein Gotteshaus als Theater. Wie passt das zusammen?

Sigrun Wagner: Wir machen doch auch Krippenspiele, Dialogpredigten, Lesungen, musikalische Veranstaltungen. Etwas bewegt oder szenisch darzustellen ist in einer Kirche nichts Ungewöhnliches.

In Stadtsteinach ist das eine Premiere. Aber muss es dann gleich über den Bösewicht Judas sein?

Judas ist eine vielschichtige Figur, über die wir aber auch nicht viel wissen. Ob er ein Bösewicht war, wissen wir nicht so genau. Sicher ist allerdings, dass in 2000 Jahren Kirchengeschichte da so einiges in diese Richtung passiert ist.

Also ein Stück Kirchenkritik?

Nein. In dem Stück grübelt Judas über sich selbst, sein Tun und mögliches Lassen nach. Das hat mit der Institution Kirche nichts zu tun. Judas geht mit sich selbst ins Gericht, ob er das eine oder andere so oder anders oder gar nicht hätte tun sollen.

Aber hat Judas denn in der Überlieferung nicht Gottes Plan erfüllt?

Ich denke eher, dass Judas sich selbst für Gott gehalten und selbst entschieden hat. Er hätte ja seinen Verrat auch lassen und auf die Silberlinge verzichten können. Dass er damit "die Passion eingeleitet" hatte, konnte er vorher gar nicht wissen. Das Stück, das wir sehen werden, ist keinesfalls ein theologisches.

Was ist dann an der Figur des Judas profan?

Wir selbst. Ich kenne bisher nur den Text. Aber die Regieanweisungen lassen mich vermuten, dass es weniger darum geht, dass wir Judas‘ Zweifel bis hin zur Selbstüberschätzung miterleben sollen. Vielleicht hält er uns nur einen Spiegel vor. Ist nicht auch Verrat in uns Menschen verborgen? Wollen wir uns nicht auch für den einen und anderen Fehler herausreden? Ich bin gespannt.

Das Gespräch führte Klaus Klaschka.