Mit einem symbolischen Spatenstich haben am Donnerstag die Arbeiten an der Freiflächen-Photovoltaikanlage am Ortsrand des Stadtteils Grafendobrach begonnen. Wie Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD) feststellte, beschreite die Stadt Kulmbach damit einen neuen Weg in Sachen regenerativer Energien.

Betreiber wird die Neue Energie Kulmbach GmbH & Co. KG sein, an der die Münch Kraftwerke GmbH mit 49 Prozent und die Stadtwerke Kulmbach mit 51 Prozent beteiligt sind. Die Investitionssumme beträgt rund 15 Millionen Euro.

Lehmann verwies auf die Veränderung des Weltklimas. "Als Kommune sollten wir nicht tatenlos zusehen, sondern aktiv werden. In Kulmbach investieren wir beispielsweise über 130 Millionen Euro in die Umsetzung unseres Überflutungskonzepts." Aber auch bei der Stromerzeugung wolle man mit den Stadtwerken neue, innovative und vor allem klimafreundliche Wege beschreiten. "Mit dem hier erzeugten Strom können bis zu 20 000 Bürger versorgt werden."

Die Bürger sollen profitieren

Ihm sei besonders wichtig gewesen, dass sich die Anlage möglichst in die Umgebung einfügt. Und noch eine Besonderheit nannte der OB: "Über ein Crowd-Investing können sich Bürger finanziell an der Anlage beteiligen und von den Erträgen profitieren."

Werkleiter Stephan Pröschold machte deutlich, dass das Bürgerbeteiligungsmodell zunächst den Bewohnern von Grafendobrach exklusiv angeboten werde. Er sah in dem Projekt eine logische Fortführung der Rekommunalisierung des Stromnetzes und des Aufbaus eines Stromvertriebs im Jahr 2017.

Als einen großen Glücksfall bezeichnete es Pröschold, dass die Stadtwerkte mit der Münch-Energie einen lokalen Kooperationspartner gewinnen konnten. Die Gewinnmaximierung stehe nicht im Vordergrund. "Wir wollen etwas Gutes für die Region und ihre Menschen schaffen." Knapp zehn Monate nach der Vorstellung des Konzepts könne man mit dem Bau beginnen: "Ich denke, das ist in Anbetracht der Vielzahl der zu durchlaufenden Prüfungen und Genehmigungsschritte ein sehr gutes Ergebnis."

Wie wichtig und richtig die Entscheidung zur Errichtung dieser Anlage gewesen sei, hätten die dramatischen Ereignisse in diesem Jahr gezeigt, so Pröschold. Aber auch wirtschaftlich rechne sich die Anlage. "Während sich die Strompreise an der Börse im letzten Jahr praktisch verdoppelt haben, bleiben die Erzeugungspreise hier nahezu konstant." Die Stadtwerke würden den Strom zu günstigen Konditionen kaufen und die Einkaufspreisvorteile an die Kunden weitergeben.

Wertschöpfung bleibt in Region

Geschäftsführer Mario Münch stellte das Konzept der Agri-PV-Anlage mit einer ökologischen Flächenaufwertung und einer sinnvollen Doppelnutzung für die Landwirtschaft vor. "Neben nachhaltiger, grüner Energie, der Möglichkeit der Bürgerbeteiligung und einer Sicherung der Arbeitsplätze durch langfristig konstante Energiepreise ist dieses Projekt zukunftsweisend, weil die gesamte Wertschöpfung in der Region bleibt."

Stellvertretende Landrätin Christina Flauder (SPD) betonte, dass man für so ein Projekt Mut, Kreativität, Sensibilität, Entschlossenheit und Durchhaltevermögen brauche. "Danke an alle, die mutig und entschlossen aufeinander zugegangen sind, damit dieses Projekt nun realisiert werden kann. Es ist für mich ein Beispiel für konkreten Klimaschutz."

MdL Rainer Ludwig hob als energiepolitischer Sprecher der FW-Landtagsfraktion die Bedeutung der Freiflächen-Anlage für den Klimaschutz hervor. Rei.