Die Anwesenheit fremder Truppen in Herzogenaurach brachte im April 1945 einige Unannehmlichkeiten mit sich. In der Aurachstadt wurden Häuser mit Amerikanern belegt, die Bewohner mussten von einem Tag auf den anderen räumen.

Am Montag, 23. April, war wieder das obligatorische Antreten der männlichen Bevölkerung am Marktplatz. Danach erfolgte die Einteilung zu verschiedenen Arbeitsdiensten. Amerikanische Offiziere beschlagnahmten in den Friseurgeschäften die elektrischen Maschinen. Die Geschädigten beschwerten sich bei Bürgermeister (eigentlich Amtmann) Herold am Rathaus. Am 23. April kam Herbert Kuno, der am 16. April die Stadt mit übergeben hatte und danach von den Amerikanern verhaftet worden war, wieder in die Aurachstadt zurück.

Am Dienstagmorgen war für die Männer wiederum Antreten angesagt. An diesem Tag brachte Hermann Reimann die elektrischen Maschinen in die Friseurgeschäfte zurück. Wie in der Stadt bekannt wurde, hatten sich einige Soldaten aus dem Liebfrauenhaus-Lazarett abgesetzt. Um die Amerikaner adäquat unterbringen zu können, musste das ganze Haus von Josef Hetzler (die sogenannte Hetzler-Villa) am Köpfwasen geräumt werden. Wilhelm Galster (Bayerischer Hof) in der Erlanger Straße 5 musste räumen.

Wieder Strom und Zeitung

Am Mittwoch, 25. April, wurden beim Appell die ersten Exemplare einer deutschen Zeitung verteilt, die "Frankfurter Zeitung". Am gleichen Tag konnten die Herzogenauracher auch wieder erstmals Strom nutzen. Vermutlich hatte die SS die Stromverbindung unterbrochen, bevor die Amerikaner kamen. Am gleichen Tag wurde eine Stabsstelle der Amerikaner nach Herzogenaurach verlegt. Daher mussten Häuser in der Noppengasse wie die sogenannte Polstersvilla geräumt werden, aber auch die Post wurde belegt.

Auch auf das Haus der Maria-Ward-Schwestern hatten die Amerikaner ein Auge geworfen. Eine Schwester notierte daher: "Die Amerikaner gehen fleißig herum und suchen Wohnungen für ihre Besatzung, nicht die schlechtesten. Die Leute müssen einfach räumen und zwar oft in recht kurzer Zeit. Gar manches verschwindet dabei."

Eine Herzogenauracherin erinnerte sich, dass in diesem Zeitraum ein Truppenwechsel stattfand. Sie notierte: "In der Fabrik uns gegenüber [d. h. Weiler, Würzburger Straße] sind sie einquartiert. Auch nebenan, Fröhlich, mussten wieder raus, dies mal das Möbel räumen und zogen in die Werkstatt. Es mussten wieder Häuser geräumt werden. Kaffee Mauser, nebenan das große Haus (Döhler) mit sechs Parteien, an der Schütt. Bei der Bahn das Haus des früheren Bürgermeisters Körner. An der Hauptstraße das Gasthaus Engert, haben auch noch eine Wohnung im Hof, damit sie in der Nähe bleiben können. Auch im Nordteil der Stadt, wurden mehrere Häuser frei gemacht."

Am Freitag, 27. April, wurde nach dem Appell eine Gruppe Männer damit beauftragt, im Schloss die Wohnungen der Familien Rosenhammer und des Oberamtsrichters auszuräumen. Ob solcher Maßnahmen aufgeschreckt, verpackten manche Herzogenauracher wieder ihre Wäsche und die nötigsten Habseligkeiten in Koffer.

Am Samstag wurden nach dem Appell 20 Mann zum Flugplatz beordert, um dort "gelbe Dorschen u. Rüben u. Kartoffeln" aufzuladen. Das Gemüse wurde in Herzogenaurach an sechs Händler abgegeben, die es an die Bevölkerung verteilen sollten. Trotz der Räumung und der Zerstörung des Flugplatzgeländes durch die Deutschen waren dort noch viel Spinat und Rüben gelagert, die allerdings nicht mehr verwendet werden konnten, da sie offensichtlich verdorben waren, wie die Schreiberin vermerkte.