von unserer Mitarbeiterin Pauline Lindner

Baiersdorf/Hemhofen — Ein angestecktes Plastikkärtchen mit der Aufschrift "Visitor" weist Martina Zunker als Besucherin in der Erstaufnahmeeinrichtung in der Jahnstraße in Hemhofen aus. Die stellvertretende Sprecherin des örtlichen Helferkreises hat etwas Organisatorisches im Container des Helferkreises zu tun und ist nun im Begriff, wieder zu gehen. Da spricht sie ein junger Mann auf Englisch an: Wo er sich denn eintragen könne für den Deutschkurs? Seit drei Tagen sind sie hier, sagen zwei weitere junge Männer. Sie würden gern die deutsche Sprache lernen. Ein Mitarbeiter des Arbeitersamariterbunds (ASB) bestätigt, dass in den vergangenen Tagen einige Personen verlegt worden und dafür neue gekommen seien.
Damit ist der bestehende Plan hinfällig, wer wann einen der Deutsch-Kurse besuchen kann. "Das ist unsere neue Herausforderung, der schnelle Wechsel", sagt Zunker. Auf Ulrike Moldenhauer-Alzner, die Koordinatorin der Deutschkurse, kommt jetzt wieder jede Menge Arbeit zu. Seit Ostern unterrichten ehrenamtliche Lehrer die 20 Albaner, die im Gebäude neben der Erstaufnahmestelle für längere Zeit untergebracht sind.


Breites Spektrum

Die Gespräche laufen zweisprachig, auf Deutsch und Englisch. "Verständigungsprobleme gibt es eigentlich wenig. Viele Flüchtlinge können Englisch. Und bei ASB und Sicherheitsdienst gibt es viele Mitarbeiter, die selbst Flüchtlinge waren. Sie decken ein breites Sprachspektrum ab."
In der Erstaufnahmestelle versuchen die Lehrer, die erste und gegebenenfalls die zweite Einheit eines Lehrbuchs "Deutsch für Ausländer" zu vermitteln. Eine Einheit dauert etwa zwei Wochen. "Es hat sich bewährt, dass die Interessierten für das Lehrbuch etwas bezahlen. Sie können es dann auch mitnehmen, wenn sie verlegt werden. Denn die meisten Helferkreise arbeiten mit demselben Lehrbuch", erläutert Zunker das Konzept.


Höfliche Schüler

Ein Problem ist der Unterrichtsraum. Der Container ist winzig; nur mit Mühe passen 15 Stühle und ein kleiner Schrank rein. Demnächst aber soll dem Helferkreis auch der größere nebenan zur Verfügung stehen. Dann dürfte ein halbwegs deutschen Schulen entsprechendes Klassenzimmer entstehen.
Nicht viel anders läuft es dieser Tage in Baiersdorf. Dort gibt es seit einigen Monaten Deutschkurse für eine Gruppe Äthiopier und Iraker. Der Unterricht findet im Aufenthaltsraum statt. "Ich will betonen: Wir haben es mit ganz tollen jungen Leuten zu tun", sagt Carmen Wurm über die Motivation und die Höflichkeit der Schüler. "Sie sind unheimlich rücksichtsvoll zueinander. Sie klopfen sogar an ihre Tür, wenn sie aus ihrem Zimmer wollen und durch den Aufenthaltsraum müssen", sagt Wurm. Sie, die romanische Sprachen studiert hat, lernt nun im Gegenzug Oromo, die meist gesprochene Sprache in Äthiopien.
Die Lektorin koordiniert den Einsatz der überwiegend sehr jungen Lehrkräfte. Etliche stehen zwischen Abitur und Studium oder mitten in der Ausbildung. Ab September ändern sich aber die zeitlichen Möglichkeiten vieler Helfer. Und eine weitere Herausforderung kommt dazu. Rund 20 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge werden in Baiersdorf untergebracht.
Gerade ihnen will man sobald wie möglich Deutschkurse anbieten. Die Minderjährigen sind zwar alle berufsschulpflichtig, aber bislang gibt es nur zwei Klassen in Erlangen und zwei im Landkreis für sie. Es soll aufgestockt werden. "Es gibt es 15 000 berufsschulpflichtige Flüchtlinge, aber nur 4800 Schulplätze. Die Lehrer wären da", erläutert Laura Rampe.


Nützliche Erfahrungen

Die Gymnasiallehrerin für Englisch und Geschichte hat gerade ihr Referendariat absolviert. Sie muss nun ihren ehrenamtlichen Einsatz mit den Unterrichtserfordernissen an ihrer neuen Schule in Einklang bringen.
Über Bekannte ist sie zum Baiersdorfer Helferverein "Hand in Hand" gekommen und möchte das Begonnene jetzt nicht abbrechen. Wenn es irgendwie geht, will Rampe in die neuen Kurse für die Minderjährigen.Ihre berufliche Erfahrung könne sie da am besten einbringen, meint sie.