Viele Menschen aus Stadt und Landkreis kennen wir, weil sie wichtige Ämter und Positionen bekleiden. Aber: Wie hat das Leben sie eigentlich auf diese Positionen geführt? Im CT erzählen sie, was sie in ihrem früheren Leben gelernt oder gearbeitet haben und was davon sie bis heute begleitet.

Landrat, Hauptverwaltungsbeamter eines Landkreises und Chef der unteren staatlichen Verwaltungsbehörde, das ist eine Position mit hoher Verantwortung. Wer sie haben will, braucht vor allem eins: das Vertrauen der Bürger im Landkreis, denn auf den Stuhl des Landrats führt keine Karriereleiter der Beamtenlaufbahn. Der Landrat wird gewählt. Sebastian Straubel wurde gewählt, erhielt das Vertrauen der Wähler und ist heute der erste Coburger Landrat seit Ende des Zweiten Weltkrieges, der nicht der SPD angehört, sondern der CSU.

Doch vor allem für Politiker gilt, dass sie nicht von Anfang an waren, was sie heute sind. Niemand erlernt den Beruf eines Abgeordneten, Ministers oder eben eines Landrats. Sebastian Straubels beruflicher Lebensweg begann mit Kopfhörer und Mikrofon - als Rundfunkredakteur im Funkhaus Coburg.

Dass er sich beruflich in diese Richtung orientieren würde, zeichnete sich schon früh ab. "Bereits in meiner Jugend war ich immer sehr neugierig und an politischen und aktuellen Themen aus der Region aber auch bundesweit interessiert", sagt Sebastian Straubel. Schnell sei daher klar gewesen, dass ein journalistischer Beruf sein "Ding" war. Und warum dann im Radio? "Zu Hause habe ich auch oftmals Hobby-DJ gespielt und als junger Mensch selbst schon - allerdings nur für mich - eigene Nachrichtentexte geschrieben und die dann auch immer wieder meiner Familie präsentiert. Sendungen auf n-tv habe ich oftmals im Fernsehen einem guten Film vorgezogen", betont er.

Fragt man Sebastian Straubel heute, was für ihn an seinem früheren Beruf besonders wertvoll gewesen ist, dann nennt er als Erstes die Ausbildung in allen Bereichen von der Moderation und Redaktion über Reportertätigkeiten bis zur Nachrichtenredaktion. Eine Ausbildung, die er als sehr gut empfand. Daneben habe die Teamarbeit mit den Kollegen eine große Rolle gespielt.

Sebastian Straubels Stimme war den Hörern von Radio Eins in der Region lange vertraut - bis 2014. So lange arbeitete er als Journalist beim Lokalradio - bis, ja bis zu seiner Wahl zum Bürgermeister von Lautertal im März 2014. Das war der Schritt ins erste politische Amt. Nie mehr Mikro? Doch: "Hobbymäßig tue ich es noch, als Hallensprecher beim HSC", sagt er. Es werden nicht viele Vereine einen Landrat als Hallensprecher haben.

Es gab einige Aspekte an der journalistischen Arbeit, die Sebastian Straubel viel bedeutet haben: "Der Kontakt mit vielen verschiedenen Menschen und die große Themenvielfalt - du machst eigentlich jede Stunde etwas anderes - ein sehr abwechslungsreicher Beruf", fasst er zusammen.

Dennoch hat er dann einen anderen Weg gewählt. "Schon als Jugendlicher habe ich mich politisch engagiert und war schon immer ein politisch interessierter Mensch - auch ehrenamtlich bin ich schon sehr lange aktiv, war in verschiedenen Funktionen in Vereinen und habe Verantwortung übernommen - und habe früh schon gemerkt, dass ich mich für andere Menschen engagieren und viel bewegen möchte."

Viel gelernt

In seiner Zeit beim Radio hat der heutige Landrat einiges gelernt, das ihm in seinem Amt durchaus nützlich ist, wie er sagt: "Ich denke vor allem das Verständnis, komplexe Themen den Bürgerinnen und Bürgern so verständlich wie möglich rüberzubringen. Aber auch das Reden und das Wissen rund um politische Themen, die ich schon in meiner Zeit als Journalist tagtäglich begleitet habe."

Eines Tages vielleicht doch wieder in seinen ursprünglichen Beruf zurückzukehren, würde Sebastian Straubel nicht völlig ausschließen: "Wie gesagt, ehrenamtlich bin ich ja aktuell - wenn kein Corona ist - auch noch als Hallensprecher beim HSC tätig. Zum Journalismus gehört ja, wie in der Politik auch, Leidenschaft. Er bleibt einer der schönsten und interessantesten Berufe, die es gibt, und so wäre das natürlich eine Option. Aber aktuell bin ich leidenschaftlich gern Politiker. Auch in der Corona-Krise, immer mit dem Ehrgeiz, gemeinsam etwas zu bewegen oder im aktuellen Fall, diese gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern Schritt für Schritt zu bewältigen."

Und wenn es nicht der Journalismus gewesen wäre, der ihm sein erstes berufliches Rüstzeug mitgegeben hätte? Sebastian Straubel kann sich einige Felder vorstellen, die ihm als Basis für das Amt des Landrats dienlich gewesen wären, beispielsweise eine Ausbildung in der Verwaltung, im rechtlichen Bereich oder eben doch wieder im Journalismus. "Eben weil man sich als Journalist mit vielen verschiedenen Themen befasst und versucht, komplexe Zusammenhänge verständlich aufzubereiten. Das ist als Politiker ähnlich", ist er überzeugt. Wichtig sei in jedem Fall, dass man die Anliegen der Menschen ernst nehme, sagt er und betont: "Von daher ist eine Ausbildung, bei der man breit aufgestellt ist und mit Menschen zu tun hat, sicher von Vorteil."

Jungen Leuten, die sich für einen journalistischen Beruf interessieren, rät Sebastian Straubel mit Blick zurück auf seinen eigenen Berufsstart, erst einmal zu schnuppern: "Auf jeden Fall sind Praktika ganz entscheidend, um einfach in den Beruf blicken zu können. Und die Grundvoraussetzung ist natürlich, dass man neugierig ist, nur so kommt man zu Informationen.

Diese Neugierde gepaart mit dem Ehrgeiz, sich in viele verschiedene Themen einzuarbeiten und Neuigkeiten aufzudecken - egal ob im Bereich Politik über Sport hin zu den alltäglichen und emotionalen Geschichten." Daneben sollte klar sein, dass Flexibilität gefragt ist. Er erinnert etwa an den Schichtdienst - Frühschicht im Radio beginnt gegen 4.30 Uhr - und auch Wochenenddienst gehört zum Job.