Die Gesellschaft altert. Daher müssen Kommunen sich schon jetzt um aufkommende Probleme kümmern. Aus diesem Grund warf der Seniorenbeauftragte des Stadtrates Münnerstadt, Burkard Schodorf (CSU), in einem Antrag dieses Thema auf. Er bat, das Konzept "Selbstbestimmtes Leben im Alter - Erstellung eines Quartierskonzeptes für die Stadt Münnerstadt" in einer Sitzung zu diskutieren und festzulegen, wie sie darin weiter vorgehen wollen.

Die "Kümmererstelle"

Also berichtete Antje Rink vom Regionalmanagement des Landratsamtes in der vergangenen Sitzung darüber. Für das Quartiersmanagement würde eine 20-Stunden-Stelle neugeschaffen. Es "ist wie eine Kümmererstelle", sagt Rink. Sie bringe alle an einen Tisch. So können Vorhaben eingeleitet, vernetzt und koordiniert werden. Das wären zum Beispiel Anlaufstellen für Bürger, Begegnungsorte oder Beratungsangebote, die individuell auf die Menschen eingehen.

Aufgabengebiete in Münnerstadt

Es solle eine Gemeinde gestaltet werden, in der auch ältere Menschen in ihrem vertrauten Wohnumfeld bleiben können. Und das wird im Zuge des demografischen Wandels immer wichtiger: Während die Einwohnerzahl des Landkreises von jetzt 103 000 auf 98 000 Menschen im Jahr 2038 sinke, steige der Anteil der über 65-Jährigen um 32 Prozent, prognostizierte Anja Rink. In Münnerstadt würde die Stelle untersuchen, ob Angebote für ältere Menschen und die pflegenden Angehörigen fehlen. Oder verschiedene Bereiche zusammenbringen, um neue Angebote zu schaffen. Beispielsweise Musikunterricht im Seniorenheim oder eine Stadtzeitung von Jung und Alt. Begegnungsorte zu schaffen oder neu zu beleben gehört ebenfalls zu möglichen Aufgaben, wie Angebote zu schaffen, um pflegende Angehörige zu entlasten.

Evaluierug in Bürgerbefragung

"Ich finde es wichtig, dass wir uns mit dem Demografischen Wandel auseinandersetzen", sagt Bürgermeister Kastl (CSU) am Ende des Vortrages. Für die über 80-Jährigen würden Fragestellungen und Probleme rund um das Wohnen zu Hause immer wichtiger. Antje Rink wirft ein: "Die Entscheidung für oder gegen ein Quartiersmanagement kann man ja immer treffen." Mit einer Bürgerbefragung oder Expertenworkshops könne man ein grobes Konzept entwerfen und sich überlegen, ob sich die neue Stelle lohnt. "Das kostet erstmal nichts, weil wir und die Koordinationsstelle sie dabei unentgeltlich unterstützen", sagt Rink.

Bürgermeister Kastl stimmt zu, dass sich das anbieten würde: Für das Integrierte Städtische Entwicklungskonzept (ISEK) und das Gemeindeentwicklungskonzept (GEK) gebe es sowieso eine Bürgerbefragung, da könne diese Befragung mit einfließen.

Bei 120 000 Euro Gesamtkosten auf vier Jahre und einem Zuschuss von 80 000 Euro sei der städtische Anteil von 10 000 Euro pro Jahr überschaubar, findet Leo Pfennig (Freie Wähler). Ihm stellt sich allerdings die Frage, ob sich für die halbe Stelle und die niedrige Bezahlung überhaupt jemand findet.

Senioren gesondert betrachten

Möglicherweise lasse sich diese halbe Stelle ja mit einer weiteren halben Stelle im Bereich Kinder/Jugend verbinden, sagte dazu der Bürgermeister mit Blick auf weitere Aufgaben, die auf die Stadt zukommen. Dann wäre es eine volle Stelle für einen Sozialpädagogen.

"Ich denke, wir können die Verwaltung beauftragen, in Zusammenarbeit mit Frau Rink und dem Landratsamt einfach mal die Voraussetzungen zu schaffen, dass wir in dem Punkt ,Senioren' im Rahmen des ISEK- und GEK-Projektes gesondert betrachten", schlägt Kastl am Ende vor. Der Beschluss war einstimmig.