Karl-Heinz Hofmann

Rothenkirchen — Mit großem Bedauern erfuhr man in Rothenkirchen vom Tod von Professor Rudolf Reinhardt. Der Musikprofessor verstarb in der Nacht von Heiligabend auf den ersten Weihnachtsfeiertag in seinem Wohnort Zizers-Chur im Kanton Graubünden in der Schweiz. Geboren wurde Rudolf Reinhardt am 27. August 1932 in Rothenkirchen. Der Markt Pressig ernannte ihn im Jahr 2006 zum Ehrenbürger.

Seine Kinder- und Jugendzeit verbrachte er im Geburtsort Rothenkirchen und war hier von Kindesbeinen an im Sportverein als Fußballspieler und Turner engagiert. Schon im frühen Jugendalter musste er sich zu Kriegszeiten auf eigene Beine stellen und arbeitete in einer Zigarrenfabrik. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges stellte er sich in den Dienst der Amerikaner. Von nun an sollte die Musikerkarriere seinen Lauf nehmen, denn schon als Kind war auch das Musizieren ein beliebtes Hobby von Rudolf Reinhardt.

Dieses Hobby, welches zum Beruf wurde, bestimmte auch bis zuletzt seine Heimatverbundenheit mit dem Frankenwald. Sehr früh gründete er eine eigene Band, die in Clubs der US- Armee sehr beliebt war. Bis nach Paris führten die Tourneen. Schon als Twen bestimmten von nun an Musik und Gesang sein Leben.

Als Pianist machte sich Rudolf Reinhardt einen Namen, er spielte im Rundfunkorchester Saarbrücken und machte mit einer Musikkapelle erste Schallplattenaufnahmen. Nach mehreren Auslandsaufenthalten in verschiedenen Ländern führte 1956 sein Weg in die Schweiz. Am Konservatorium in Zürich legte er das Lehrerdiplom der Dirigentenklasse ab. An der Musikhochschule Berlin legte er seine Dirigentenprüfung mit Erfolg ab. Am Landestheater Coburg, in der Nähe seines Geburtsortes, konnte er nun mit Musical, Operette und Oper Erfahrungen sammeln und erhielt auch bald eine Stellung als erster Kapellmeister an der Oper Oberhausen.

Nach diesem beruflichen Intermezzo führte der Weg wieder in die Schweiz, diesmal zum Lehrerkolleg in Chur. Zu seiner dortigen Lehrtätigkeit kamen zusätzlich Vereinsarbeit und kompositorisches Engagement sowie Konzerte in Deutschland und in der Schweiz dazu. 1973 wurde Rudolf Reinhardt Professor für Musik am Lehrerseminar Chur/Schweiz. Es folgten mehrere große Dirigentenaufträge. Von 1975 bis 1985 war er Dirigent der Musikgesellschaft Union Chur, von 1979 an Dirigent von Ossatur Cantores Curiensis und seit 1983 Leiter des Männerchores Chur. 1993 erhielt Reinhardt den Anerkennungspreis der Graubünder Regierung.

In der Zwischenzeit entstanden mehrere Werke aus der Feder von Professor Reinhardt, die weltweit in Musikbibliotheken gehalten werden. Trotz seiner, mittlerweile international viel beachteten Arrangements, Konzerte, Chor- und Orchesterleitung fand der gebürtige Rothenkirchener auch immer wieder den Weg in seine Heimat, den Frankenwald. In seinem Urlaub nahm er sich die Zeit, mit heimischen Interpreten und Musik- und Gesangverein Rothenkirchen für die Dreikönigskonzerte Gesangs- und Musikstücke einzustudieren. Sein umfangreiches Wissen und Können gab er gerne an Nachwuchstalente weiter. Von 1986 bis 2008 war er regelmäßig zu den damals beliebten und über den Frankenwald hinaus geschätzten Dreikönigskonzerten gekommen und brachte sich als Komponist, Pianist und Dirigent ein. Nicht zuletzt dieses große Engagement und die Heimatverbundenheit des großen Musikers veranlassten den Markt Pressig, Professor Rudolf Reinhardt im Jahr 2006 zum Ehrenbürger zu ernennen.

Bürgermeister Georg Konrad trug damals in seiner Begründung vor: "Wer vor kurzem wieder einmal das alljährlich stattfindende Dreikönigskonzert unter Mitwirkung von Gesang- und Musikverein Rothenkirchen besuchte, konnte sich erneut ein Bild von einer der wesentlichen Säulen dieses über den Landkreises Kronach hinaus bekannten Ereignisses machen, dessen herausragende Tugenden seine Heimat- und Musikliebe darstellen, gepaart mit einer charmanten Freundlichkeit und Bescheidenheit. Trotz seiner viel beachteten Arrangements, Konzerte sowie Chor- und Orchesterleitungen fand und findet Herr Professor Reinhardt immer wieder den Weg in seine Heimat, um über mehrere Monate hinweg die Proben für die Mitwirkenden im Gesang- sowie im Musikverein zu leiten und während seiner Abwesenheit zu begleiten. Immer wieder spürt man seine Verbundenheit zu seinem Heimatort Rothenkirchen, aus der er auch in der .Fremde' keinen Hehl macht und, wie ich meine, auch für eine internationale Präsentation unseres Gebietes sorgt." So hieß es damals in der Gemeinderatssitzung am 20. Februar 2006, in der beschlossen wurde, "Rudolf Reinhardt aufgrund der Verdienste nicht nur für seinen Heimatort Rothenkirchen, in den letzten Jahren vor allem manifestiert durch die Mitwirkung am Dreikönigskonzert, sondern auch um die Steigerung des Bekanntheitsgrades des Marktes Pressig aufgrund seines künstlerischen Wirkens mit der Ehrenbürgerwürde des Marktes Pressig auszuzeichnen". Die Verleihung der Ehrenbürgerwürde erfolgte am 3. Januar 2007 in einem Festakt in der Aula der Grund- und Mittelschule Pressig. Damals widmete er in Dankbarkeit die Komposition "Unsere Heimat" als Hommage an sein Rothenkirchen. Schon 1979 überraschte der "Rudi", wie er in Rothenkirchen liebevoll genannt wurde, an einem Festabend die Schützengesellschaft Rothenkirchen mit dem aus seiner Feder stammenden, "Rothenkirchener Schützenmarsch", der sogar auf der Jubiläums-CD "50 Jahre Bayerischer Sportschützenbund 1999" verewigt wurde.

Die Abdankung findet aufgrund der Corona-Situation erst nach dem 22. Januar statt. Das genaue Datum wird noch festgelegt. Wer der Abdankung beiwohnen möchte, melde sich bitte per SMS unter +41795754701 an.