Geht es um den Muppberg, reagieren die Neustadter empfindlich. Der Hausberg ist Naherholungsgebiet, Sport- und Freizeitgelände und vor allem ist er das Wahrzeichen der Stadt. Dass ein Eingriff in den Wald am Muppberg mit besonderer Aufmerksamkeit betrachtet wird, ist beim Forstbetrieb Coburg der Bayerischen Staatsforsten (BaySF) daher nur zu gut bekannt. Trotzdem schwingt ein wenig Enttäuschung mit, wenn Forstbetriebsleiter Albert Schrenker zu einem Brief Stellung nimmt, der von FW-Stadtratsmitglied Michael Weyh und Thomas Weitz (Vorsitzender der DAV Sektion Neustadt) verschickt wurde.

Anlass für das Schreiben, das nicht an den Betriebsleiter, sondern direkt an die Zentrale der BaySF in Regensburg gerichtet war, ist ein Weg, der angelegt wurde, um vom Borkenkäfer befallene und abgestorbene Fichten zu fällen und abzutransportieren. Wenn die beiden Autoren in ihrem Brief schreiben, dass ihnen bewusst ist, dass die BaySF als Eigentümer frei über den Holzbestand verfügen kann, dass es erforderlich ist, Schadholz zu entfernen, dass dies maschinell getan werden muss und dass dafür externe Unternehmen beauftragt werden müssen, dann ist ihnen dass deswegen bewusst, weil sie bereits im Vorfeld mit Revierleiter Bernhard Grötzner gesprochen hatten. Er hatte ihnen die Gründe dargelegt, wie er vor Ort erklärt.

Die Briefschreiber fordern, dass die Firmen darauf hingewiesen werden, "behutsam" mit "unserer Ressource Muppberg" umzugehen. Die Wege sollen nach Abschluss der Arbeiten wieder in einen begehbaren Zustand versetzt und die Flächen, auf denen das Schadholz geschlagen wurde, zeitnah wieder aufgeforstet werden.

Auch dazu, sagt Bernhard Grötzner, gab es schon eine Erklärung. Der Forstbetrieb setzt ausschließlich zertifizierte Firmen ein, die angehalten sind, schonend zu arbeiten. "Die Wege, die den neu angelegten Rückeweg kreuzen, wurden schon wieder angebunden und im unteren Bereich der Fläche, die frei geworden ist, wurden schon Tannen angepflanzt. Entsprechend dem Sand, aus dem der Muppberg besteht, werden später noch Esskastanien, Douglasien und Roteichen dazukommen", erklärt der Revierleiter.

Albert Schrenker beschreibt die Strategie des Forstbetriebs für den Muppberg - wie auch für alle anderen Flächen in seiner Obhut - umfassend: "Wir müssen dem Klimawandel Rechnung tragen. Dazu gehört auch, dass wir die Wälder umbauen und dabei auf eine Vielfalt aus klimatoleranten Baumarten setzen." Das wird den Muppberg verändern.

Weil er beschaffen ist, wie er beschaffen ist, führen Wege am Muppberg rund um ihn herum. Albert Schrenker zeigt eine Karte, auf der sie eingezeichnet sind. Farblich unterschieden wird zwischen Wegen, die mit Autos befahrbar sind, die für Fahrräder, Kinderwagen und so weiter geeignet oder eben nur ein Trampelpfad sind. Sie alle sollen erhalten werden. Jetzt ist ein neuer dazu gekommen, der nötig war, um große Maschinen einzusetzen. Es wird nicht der letzte gewesen sein.

"Der Muppberg wird sich in den kommenden Jahren und Jahrzehnten stark verändern", sagt Albert Schrenker. Die Fichte wird - wie überall in der Region - immer weiter ausfallen. Immer wieder werden also Maschinen anrücken, immer wieder werden diese quer zum Hang angelegte Wege brauchen, um eingesetzt werden zu können. Der Betriebsleiter will dabei "nicht immer nur dem Käfer hinterherlaufen". Der Umbau soll aktiv vorangebracht werden.

Viele große Bäume werden daher verschwinden. Dafür werden junge gepflanzt, nur eben keine Fichten mehr. So werden vorübergehend Sichtachsen entstehen, Ausblicke geschaffen, die dann wieder zuwachsen. Um das zu leisten, werden vorhandene Wege ertüchtigt werden müssen, neue gebaut werden. Alle werden nach Abschluss der Arbeiten wieder grün werden, der Sandboden wird wieder eben und der Muppberg wird nach und nach anders. "Nicht weil wir das so wollen, sondern weil wir das so tun müssen, wir alle sind verantwortlich für den Klimawandel. Der Forstbetrieb tut etwas dagegen, auch am Muppberg", betont Albert Schrenker.

Um allen, die sich besonders um den Muppberg sorgen, zu erklären, was dort in den kommenden Jahren geschehen wird, hatte Albert Schrenker einen runden Tisch gemeinsam mit Neustadts Zweitem Bürgermeister Martin Stingl (SPD) angeregt. Wegen der Einschränkungen in der Corona-Pandemie fand er noch nicht statt. Es soll ihn aber geben, um künftig mehr Verständnis zu finden, für das, was getan werden muss - und weniger Enttäuschung über geringe Wertschätzung für die Arbeit der Förster.