Sie ist für 14 Scheidungen und mehrere Schwangerschaftsabbrüche verantwortlich, Verursacherin von Nervenzusammenbrüchen, war dem Alkohol zugetan und liebte Männlein plus Weiblein - das ist eine Seite der Dietrich.

Steppende Tänzerin und Sängerin mit erotisch rauchiger Stimme, gekleidet in Glitzer oder in die letztendlich nach ihr benannten Hosen - das ist ihre andere Seite. Und es gibt noch mehr: die gehorsame brave Berlinerin, die in den Jahren zwischen den Kriegen Entbehrungen erduldet und die kurz vor dem Zweiten Weltkrieg ihrer Heimat den Rücken kehrt und US-Bürgerin wird.

Der Fränkische Theatersommer erinnerte an die Künstlerin mit einem Schauspiel im Gut Kutzenberg. Wegen des wechselhaften Wetters fand die zweistündige Veranstaltung jedoch nicht im idyllisch gelegenen Gartentheater, sondern in einem Scheunenraum statt.

Perfektes Outfit

"Die Rückkehr einer Diva" war das Ein-Personen-Stück betitelt, Darstellerin war die Autorin selbst, Clarissa Hopfensitz. Mit himmellangen Beinen, blondem Haar, dünn gezupften elegant geschwungenen Wimpern und im bodenlangen Pailettenkleid begrüßte Schauspielerin Clarissa alias Marlene Dietrich ihre rund 50 Gäste.

Rückblick: Marlene befindet sich im Himmel. Denn auch Weltstars müssen einmal von der Bühne abtreten. Im Fall Marlene Dietrichs war das 1992, als sie - 91-jährig - tot in ihrer Pariser Wohnung aufgefunden wurde. Doch bald ist es ihr im Himmel zu langweilig, sie macht einen Deal mit dem Herrn, und so darf der einstige "Blaue Engel" auf die Erde zurückkehren, muss sich aber mit der Vergangenheit auseinandersetzen.

Was die anderen schrieben

Das tut Marlene alias Clarissa dann auch intensiv. Zur Freude der Zuschauer stöbert sie in den Nachrufen und Biographien, die andere über sie verfasst hatten. "Mal schaun, was meine Tochter Maria so über mich schreibt", sinniert sie, in ihrer Künstlergarderobe sitzend und Schnaps trinkend. Einen ganzen Müllsack voll mit Literatur hat der Herr ihr mitgegeben, nicht alles schmeichelt der Diva. Aber sie will ja noch einmal auf einer Bühne stehen, also muss sie sich wohl oder übel mit einigen Eskapaden aus ihrem Leben befassen.

"Ein widerliches Wrack war ich zum Todeszeitpunkt", stellt sie fest. Viele Männer  und Frauen habe sie unglücklich gemacht, bekennt sie - und auch glücklich. Denn: "Ich kann ja Liebe nur, und sonst gar nichts!" Dann singt sie ihren Welthit "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt". Als fesche Lola sorgte sie für viel Unruhe in Gesellschaft und Politik. Mit den US-Truppen reiste sie während des Krieges durch Europa, knüpfte und zerstörte Freundschaften, sorgte bei sich selbst für eine "ungewöhnliche Familiensituation", so Marlene in ihrem Resümee. Dabei wollte sie doch nur geliebt und anerkannt werden.

Sie wurde es: Die Dietrich gilt als Hollywood- und Stil-Ikone und ist eine der wenigen deutschsprachigen Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts, die international Ruhm erlangten. Das American Film Institute wählte sie 1999 unter die 25 größten weiblichen Leinwandlegenden aller Zeiten. Die von ihr getragenen Hosenanzüge machten das Kleidungsstück in den 1930er Jahren für Frauen salonfähig.

Singend und steppend verabschiedete sich Marlene von ihren Kutzenberger Zuschauern. Unvergessener Ohrwurm? Oder etwas, was noch immer zum Nachdenken anregt? "Sag mir, wo die Blumen sind" und "Lili Marleen". Dafür und für einen ungewöhnlichen Theaterabend dankte das Publikum mit Applaus. Hut ab, Marlene!