Zwei Rehe sind in den vergangenen Tagen an einer neu errichteten Zaunanlage oberhalb von Haaghof, einem Gemeindeteil von Ködnitz, qualvoll verendet. Spaziergänger hatten dem angrenzenden Landwirt am vergangenen Mittwoch gemeldet, dass zwei tote Rehe im Zaun hingen. Dieser verständigte daraufhin den für die Jagd Feuln-Waizendorf zuständigen Jagdpächter Matthias Conrad.

Bei einem Ortstermin mit René Witzgall, dem Pächter der unmittelbar benachbarten Jagd Ködnitz, stellte Matthias Conrad fest: "Wir mussten reagieren. Das heißt, wir haben den Fall der Unteren Jagdbehörde am Landratsamt Kulmbach gemeldet." Auch im Gemeinderat sei die Zaunanlage bereits mehrfach Thema gewesen.

Kreisjagdberater Clemens Ulbrich, durch dessen "Haaghof" die Jagdgrenze geht, machte sich bereits am Dienstag ein Bild: "Wir haben auch noch ein Reh gefunden, das im Zaun hing. Tatsache ist, dass das Gelände für die Jagd nicht mehr nutzbar ist, weil das Wild normalerweise ein- und auswechseln kann. Man hat ja gesehen, dass das Tier, das es versucht hat, hier verendet ist, wahrscheinlich kläglich." Außerdem könne laut Ulbrich kein Jäger in das Grundstück hineinkommen, "geschweige denn da drin was bergen".

Ob der Grundstückseigentümer, der eine Rinderhaltung betreibt, mit der Zaunanlage gegen das Jagdrecht verstößt, kann Clemens Ulbrich nicht sagen: "Das muss die Behörde prüfen, ich kann nur beurteilen, ob das Gelände für die Jagd nutzbar ist. Diese Fläche ist definitiv aus jagdfachlicher Sicht überhaupt nicht nutzbar."

Der Kreisjagdberater ist sich sicher, dass eine Prüfung eine langwierige Sache sei: "Wenn das Landratsamt einen Bescheid in irgendeiner Art und Weise erlässt, sei es die Baugenehmigung für den Zaun [oder eine Verfügung] dass der Zaun zurückgebaut werden muss, dann muss es verwaltungsrechtlich auf soliden Füßen stehen." Dies könne nicht von heute auf morgen passieren.

Jagdpächter Matthias Conrad ergänzte, dass der Tod der Tiere an der Zaunanlage jetzt vom Landratsamt geprüft werde. Conrad selbst hat bereits einen Abzug von der Jagdpacht vorge-nommen und dies auch dem Jagdvorsteher mitgeteilt. "Ich sehe nicht ein, dass ich für diese nicht nutzbare Jagdfläche Jagdgeld zahle."

Zur Bauart der Zaunanlage selbst stellte Kreisjagdberater Clemens Ulbrich die Frage in den Raum, welchen Zweck der Rinderzüchter damit verfolge: "Ein Rinderzaun ist es wahrscheinlich nicht, das kann ich nicht beurteilen, ich bin kein Rinderzüchter. Wenn einer einen Lützendrahtzaun baut, dann ist das in Ordnung, da kann das Wild ein- und ausgehen."

Bislang nicht genehmigt

Für Jagdpächter Matthias Conrad handelt es sich seinem Urteil nach um eine wilddichte Zäunung und die aber auch für Landwirte nicht gestattet sei. Conrad verweist auch darauf, dass er Teile seiner Jagdfläche nicht mehr befahren kann, weil die Zufahrtswege mit Baumstämmen blockiert seien: "Wenn ich im Winter eine 100 Kilogramm schwere Sau schieße, kann ich die nicht raustragen."

Wie schon mehrmals zuvor stand die Zaunanlage auf der Tagesordnung des Ködnitzer Gemeinderats. Während Christian Hauffe (WGK) wissen wollte, wie es um den Sachstand "der bislang nicht genehmigten Zaunanlage" mit einem eingebauten Tor, das quer über die öffentliche Zufahrt zur Einöde geöffnet und geschlossen werden kann, forderte Michael Heisinger (Rangen) Bürgermeisterin Anita Sack (FW) auf, "Druck" auf den Grundstückseigentümer auszuüben, einen Bauantrag für die riesige Zaunanlage vorzulegen, denn seit seiner ersten Anfrage im Oktober letzten Jahres sei über ein halbes Jahr vergangen, ohne dass etwas geschehen sei. Bürgermeisterin Anita Sack verwies allerdings darauf, dass das Landratsamt Kulmbach als Baugenehmigungsbehörde über den Bau der Zaunanlage in Kenntnis gesetzt worden sei.

Und zur Frage von Willi Kolb (SPD), ob der Grundstückseigentümer an der öffentlichen Zufahrtsstraße zum "Haaghof" einfach ein Tor anbringen könne, sagte Bürgermeisterin Sack, dass der Grundstückseigentümer nach einem Gespräch zugesichert habe, das Tor offen zu lassen und damit die freie Zufahrt zu ermöglichen.