70 Jahre VdK Ortsverband Herzogenaurach waren für die Verantwortlichen um Karlheinz Schneider ein Anlass, im Saal des Liebfrauenhauses Herzogenaurach eine Feier zu veranstalten. Dabei kamen aber auch die nachdenklichen Töne nicht zu kurz.
Gegründet als Verband der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner Deutschlands mit dem ursprünglichen Ziel, die Anliegen der Menschen in den Nachkriegsjahren zu vertreten, hat der Sozialverband VdK Deutschland inzwischen 1,8 Millionen Mitglieder. Er entwickelte sich vom ehemaligen Kriegsopferverband zum großen, modernen Sozialverband, der für soziale Gerechtigkeit und Gleichstellung kämpft und sich gegen Sozialabbau stark macht.
Der Vorsitzende des rund 1000 Mitglieder starken Ortsverbands, Karlheinz Schneider, konnte unter anderem die langjährigen Mitglieder Gerhard Rammig (50 Jahre Mitglied), Michael Faber, Konrad Geinzer, Katharina Maier (40 Jahre Mitglied), Lotte und Rudolf Sichelstiel, Erich Walter und Evi Seeberger begrüßen. Außerdem die 106-jährige Hermine Rauch, die schon 1948 Mitglied beim VdK wurde.
VdK-Kreisvorsitzender Karl-Heinz Bauer konnte mit voller Überzeugung sagen: "Es braucht uns!" Denn gelegentlich gelte es, der Politik zu sagen: "Es muss auch anders gehen!" "Die Keimzelle des VdK ist der Ortsverband", so der Bezirksvorsitzende Günther Schweiger. Er erinnerte daran, dass sich viele nur mithilfe des VdK auf die Hinterbeine stellen könnten. Der VdK sei ein solidarischer Verband, der auch noch das solidarische Rentensystem verteidigt.


Blick in die Geschichte

Der VdK-Ortsverband Herzogenaurach wurde im April 1947 im Gasthaus "Steigerwald" in der Engelgasse aus der Taufe gehoben. Einberufen hatte die Versammlung Nikolaus Schaub, der auch zum Vorsitzenden gewählt wurde. Zu seinem Stellvertreter avancierte Siegfried Beschel. Das Amt des Schriftführers übernahm Johannes Hornfischer, das des Kassiers Georg Schühlein. Bei der ersten Versammlung erklärten 75 Personen ihren Beitritt. Zu der Generalversammlung am 15. Januar 1950 im Gasthaus "Steigerwald" hatte der VdK bereits eine Mitgliederzahl von 195 erreicht. Zur Schriftführerin wurde Eva Ellwanger gewählt, die weiteren Vorstandsmitglieder wurden in ihren Ämtern bestätigt.
In Herzogenaurach stellten zwar die aufstrebenden Firmen Industrie GmbH (jetzt Schaeffler) und Papierwerke Glock Schwerbeschädigte ein, darüber hinaus war es aber nicht einfach, derartige Arbeitskräfte zu vermitteln. Neben dem Engagement für die soziale Gerechtigkeit kam beim VdK-Ortsverband Herzogenaurach aber auch die Geselligkeit nicht zu kurz. Mit Hilfe des ADAC konnte ein Ausflugstag für Schwerbehinderte durchgeführt und eine Muttertagsfeier ausgerichtet werden. Waisenkinder erhielten eine Beihilfe, so dass sie ihre Kommunion oder Konfirmation festlich begehen konnten. Im festlichen Rahmen wurde der Kriegsopfergedenktag am 3. September 1950 mit einer Kranzniederlegung begangen.
Auf dem Jahresprogramm standen ein Faschingsabend für Erwachsene, aber auch ein Kirchweihball. Der Eintritt kostete 1951 ganze 1,30 DM. Bei der Baugenossenschaft "Eintracht" wurden 1951 die Spareinlagen des VdK-Ortsverbands angelegt. Die Weihnachtsbeihilfe für 68 Mitglieder betrug 768 DM im Jahr 1951. Um seine Aktivitäten auch weiterhin erfolgreich durchführen zu können, wurde der monatliche Beitrag im Ortsverband Herzogenaurach im Jahr 1956 auf 1,30 DM erhöht.
Im Jahr 1957 konnte der VdK Ortsverband Herzogenaurach sein zehnjähriges Bestehen feiern. Nikolaus Schaub war Erster Vorsitzender, sein Stellvertreter Konrad Dassler, Schriftführer Karl Winter und Kassier Karl Fuchs. Der VdK nahm an der Einweihung des Denkmals der Heimatvertriebenen im Herzogenauracher Friedhof am 24. Oktober 1954 teil. Aus den Reihen des VdK-Herzogenaurach konnten Peter Schacher, Konrad Dassler und Eva Ellwanger zu Sozialrichtern berufen werden.
Bereits 1955 betrieb der Kreisverband Forchheim des VdK mit dem Ortsverband Herzogenaurach einen "Glückshafen" auf der Herzogenauracher Sommerkirchweih. In jenem Jahr konnten 99 Losserien à 7 DM an die Frau bzw. an den Mann gebracht werden. Auch in diesem Jahr wird der VdK wieder mit seiner Losbude auf der Sommerkirchweih im Weihers-bach vertreten sein.
Manfred Welker