Deutschland steckt im zweiten Lockdown. Wie bereits im Frühjahr möchte die Diakonie Erlangen ihre Hilfen so gut es geht aufrechterhalten, denn: "Gerade Menschen ohne stabiles Umfeld, im Niedriglohnbereich oder mit geringen Renten spüren die Corona-Krise noch deutlicher als andere", betont Matthias Ewelt, Vorstandssprecher der Diakonie Erlangen. Dabei habe die soziale und wirtschaftliche Krise, die mit der Pandemie einhergeht, erst begonnen.

Beratung und Unterstützung leisten Einrichtungen wie die Bahnhofsmission, die Hilfen für Menschen in Wohnungsnot, die Sozialberatung für Familien und Senioren sowie die Tafel. Wenn schnell und unbürokratisch geholfen werden muss, haben sie Zugriff auf den Notfonds der Diakonie Erlangen. Der evangelische Träger ruft Bürger unter dem Motto "Erste Hilfe gegen Armut trotz(t) Corona" zu Spenden dafür auf, heißt es in einer Pressemitteilung der Diakonie.

Für Tafel-Leitung Elke Bollmann steht fest: "Es ist unser Auftrag, da zu sein, wenn die Menschen uns am nötigsten brauchen." Die Tafel Erlangen versorgt immerhin 1800 Menschen in Erlangen, Büchenbach und Herzogenaurach mit Lebensmitteln. Das Tafel-Mobil verzeichnet seit Beginn der Pandemie eine Verdopplung der Lieferungen. Dieser Service versorgt Kunden, die aufgrund von Altersbeschwerden, Gebrechlichkeit oder Krankheiten nicht mehr selbst in die Ausgabestellen kommen können. Viele von ihnen gehören zu einer Corona-Risikogruppe. Vier Mitarbeitende bringen ihnen vorgepackte Kisten mit Lebensmitteln nach Hause.

Auf Lieferungen angewiesen

Eine der Kundinnen ist Doris M. (Name von der Redaktion geändert), 74. Sie hat Probleme mit dem Herzen und der Lunge, ein tragbares Gerät versorgt sie mit ausreichend Sauerstoff. Früher verdiente sie ihr Geld als Friseurin, zog drei Kinder groß und pflegte zuletzt ihren Ehemann über sechs Jahre hinweg bis zu dessen Tod. Mit dem Pflegegeld und zwei Renten kamen sie über die Runden, jetzt ist es extrem knapp geworden. Seit einem Jahr bekommt Doris M. Lebensmittel von der Tafel nach Hause geliefert. Erfahren hat sie von dieser Möglichkeit über das Seniorenbüro, dafür sei sie sehr dankbar. "Ich bin sehr viel alleine. Jetzt freue ich mich immer auf Mittwoch", sagt sie, "nicht nur wegen der Lebensmittel, auch wegen der netten Gespräche".

Rainer H. (Name von der Redaktion geändert) ist erst 39, körperlich aber schwer belastet: darunter ein Bandscheibenvorfall, Tumore im Gehirn und eine linksseitige Lähmung. Selbst einkaufen gehen ist kaum möglich, das Laufen auch mit Rollator schmerzhaft und beschwerlich. "Das Tafel-Mobil ist für mich eine sehr wichtige Unterstützung", so Rainer H., "alleine käme ich weder bis in die Ausgabestelle, noch könnte ich die Lebensmittel heim tragen".

Im Frühjahr wurde der Tafel-Betrieb durch die Corona-Pandemie vor große Herausforderungen gestellt: Hamsterkäufe hatten dazu geführt, dass die Lebensmittelspenden von Supermärkten enorm reduziert waren, außerdem gehörte auch ein großer Teil der Ehrenamtlichen zu einer Risikogruppe und fiel aus. Als die Probleme öffentlich wurden, folgte glücklicherweise eine große Welle der Hilfsbereitschaft.

Trotz des glimpflichen Ausgangs sorgt sich Elke Bollmann: "Ich hoffe, dass sich dieses Szenario nicht wiederholt - es war eine Zitterpartie mit enorm hohem organisatorischem Aufwand." Geldspenden würden helfen, eine durchgängige Versorgung sicherzustellen.

Die Spendenaktion "Erste Hilfe gegen Armut" sammelt in einen Notfonds, der ohne große Hürden hilft: Neben der Versorgung mit Lebensmitteln zum Beispiel auch dann, wenn chronisch kranke Klienten sich Medikamentenzuzahlungen nicht leisten können oder im Winter eine Stromsperre droht. red