"Unser Appell ist klar: Die höhere Geschwindigkeit darf man keineswegs unterschätzen. Das Tragen eines Fahrradhelms ist unwahrscheinlich wichtig. Ein Sturz bei 25 Stundenkilometern kann schwerwiegende Kopfverletzungen verursachen." Diese Aussage traf der Verkehrserzieher der Polizei, Matthias Krapf, nach einem Sicherheitsseminar in Knetzgau auf dem Gelände der Jugendverkehrsschule. Dabei ging es um den richtigen Umgang mit dem E-Bike.

Sein Kollege Dominique Heim ergänzte - und lobte: "Die Erfahrungen auf dem Mainradweg und im Straßenverkehr beweisen, dass immer mehr E-Bike-Fahrer sehr gut ausgestattet unterwegs sind. Besonders das Tragen des Fahrradhelms ohne Helmpflicht zeigt, dass die persönliche Sicherheit sehr groß geschrieben wird."

Die beiden Verkehrsexperten von der Polizei empfahlen stets den Kauf eines motorisierten Fahrrads vor Ort - statt im Internet: "E-Bikes sind eine andere Liga als ein normales Fahrrad; das unterschätzen viele Menschen, egal ob jung oder alt. Natürlich ist es schnell online bestellt, aber eine fachkundige Beratung vor Ort ist mehr als sinnvoll. Einfach bestellen, draufsetzen und losdüsen ist absolut nicht empfehlenswert", so der Rat der Fachleute.

Am Samstag fand das kostenfreie E-Bike-/Pedelec-Fahrsicherheitstraining auf dem Verkehrsübungsplatz in Knetzgau mit zehn Teilnehmern statt. Veranstalter waren die "Gesundheitsregion plus" im Landkreis Haßberge, der Bikestore Haßfurt und die Polizeiinspektion Haßfurt.

Worauf es ankommt

Der Inhaber des Bikestores in Haßfurt, Thilo Klinner, übernahm nach dem theoretischen Teil der Polizeibeamten den praktischen Part mit Slalom- und Kurvenfahren sowie einem Bremstraining. Er betonte: "Im Vorfeld kann man auf die Gewichtsverlagerung eingehen, aber erst in der Praxis merkt man, dass eine andere Wucht dahintersteckt. Durch das geringere Gewicht eines nicht motorisierendes Fahrrads kann man einen Fahrfehler leichter ausbügeln. Das schwere E-Bike macht sich dagegen schnell mal selbstständig", beschrieb er.

Der ehemalige Pfarrer Volkmar Botsch aus Königsberg fährt seit gut zwei Jahren E-Bike. Das Bremstraining war für 72-Jährigen im Vergleich "zum normalen Fahrrad und Rennrad kein großer Unterschied". Den Elektroantrieb "brauche ich nicht ständig". Aber, so betont er: "Es ist super, dass man den elektrischen Antrieb ein- und ausschalten kann; man hat zwar ein etwas schwereres Fahrrad; zum Glück sind die Scheibenbremsen besser als früher."

Elfriede Schneider (61 Jahre) und Uwe Gräf (64 Jahre) aus Gleisenau haben sich "coronabedingt E-Bikes im August angeschafft. Erstens ist der Urlaub flachgefallen, und zweitens wollten wir uns weiter als mit dem Spazierengehen bewegen. Aber auch nach zwei Monaten fehlt uns immer noch die volle Praxis, weil ein E-Bike schon eine andere Klasse ist. Ich bin ganz dankbar, dass wir dieses kompetente Sicherheitstraining miterleben durften mit all den Tipps und Tricks, die Gold wert sind. Solch ein Angebot ist total wichtig für den Straßenverkehr", sagte Elfriede Schneider.

Uwe Gräf dachte anfangs, wie er gestand, dass "man einfach losfahren kann wie mit einem normalen Fahrrad, aber es ist doch eine andere Nummer".

Auch Oswald Reis (70 Jahre) aus Obertheres "fand es sehr interessant, obwohl ich schon einige Zeit Pedelec fahre. Es gibt immer Bedarf, die Verkehrsregeln zu verstehen; das haben die beiden Herren von der Polizei heute ganz gut erklärt. Außerdem habe ich Hinweise bekommen, wie man sich noch weiter informieren kann, das fand ich sehr gut."