Das Amt für ländliche Entwicklung Oberfranken betreut derzeit 380 Projekte in neun Landkreisen. Im vergangenen Jahr wurden hier Investitionen in Höhe von 34 Millionen Euro getätigt, die mit 21,4 Millionen Euro über das Amt bezuschusst wurden. Gestern stellte Amtsleiter Lothar Winkler den Jahresbericht 2019 für die Landkreise Coburg, Lichtenfels und Kronach vor.

Ländliche Entwicklung zu gestalten, zu fördern und zu mobilisieren und damit zukunftsfähige attraktive Lebensräume im ländlichen Raum zu schaffen, auf diesem Weg, so Lothar Winkler, sei man bei einer über Jahre hinweg konstanten Mittelausstattung wieder ein gutes Stück vorangekommen. Die Pressekonferenz am gestrigen Dienstag fand zudem in der Kulturhalle Witzmannsberg statt, geradezu ein Paradebeispiel für die Förderung ländlicher Entwicklung, für die das Amt als Wegbereiter agiert. Knapp 1,5 Millionen Euro, so Ahorns Bürgermeister Martin Finzel, seien hier aus verschiedenen Fördertöpfen geflossen - vom Amt für ländliche Entwicklung akquiriert.

Amtsleiter Lothar Winkler, Leitender Baudirektor, ging auf die Schwerpunkte der vielfältigen Hilfen ein. Es geht um Integrierte Ländliche Entwicklung, um Dorferneuerung, Flurneuordnung, Landtausch, ländlichen Straßen- und Wegebau, Boden- und Gewässerschutz. Die Projekte reichen von Dorfgemeinschaftshäusern über Dorfkerngestaltung bis hin zur Sanierung von Back- und Brauhäusern oder einfach nur einer Klimaanlage für den Dorfladen "Itzgrundmarkt" in Kaltenbrunn. Interkommunale Zusammenarbeit wird gefördert, Entwicklungskonzepte werden bezuschusst.

Bereitschaft der Bürger ist groß

Wichtige Voraussetzung bei allen Projekten, so Winkler, sei immer die Mitwirkungsbereitschaft der Bürger, und damit werde zugleich das Gemeinschaftsleben im ländlichen Raum motiviert und mobilisiert. Ein weiteres Plus: Jede Förderung aktiviere Investitionen. Im Landkreis Coburg hatte es im vergangenen Jahr für rund 27 Projekte der ländlichen Entwicklung 1,5 Millionen Euro Zuschüsse gegeben bei 2,5 Millionen Euro Investitionen. Im Landkreis Kronach waren das bei 46 Projekten Investitionen mit rund sechs Millionen Euro, gefördert mit fast fünf Millionen. 36 Projekte hat der Landkreis Lichtenfels bei Investitionen von 2,8 Millionen Euro, die mit 1,7 Millionen Euro gefördert wurden.

Landkreise und Kommunen wissen diese Unterstützung seit Jahren sehr zu schätzen. Das betonten die Vizelandräte Gerhard Wunder (Kronach), Martin Stingl (Coburg) und Helmut Fischer (Lichtenfels) und nannten das Amt für ländliche Entwicklung einen wichtigen Partner und Wegbereiter für die breitgefächerten Projekte in den Kommunen.

Gebietsabteilungsleiter Wolfgang Kießling, der auf die Besonderheiten in den drei Landkreisen einging, nennt die Palette der Projekte bemerkenswert, reichen sie doch von der Ortskerngestaltung über Flächeneinsparung und Klimaschutz bis hin zur Biodiversität. So hat der Landkreis Kronach beispielsweise mit 14 Kommunen und 70 Projektanmeldungen von der Förderoffensive Nordostbayern zur Beseitigung von Leerständen in kommunalen Gebäuden partizipiert. Bei 90-prozentiger Förderung sind hier insgesamt knapp 60 Millionen Euro geflossen.

Neu aufgelegt wurde inzwischen in Folge die Initiative "Innen statt außen". Drei Gemeindeentwicklungskonzepte stehen bei den Kronachern im Mittelpunkt, Orte wie Küps, Weißenbrunn und Wilhelmsthal nebst unzähliger Ortsteile nutzen Fördergelder für ihre gemeindliche Entwicklung. Neue Gemeinschaftshäuser entstehen, wie in Birnbaum im Markt Steinwiesen, andere werden umgebaut oder saniert, wie in Wickendorf oder Wolfersgrün.

Im Landkreis Lichtenfels ist die Planung für die Dorferneuerung Klosterlangheim fertig, die 2021 an den Start gehen soll. Dorferneuerungen stehen auch in Seubersdorf oder Unterbrunn auf dem Plan.

Junge und alte Projekte

Im Landkreis Coburg stehen die drei Projekte der integrierten ländlichen Entwicklung vornan - die Allianz B303+, die Initiative Rodachtal und Neustadt-Sonneberg, allesamt interkommunale Zusammenschlüsse. Während es bei der Allianz 303+ noch um die Erarbeitung eines Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzeptes geht, hat die Initiative Rodachtal schon 20 Jahre auf dem Buckel und will ihres nun fortschreiben.

In 18 Dörfern stehen Dorferneuerungsmaßnahmen auf der Tagesordnung, wie in Ahlstadt, Rossach oder Gleismuthausen-Merlach. Im August 2019 wurde die Sanierung der ersten drei Backhäuser in den Weitramsdorfer Ortsteilen Altenhof, Schlettach und Weidach abgeschlossen. Die Gemeinschaftsbrauerei Roßfeld hat mit der Sanierung ihres Brauhauses begonnen.

Die Liste der Projekte ist lang und zeugt auch von der kontinuierlichen Arbeit des Amtes für ländliche Entwicklung Oberfranken, die den Kommunen Fördermöglichkeiten eröffnet. Wie es 2020 weitergeht, darüber wagt Amtsleiter Winkler keine Prognosen. Nur so viel: Er geht auch weiterhin von einer konstanten Mittelausstattung aus.