Cindy Dötschel und Marco Meissner

"1, 2, 3 - 1, 2, 3 - Wie-ge-schritt", der Steinberger Hobbytänzer Friedwald Schedel erinnert sich noch genau an die ersten Stunden in der Tanzschule bei Thomas Weinberg in Kronach. Und er muss ebenso schmunzeln wie damals sein Tanzlehrer, als er die Anweisung fortführt: "Bitte auf die korrekte Tanzhaltung achten, meine Herren. Die rechte Hand bleibt auf dem Rücken der Damen - nicht tiefer!" Diese charmanten Kommandos der tanzbegeisterten Familie Weinberg sind verstummt. Ihre Tanzschule in Coburg und Kronach schließt. Wegen der Pandemie und wegen des bürokratischen Rattenschwanzes in ihrem Gefolge.

Hilfen zu spät und nicht umfänglich

Am Mittwoch verkündete die Tanzschule Weinberg auf ihrer Website, dass es pandemiebedingt nicht mehr möglich sei, den Betrieb weiterhin aufrechtzuerhalten. Nach über 60 Jahren muss der Familienbetrieb seine Türen schließen. "Lange war es sehr ruhig um uns. Derweil haben wir einen stillen, anhaltenden Kampf ausgefochten und sind alle möglichen Szenarien durchgegangen."

Für insgesamt zehn Monate konnte die Tanzschule wegen der Corona-Pandemie keine Kurse anbieten. "Wie bei vielen anderen Unternehmen erreichten uns die zugesagten staatlichen Hilfen zu spät und nicht umfänglich", teilte die Tanzschule mit. Darüber hinaus würden es voraussichtliche Hygienebestimmungen zukünftig kaum erlauben, die Tanzkurse wirtschaftlich durchzuführen. "Die Tanzgemeinde ist traurig über die Schließung der Tanzschule. Zur Weiterentwicklung kann ich mich aktuell nicht äußern. Fest steht, dass ich weiterhin und immer dem Tanzen verbunden sein werde, wie auch meine ganze Familie seit bereits 60 Jahren", erklärte Sascha Weinberg, der die Tanzschule zuletzt geleitet hat, auf Anfrage unserer Zeitung.

Familienunternehmen in dritter Generation

Sascha Weinberg hatte das Familienunternehmen in dritter Generation betrieben. "Meine Mutter hat die Tanzschule 1953 gegründet, ich bin dann 1969 eingestiegen und habe 1980 die Leitung übernommen", sagt dessen Vater Thomas Weinberg, der die Leitung dann wiederum Ende 2013 an seinen Sohn Sascha übergeben hat. "Die Tanzschule war ein Lebenswerk. Wir hätten uns nicht träumen lassen, dass sie irgendwann unverschuldet schließen muss."

Dieses Lebenswerk hat auch Friedwald Schedel schon vor Jahrzehnten bei seinen ersten (Tanz-)Schritten genossen. Es folgten Abzeichen in Bronze, Silber und Gold, denn das Tanzen sei eine wundervolle Freizeitbeschäftigung, betont er. "Es ist außerordentlich bedauerlich", sagt der Steinberger daher zum jetzigen Aus der Tanzschule. "Dort wurde Zigtausenden Leuten das Tanzen - und auch Benehmen beigebracht."

Margarethe Rautenberg, die Begründerin der Schule und Mutter von Thomas Weinberg, sei wie eine Elfe übers Parkett geschwebt, schwärmt Schedel. Thomas Weinberg sei in zweiter Generation nicht nur ein begnadeter Lehrer gewesen, sondern habe zudem das Turniertanzen auf der Ebene des Vereinssports in Oberfranken auf ein hohes Niveau gehoben. Deshalb freute sich Schedel schon, dass die dritte Generation die Tanzschule in eine vermeintlich goldene Zukunft weiterführen könnte. Doch da machte die Pandemie allen Tanzsportbegeisterten einen Strich durch die Rechnung.

So geht es den Tanzschulen in der Region

Günter Gehde betreibt seine gleichnamige Tanzschule in Niederfüllbach. "Ich habe noch Hoffnung", sagt er beim Telefonat mit unserer Zeitung. In Nürnberg und Lichtenfels dürften die Tanzschulen bereits öffnen. "Bisher zeigt uns der Staat im wahrsten Sinne des Wortes die kalte Schulter. Ich wollte eigentlich am 13. Juni wieder anfangen, habe aber noch keine Genehmigung vom Ordnungsamt." Deshalb ist es für Gehde schwer, seine Kurse zu bewerben.

Bislang hat sich in seiner Tanzschule niemand mit dem Coronavirus angesteckt. "Unser Saal ist 120 Quadratmeter und zu den Kursen kommen maximal zehn Paare - es ist also mehr Platz, als die Vorschriften verlangen", sagt er. Dennoch mussten die letzten beiden Saisons vorzeitig abgebrochen werden. Aus diesem Grund hätten viele Leute Bedenken, sich für Kurse anzumelden. "Ich hoffe, dass sich für die kommende Saison Interessierte finden. Wir haben auch keinen Atem bis zum Geht-nicht-mehr."