Michl Müller, der selbsternannte "Dreggsagg" - das fränkische Wort für Schelm - aus der Rhön, genauer gesagt aus dem Bad Kissinger Stadtteil Garitz, gastierte am Donnerstagabend mit seinem neuen Programm "Verrückt nach Müller" gut drei Stunden in der Dr.-Stammberger-Halle. Den Titel für sein aktuelles Programm hätte der unterfränkische Komiker und Kabarettist nicht besser wählen können, denn die rund 300 Besucher waren nach der langen Corona-Pause einfach total verrückt nach ihm, erst recht am Ende seines Programmes, als er sich mit einem Medley von seinen Fans verabschiedete, bei dem die "Fleischereifachverkäuferin" nicht fehlen durfte - das Lied, das Michl Müller bei seinem allerersten Auftritt bei der "Fastnacht in Franken" in Veitshöchheim wohl zum Durchbruch verhalf.

Michl Müller bot ein verrücktes Programm, mit und ohne Maske, passend eben zu einer verrückten Zeit. Es war ein toller Abend in einem von der ersten Minute an mitreißenden Michl-Müller-Abend. Es war alles dabei: von den kleinen Alltagsgeschichten bis hin zur großen Politik. Die zentrale Anlaufstelle seines Programmes war immer wieder sein Hausumbau in Garitz ("Das macht man im Leben nur einmal") und die damit verbundenen Erlebnisse, wie etwa mit dem Beton-Fliessestrich und den 1,20 mal 1,20 Meter großen Bodenfliesen im Bad, die nur von zwei Fliesenlegern verlegt werden können, oder den rosskastanienfarbenen Kunststofffenstern, die bis heute nicht eingebaut sind.

Aber auch sonst machte das fränkische Naturtalent vor keinem Thema halt, erst recht nicht vor Corona. So haben die Unterfranken ihre Masken am Beginn der Pandemie selber gemacht: "Aus sämtlichen Stoffen sind irgendwelche Masken gebaut worden, aus Tischdecken, Vorhängen oder alten Unterhosen, und die sind dann auch verschenkt worden. Ich bin zwei Wochen mit einer alten Unterhose im Gesicht rumgerannt und habe mich noch gewundert, warum Schiesser draufsteht und die Maske sogar einen Naseneingriff hat."

In der Corona-Zeit sei er auch viel im Wald unterwegs gewesen und habe Leute gesehen, die Bäume umarmten, die Natur mit ihrem Körper spüren wollten und dann am Waldboden lagen und feststellten: "Es kribbelt am ganzen Körper, dabei war es ein Ameisenhaufen."

Nichts und niemand war vor ihm sicher, auch nicht das in der ersten Reihe sitzende Ehepaar Erwin und Heike aus Betzenstein in der Fränkischen Schweiz, das er mit seinem erfrischend respektlosen Mundwerk immer wieder als Volksmusik-Duo schonungslos in sein Programm miteinbezog.

Auch mit Homeschooling beschäftigte sich Michl Müller: "Nein, das heißt jetzt Präsenzunterricht, Wechselunterricht und Distanzunterricht. Und das sei "so ziemlich das einzige, was unserem Kultusminister Piazolo in der Coronazeit eingefallen ist. Das ist übrigens italienisch und heißt arme Sau." Und warum Bundesbildungsministerin Anja Karliczek in der Dr.-Stammberger-Halle keiner kannte, wusste der "Dreggsagg" natürlich auch: "Weil sie sich genauso unauffällig verhält wie ein Popel an einer Raufasertapete."