Eine Anordnung des Regierungspräsidenten in Ansbach vom 12. Mai 1945 zum Ladenschluss gab Landrat Valentin Fröhlich am 1. Juni 1945 weiter. Lebens- und Genussmittelgeschäfte einschließlich des Lebensmittelhandwerks waren an Werktagen von 7 bis 13 und von 15 bis 18 Uhr geöffnet zu halten. Die Belieferung der Milchgeschäfte durch die Molkereien hatte frühzeitig zu erfolgen, so dass ein Verderben der Milch ausgeschlossen war.

Am gleichen Tag forderte Landrat Fröhlich die Landwirte dazu auf, die bei ihnen eingestellten Wehrmachtspferde zu melden. In den nächsten Tagen sollte ein Transport von Pferden aus Süddeutschland ankommen. Landwirte, die ein Zugtier benötigen würden, sollten ihren Bedarf anmelden.

Am 1. Juni 1945 wurde auch die Verlängerung der Ausgehzeit von morgens 5 Uhr bis abends 21.30 Uhr verfügt. Dadurch konnten sich die Herzogenauracher weitere eineinhalb Stunden länger außerhalb ihrer vier Wände bewegen.

Die ehemals eigenständige Sparkasse Herzogenaurach war durch einen geplatzten Kredit an die Firma "Noris" vom 8. April 1924 in Höhe von 2000 Goldmark in finanzielle Schieflage geraten. Der einzige Ausweg während der Inflationszeit bestand darin, dass die Sparkasse Erlangen die städtische Sparkasse am 1. April 1926 übernahm. Diese Tatsache konnten die Herzogenauracher Politiker und Geschäftsleute nie richtig verwinden.

Das Ringen um die Sparkasse

Aus diesem Grund wies Landrat Fröhlich als echter Herzogenauracher am 4. Juni Bürgermeister Adam Hubmann an, den Vertrag zwischen der Stadt- und der Bezirkssparkasse Erlangen zu kündigen. Die Geschäfte sollten ab 1. Juli 1945 von der Kreissparkasse Höchstadt/Aisch übernommen werden. Die Kündigung hatte allerdings nicht den gewünschten Effekt. Auch heute noch ist die Sparkasse Herzogenaurach eine Zweigstelle der Sparkasse Erlangen, die inzwischen mit der Kreissparkasse Höchstadt vereinigt wurde.

Waschmittel aus Schweinfurt

Größere Sorgen bereitete dem Herzogenauracher Bürgermeister Hubmann allerdings die Versorgungslage. In einem Bericht vom 4. Juni 1945 an das Ernährungsamt in Höchstadt stellte er fest, dass in der Stadt nur ein Bestand von 250 Kilogramm Zucker vorrätig wäre, womit die auf den Lebensmittelkarten aufgedruckte Menge nicht ausgeteilt werden könne. Hubmann regte daher den Versuch an, Zucker mit Lastautos in Halle oder in Regensburg abzuholen.

Außerdem ermächtigte er am 9. Juni 1945 Fuhrunternehmer Heinrich Peetz zur Abholung von Kindernährmittel und Reisflocken bei der Firma Weghorn in Schwabach sowie von 5000 Stück Waschpulver, 360 Stück Kinderseife und 5000 Stück Einheitsseife bei der Firma Ribot ebenfalls in Schwabach am 18. Juni. In Schweinfurt sollte er am Freitag, 22. Juni, 5000 Stück Waschmittel abholen. Als Begleiter fuhr Oberinspektor Schramm im Lastwagen mit.

Der Herzogenauracher Fuhrunternehmer Lorenz Mauser erhielt ebenfalls am 9. Juni 1945 durch den Bürgermeister die Ermächtigung, wichtige Fahrten für die Lebensmittelversorgung der Stadt durchzuführen. So waren am 11. Juni 1945 in Erlangen beim dortigen Ernährungsamt zwölf Zentner Zucker abzuholen. Drei Tage später, am 14. Juni 1945, sollten in Igensdorf bei der dortigen Obstsammelstelle (Gerstacker) 70 Zentner Kirschen abgeholt werden. Außerdem wurde er damit beauftragt, jeden Mittwoch aus Kitzingen Gemüse nach Herzogenaurach zu fahren.

Ein sehr zwiespältiges Bild von den Zuständen in Herzogenaurach zeigen die Erlebnisse einiger Bürger mit amerikanischen Truppenangehörigen. So notierte eine Herzogenauracherin, dass am 5. Juni das Rad ihrer Tochter, das vor einem Haus in Beutelsdorf stand, von einem Amerikaner einfach mitgenommen wurde. Dabei wurde er von einer Ortsbewohnerin beobachtet. Am nächsten Tag fuhr Metzgermeistersgattin Justina Welker über die Beutelsdorfer Straße nach Herzogenaurach zurück. Ein amerikanisches Fahrzeug überholte sie und stellte sich dann quer über die Straße, so dass sie absteigen musste. Und was geschah? Auch dieses Rad wurde eine verspätete Kriegsbeute.

Die Beschwerden der Geschädigten beim amerikanischen Kommandanten auf dem Herzogenauracher Rathaus fruchteten leider nichts. Stattdessen erhielten sie die Auskunft, dass die Räder für die polnischen Zwangsarbeiter in Deutschland Verwendung finden würden, da die Deutschen mit den Polen genauso verfahren wären. Für die Geschädigten war das allerdings kaum ein Trost.

Bürgermeister Adam Hubmann stellte am 14. Juni 1945 an die "verehrliche Militärregierung", damals vertreten durch Paul E. Bruehl, Major Infantry Mil. Govt. Officer, die Bitte, die Räumung des Gasthauses "Zur Krone" und der Apotheke in Herzogenaurach zu genehmigen. Dadurch sollte Dentist Bruckner die Möglichkeit erhalten, wieder in der "Krone" zu praktizieren. Außerdem hätte dann die "Krone" wieder als Gasthaus dienen können. Als Begründung führte er an, dass der Besitzer nicht in der NSDAP gewesen sei.

Notapotheke reicht nicht aus

Außerdem sollte die Apotheke wieder eröffnet werden, da durch Apotheker Heinrich Klietsch in den früheren Räumen der Allgemeinen Ortskrankenkasse lediglich eine Notapotheke betrieben werden könne. Mit dieser Behelfseinrichtung wäre es allerdings unmöglich, Stadt und Umland zu versorgen.

Bürgermeister Hubmann fragte außerdem beim Landrat nach, ob die Mieter der Bertholdsiedlung, die durch die Amerikaner aus ihren Wohnungen vertrieben wurden, ihre Miete weiterhin an die Eintracht zahlen müssten, ob zum Beispiel der Besitzer des Gasthauses "Krone" eine Entschädigung für die Besetzung bekommt und wer dies bezahle.

Am 11. Juni mahnte Landrat Fröhlich die Reinhaltung der Straßen und Plätze in Herzogenaurach an, nachdem sich die amerikanische Militärregierung darüber beklagt hatte. Er empfahl daher, die Straßen wöchentlich zwei- bis dreimal zu reinigen.