Die Jahresversammlung 2021 des Ortsvereins Neuenmarkt der Arbeiterwohlfahrt (Awo) war in doppelter Hinsicht etwas Besonderes: Es war erstmals aufgrund der Corona-Pandemie eine Versammlung für zwei Jahre, und nachdem Neuenmarkt keine öffentliche Gaststätte hat, wich die Awo in den Nachbarort Trebgast aus.

Vorsitzender Ralf Beutner verwies darauf, dass die Pandemie sich auch auf die Arbeit des Ortsvereins ausgewirkt habe. "Insbesondere der Winter 2020/2021 hat gezeigt, wie verwundbar unser Pflegesystem ist. Wurden am Anfang der Pandemie die Alten- und Pflegeheime noch für Besucher geschlossen, wurde dieses Besuchsverbot vor Weihnachten 2020 wieder aufgehoben. Die Schwächsten unserer Gesellschaft, die Alten und die Pflegebedürftigen, mussten dies dann schmerzlich erfahren. Allein bei den drei großen Ausbrüchen in Alten- und Pflegeheimen in Kulmbach und Wirsberg starben 53 Heimbewohner."

Beutner wollte das nicht als Vorwurf an eine Einrichtung oder das Pflegepersonal verstanden wissen: "Die Mitarbeiter der Senioreneinrichtungen wurden letztes Jahr und werden noch immer bis auf das Äußerste belastet und schaffen es dennoch, den Pflegebetrieb aufrechtzuerhalten", lobte er.

Nicht unerwähnt ließ der Ortsvorsitzende, dass während der Hochphase der zweiten und dritten Welle der Pandemie fast täglich neue Anweisungen der Regierung für die Einrichtungen kamen. Wenn jetzt davon gesprochen werde, dass die Pflegekräfte besser bezahlt werden müssen, ist das nach den Worten Beutners in gewisser Weise richtig. Wesentlicher wäre es jedoch, so Beutner, den Pflegeschlüssel zu erhöhen, damit mehr Mitarbeiter für die Pflegebedürftigen zur Verfügung stehen. Beutner weiter: "Die meiste Zeit müssen die Pflegekräfte jetzt schon für die Dokumentation aufwenden und dadurch fehlt die Zeit für die Bedürftigen. Allerdings darf eine Erhöhung des Pflegeschlüssels nicht zulasten der Angehörigen gehen. Schon jetzt ist ein Heimplatz kaum mehr bezahlbar."

Der Ortsverein Neuenmarkt zählt gegenwärtig 72 Mitglieder. Den Rückgang von 24 Mitgliedern erklärte Vorsitzender Ralf Beutner damit, dass ein großer Teil der Abgänge in der beruflichen Veränderung von Mitarbeitern begründet sei.

In ihrem Grußwort würdigte Awo-Kreisvorsitzende Inge Aures die zuverlässige Arbeit von Ralf Beutner im Vorsitz des Ortsvereins. Voller Stolz blickte Aures auf den Seniorenpark Rosengarten Neuenmarkt, der nicht nur einen guten Ruf habe, sondern auch gut angenommen werde. Mit derzeit 800 Beschäftigten sei der Kreisverband Kulmbach derzeit der drittgrößte Arbeitgeber im sozialen Bereich im Landkreis. rei