von unserer Mitarbeiterin Pauline Lindner

Baiersdorf — Im Foyer des Baiersdorfer Rathauses drängen sich die Menschen. Vier uniformierte Polizeibeamte der Polizeiinspektion Erlangen-Land beraten sich. Ihr Schwerpunktthema ist das Fahrrad. Stünde sie nicht hinter einem Stehpult mit dem Polizei-Logo, könnte man Annegret Steiger in ihrem Hosenanzug auch für eine einfache Besucherin halten.
Die Kriminaloberkommissarin ist die Beauftragte der Polizei für Frauen und Kinder mit Dienstsitz am Polizeipräsidium in Nürnberg. "Ich bin für Opferschutz zuständig", erklärt sie ihre zwar lange, aber doch nicht alles umfassende Bezeichnung. "Ich und meine Kollegin Heike Krämer sind auch Ansprechpartner für Männer, die Opfer häuslicher oder sexueller Gewalt wurden", sagt sie.

Sexuelle Gewalt

Rund 400 Beratungen kommen bei ihnen insgesamt im Jahr zusammen. Das sind Beratungen, bei denen es um sexuelle Gewalt, insbesondere auch sexuellen Missbrauch von Kindern geht. Oder auch um häusliche Gewalt und im sozialen Nahraum, um Misshandlung die Schutzbefohlener und neuerdings auch um Stalking.
Steiger versteht sich als eine Anlaufstation für Opfer. Sie klärt beispielsweise über das Verfahren vor Gericht auf, oder gibt Informationen über andere Opferschutzeinrichtungen wie den Weißen Ring, Frauennotruf oder Frauenhaus weiter. Männlichen Opfern sexueller Gewalt empfiehlt sie die "Gewaltberatung Nürnberg". Dort kümmert man sich um die Opfer, aber auch um Täter, die sich bessern wollen.
Denn eine wichtige Einschränkung muss Steiger bei ihrer Beratung machen.
Sie ist wie jeder andere Polizist dem Legalitätsprinzip verpflichtet. Hört sie deshalb von einem Sachverhalt, bei dem eine schwere Straftat vorzuliegen scheint, muss sie zwingend ein Ermittlungsverfahren einleiten.
Opferschutzeinrichtungen dagegen können auch anonym beraten. Steiger erinnert sich an eine gut 60-jährige Frau, die seit 30 Jahren von ihrem Mann geschlagen worden ist. "Ich kann mich doch nicht scheiden lassen. Mein Mann zahlt doch die Krankenkasse für mich", habe die Frau gesagt. Steiger erklärte der Frau anschließend in groben Zügen, was Prozesskostenhilfe ist, und welche Ansprüche die Frau nach dem geltenden Unterhaltsrecht haben könnte. "Wir machen keine Rechtsberatung", betont Steiger.
Aber sie kann und muss erklären, was ein Opferanwalt ist, oder kann eine Liste weitergeben mit Anwälten, die sich auf Strafrecht spezialisiert haben. "Wir dürfen auch keine psychotherapeutische Hilfe leisten", ergänzt Steiger.

Intime Dinge

Aber solche Anlaufstellen wie das Traumazentrum Nürnberg oder den Krisendienst Mittelfranken zu nennen, ist ihr Aufgabe. Der häufigste Kontaktweg ist ein Anruf - durch Betroffene, durch deren Betreuungspersonal oder auch für Dritte. Etliches läuft auch über die täglichen Dienstbesprechungen, wenn irgendwo in Mittelfranken ein einschlägiges Delikt angezeigt wurde. "Da bieten wir unsere Hilfe an."
Steigers Beratung hat keinen direkten Einfluss auf das Ermittlungsverfahren. Und vor allem ersetzt es keine Vernehmung. "Soweit möglich, werden hier aber Frauen eingesetzt, weil es ja um sehr intime Dinge geht." Nimmt ein Opfer zuerst mit ihr Kontakt auf, muss sie den Vorfall an die zuständige Stelle weiterleiten, wenn es Anzeige erstatten will.