Die Kronacher Spitalbrücke muss nach 120 Jahren erneuert worden. Darin sind sich alle einig, aber nicht über die Ausführung. Eine offensichtliche Mehrheit des Stadtrates favorisiert eine 50 Zentimeter erhöhte Brücke, die aufgrund der besseren Förderbedingungen auch dem Schwerlastverkehr bis 60 Tonnen die Zufahrt erlaubt. Eine Minderheit wirbt für eine kleinere Lösung.

Dabei wird immer wieder das Wasserwirtschaftsamt Hof als Begründung angegeben. "Herzlichen Dank, dass Sie der Wasserwirtschaft Gelegenheit geben möchten, sich zu äußern. Für die Angelegenheiten in Stadt und Landkreis Kronach ist das Wasserwirtschaftsamt Kronach zuständig. Ich leite daher diese Mail mit Ihrer Anfrage direkt an die Poststelle des Wasserwirtschaftsamts Kronach weiter," betonte Behördenleiterin Gabriele Merz.

Abflusshindernis

Matthias Schrepfermann, Abteilungsleiter Landkreis Kronach, antwortete klar. "Die Spitalbrücke stellt ein erhebliches Abflusshindernis dar und gefährdet den innerstädtischen Hochwasserschutz, der aus denkmalschützerischen Gründen auf eine vierzigjährliches Hochwasserereignis (HQ 40) plus Freibord (50 Zentimeter) begrenzt werden musste. An den abflusstechnischen Vorgaben, die Brücke auf ein HQ 40 der Kronach zu bemessen und ein Freibordmaß von 50 Zentimetern zu berücksichtigen, hat sich bis heute nichts geändert, zumal die angrenzenden Hochwasserschutzmauern ebenfalls nur auf diesen Schutzgrad ausgebaut wurden.

Hussitenplatz

Der Hussitenplatz ist bei einem HQ 100 in der Größenordnung der genannten Höhe überflutet. Bei einem HQ 40 nicht, da der Hochwasserschutz auf ein HQ 40 plus Freibord ausgelegt ist. Da die derzeitige Spitalbrücke mit ihrem Unterbau aber darunter liegt, wird es bei einem entsprechendem Hochwasser auch ohne Verklausungen mit Treibgut zu einem Rückstau kommen, so dass das zurückgestaute Wasser über die bestehenden Hochwasserschutzeinrichtungen in die Innenstadt eindringen kann.

Die Stadt Kronach hat im Bereich des Biegenwehres einen sogenanntes Retentionsraumpool mit einem Volumen von rund 18 000 Kubikmetern durch flächigen Geländeabtrag geschaffen (als Ausgleichsmöglichkeit für innerstädtische, mit Retentionsraumverlust einhergehende Bauvorhaben).

Problem ungelöst

Bei einem HQ-100-Abfluss der Kronach von 90 m3/s würde sich dieses Volumen in 200 Sekunden (3,3 Minuten) füllen und damit den Hochwasserzufluss in die Innenstadt nur marginal verzögern. Der Vorschlag von Architekt Anton Spindler hat zwar grundlegende Bedeutung (dem Gewässer mehr Raum geben, Hochwasserrückhalteräume schaffen), löst aber nicht das eigentliche Problem mit der Spitalbrücke. Das Wasserwirtschaftsamt Hof hat als Rechtsvorgänger des Wasserwirtschaftsamts Kronach im Auftrag des Bezirks Oberfranken ausnahmsweise im Rahmen einer Gewässerausbaumaßnahme als Bauabschnitt 9 des konzertiert über elf Bauabschnitte planfestgestellten Hochwasserschutzes der Stadt Kronach eine Hubbrücke als Vorzugsvariante geplant. Alternativvariante war eine Pylonenbrücke, die vom LRA Kronach mit Bescheid vom 30. Januar 2002 genehmigt wurde.

Angebot zurückgenommen

"Die Stadt Kronach hat damals dieses Angebot des Bezirks Oberfranken aus von uns nicht zu vertretenden Gründen nicht angenommen, weshalb der Bezirk Oberfranken sein Angebot zurückgenommen hat", schreibt das Wasserwirtschaftsamt Kronach.