Im Mai 1945 kehrte ein wenig Leben auch zurück nach Herzogenaurach. Es gab kleine Geschenke für Kinder, die ersten Messen und Prozessionen durften abgehalten werden und ein erster sechsköpfiger Stadtrat formierte sich.
Ein Hauch von Alltag kehrte in Herzogenaurach ein, als das Fest Christi Himmelfahrt 1945 wieder gefeiert werden konnte. Außerdem durften am 18. Mai in der Aurachstadt die weißen Fahnen eingeholt werden.
Am 10. Mai 1945 wurde nach Jahren des atheistischen Dritten Reiches das Fest Christi Himmelfahrt wieder kirchlich gefeiert. Zwar war kein "Herrentag" wie in den Jahren vor dem Krieg möglich, aber zumindest kehrte Feiertagsruhe in der Aurachstadt ein.
Zahlreiche amerikanische Truppen verließen am 11. Mai 1945 die Stadt. Wie die Herzogenauracher durch Mundpropaganda erfuhren, sollte sie ihr Weg nach Japan führen. Am gleichen Tag ordnete Major Rylands auch eine Kürzung der Ausgangssperre von 21 bis 6 Uhr an. Dadurch konnten sich die Bewohner zwei Stunden länger außerhalb ihrer Anwesen bewegen. Bürgermeister Adam Hubmann ließ ebenfalls am 11. Mai verkünden, dass in der Molkerei Ruhmann, Hintere Gasse 45, für Kinder bis zu drei Jahren ein Päckchen Puddingpulver und für Kinder bis zu einem Jahr ein Pfund Mehl bei der Bäckerei Römmelt abgeholt werden könne.
Am 11. Mai 1945 richtete Stadtpfarrer Leonhard Ritter außerdem eine Eingabe an den Bürgermeister der Stadt Herzogenaurach, dass der "Bürgermeister sowie die Stadtverwaltung den vor 1933 üblichen Ehrendienst bei den Prozessionen an den Donnerstagen, sowie an Fronleichnam etc. wieder übernehmen wolle. Der Ratsherrenstuhl ist für die Herren wieder reserviert."
Wie eine Herzogenauracherin niederschrieb, fanden am Sonntag, 13. Mai 1945, in England und Amerika Siegesfeiern in kirchlichem Rahmen statt. Die Volksseele kochte hoch, als das Gerücht bekannt wurde, dass farbige Soldaten Frauen in den Wäldern überfallen haben sollen. Auch eine 72 Jahre alte Frau soll beim Holzsuchen im Wald von zwei Farbigen belästigt worden sein.
Erst über vier Wochen nach Einnahme der Stadt durch die Amerikaner, am 18. Mai 1945, konnten die weißen Fahnen eingeholt werden, die bis dahin das Straßenbild bestimmt hatten. Bereits frühzeitig machten sich Engpässe bei der Nahrungsmittelversorgung bemerkbar. Das Amt für Ernährung und Landwirtschaft in Bayern kündigte am 22. Mai wegen der angespannten Versorgungslage eine Kürzung der Nahrungsmittelration an.
Am 24. Mai wurde mit der Glocke ausgeschellt, dass sich in der kommenden Woche alle Einwohner vom zwölften Lebensjahr an in der Stadtverwaltung zu melden hätten. Jeder würde dann einen Ausweis mit einem Fingerabdruck bekommen.