"Naturverjüngung ist, was der liebe Gott gibt", gab Forstamtsrat Matthias Jessen vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Bamberg, (AELF) den rund 30 Waldbesitzern mit auf den Weg. Sie waren einer Einladung der Waldbesitzervereinigung Fränkische Schweiz (WBV) gefolgt. "Naturverjüngung schafft eine hohe Biodiversität und kostet dem Waldbesitzer nichts", fasste Jessen die wesentlichen Vorteile zusammen.

"Für das Gelingen der Naturverjüngung ist die Zusammenarbeit der Waldbesitzer mit den Jägern notwendig", appellierte WBV-Vorstandsmitglied Heinz Pöhlmann. Die Kritik an den Äußerungen des WBV-Vorsitzenden Ludwig Thiem durch den Verein Jagdagenda 21 fand er daher wenig hilfreich, da dieses Einvernehmen mit den Jägern jeweils vor Ort hergestellt werden müsse.

Als Vorzeigefläche für eine gelungene Naturverjüngung wurde das Grundstück der Pfarrpfründestiftung St. Erhard in Wichsenstein ausgewählt. Dieses Grundstück wird von der WBV seit 2008 bewirtschaftet.

Revierleiter Benedikt Kügel von der WBV und Jan Rebele als Revierförster vom AELF in Pretzfeld informierten über den Bestand und die bisherigen forstlichen Maßnahmen. Kügel erläuterte hierzu, dass Nadelholz und Buchen entnommen wurden, um die Lichtverhältnisse am Boden zu verbessern. Auf der ersten Teilfläche seien dadurch neben der stark aufkommenden Buche beispielsweise auch Walnuss, Eiche oder zahlreiche Ahornarten zu finden. Bemerkenswert sei, dass diese Fläche nicht eingezäunt wurde. "Mithilfe ausreichender Lichtgabe schaffen es also auch Mischbaumarten, dem Äser des Rehwilds zu entwachsen. Durch den massenreichen Aufwuchs entsteht ein enger Verband, durch den die Stämme weniger Äste haben und deshalb bessere Qualitäten erzielen", sagte Kügel.

Auf Nachfrage gab er zu bedenken, wie lange die Fichte, Kiefer oder auch die Lärche aufgrund des Klimawandels in hiesigen Breiten noch gedeihen würden. Bei den künftigen Waldgenerationen würden sich die Waldbesitzer daher auf mehr Laubwald einrichten müssen.

Aufgabe mit Bändern

Auf einer weiteren Teilfläche konnte eine schon weiter aufgewachsene Naturverjüngung besichtigt werden. In einem geschlossenen Altbestand hatten Jan Rebele und Benedikt Kügel eine Aufgabe für die Teilnehmer parat: Mit unterschiedlich farbigen Bändern sollten die in mehrere Gruppen aufgeteilten Waldbesitzer die Entnahmebäume und die Zukunftsbäume markieren, um eine Naturverjüngung einzuleiten und anschließend ihre Entscheidung begründen.

Jan Rebele konnte seitens des AELF noch mit einer finanziellen Unterstützung aufwarten. Für gelungene Naturverjüngungsflächen könne auf Antrag eine Förderung von rund 1100 Euro pro Hektar gewährt werden. Allerdings müsse die Fläche die Bagatellgrenze von circa 2500 Quadratmetern überschreiten. Matthias Jessen betonte, dass die Planungen im Forst je nach Baumart über 100 bis 250 Jahre gingen. red