Samstagmittag bei Maria (47) und Bernhard Fehringer (52) in Kramersfeld. Gerade Sohn Michel vom Fußball abgeholt. Nur ein 0:0. Jetzt hat sich der Neffe angekündigt. "Ich habe einen Anschlag auf euch vor", hatte der gesagt. Und irgendwas von wegen FT und Weltkulturerbelauf. Bernhard und Maria laufen ihn als Paar - und nicht zum ersten Mal. Der Neffe, der jetzt mit Diktiergerät und Kamera im Wohnzimmer sitzt, ist ihn bisher null Mal gelaufen. Und daran wird sich wohl auch nichts ändern. Was ihn besonders interessiert: Warum?

Zum wievielten Mal lauft Ihr dieses Jahr mit?
Maria: Also, ich laufe, seit es den Lauf gibt, seit 2003.

Und jedes Mal den Halbmarathon?
Maria: Einmal bin ich nur zehn Kilometer gelaufen, das war 2005. Da war ich schwanger und habe dann auch abgebrochen. 2003 bin ich den Halbmarathon gelaufen, da ist auch dein Vater mitgelaufen. 2007 musste der Bernd dann auch mit.

Das heißt, du hast ihn überzeugt?
Bernhard: Ja, sie ist schuld. Sie hat mich angefixt.
Maria: Wir sind ja vorher gar keine Läufer gewesen.
Bernhard: Wenn das in Bamberg nicht eingeführt worden wäre - ich weiß nicht, ob ich jemals überhaupt zum Laufen gekommen wäre. 2007 war ich quasi so 40 ...
Maria: Also am Anfang der Midlife-Crisis.
Bernhard: Genau, da kam dann die Midlife-Crisis, und ich habe gedacht, ich muss jetzt sowas machen, so lange ich das noch kann. Bevor ich das später mal bereue.

Wie war das dann beim ersten Mal, das überhaupt durchzuhalten?
Maria: Super. Das erste Mal war das schönste. Es war zwar total anstrengend und ich habe ewig gebraucht, ich glaube zweieinhalb Stunden, aber so schön war es nie mehr. Da war ich so stolz auf mich.

War es von da an auch klar, dass ihr im nächsten Jahr immer wieder lauft?
Maria: Na ja. Eigentlich haben wir immer gesagt, wir laufen nicht mehr. Kaum war dann die Anmeldefrist raus, haben wir uns dann doch wieder angemeldet. Weil es einfach Spaß macht.

Was ist dieser Anreiz? Warum macht man das überhaupt?
Maria: Die Stimmung in der Stadt, das Publikum.
Bernhard: Die tragen einen. In Bamberg ist die Stimmung wahnsinnig. Wir sind einmal in Berlin gelaufen, Marathon. Aber das war der einzige Marathon. Danach war ich drei Wochen krank, konnte nicht mehr laufen.
Maria: Also, wir sind wirklich nicht die Paradebeispiele für Läufer!
Bernhard: Und sie hat mir das auch noch zum Geburtstag geschenkt... Da war die Stimmung auch gut. Aber in Bamberg ist es noch besser. Vielleicht auch weil man da lebt und viele Leute kennt. Und wenn dann die Trommler am Rand stehen, die pushen einen schon rauf.

Was war denn euer bestes Ergebnis bisher oder ist das eigentlich wurscht?
Maria: Zwei Stunden fünf. Ziel wäre, einmal unter zwei Stunden zu laufen. Aber das haben wir bisher nicht geschafft und werden wir auch nicht mehr schaffen. Eigentlich sind wir der Meinung, heuer ist das letzte Mal.

Eigentlich ...
Bernhard: Also für mich definitiv. Ich will es einmal noch mit über 50 schaffen. Und dann ist Schluss, dann will ich bloß noch Wasserbecher ausschenken.

Aber ihr seid doch nächstes Jahr nicht weniger fit als dieses?
Maria: Unser Problem ist immer, dass wir nicht konstant weiterlaufen. Wenn der Lauf vorbei ist, wird unser Training konstant weniger. Dann kommt die Kellerzeit und so weiter und wir finden Ausreden. Dann muss man im Herbst wieder anfangen zu trainieren ...
Bernhard: Auch bei dem Berlin-Marathon damals hatten wir einfach zu wenig trainiert, vor allem so lange Läufe. Ich bin dann in Berlin in die U-Bahn gestiegen, und eine schwangere Frau ist aufgestanden und hat mir ihren Sitzplatz angeboten. ,Setzen Sie sich, Sie haben heute schon mehr geleistet als ich ...' Mein Orthopäde hat auch gesagt, eigentlich ist das Laufen nicht das Richtige für mich.

Lauft ihr die komplette Strecke zusammen?
Bernhard: Die letzten Male haben wir uns schon auch mal getrennt.
Maria: Aber meistens laufen wir zu zweit.

Wie ist der Vorbereitungsstand? Bei wie viel Prozent seid ihr jetzt?
Maria: Das wird sich nach morgen zeigen. Da laufe ich ihn einmal komplett. Ich würde sagen, ich bin bei 80 Prozent. Ich bin in den letzten Wochen konstant ein, zwei Mal pro Woche eineinhalb Stunden gelaufen.
Bernhard: Ich muss jetzt nachher mal laufen ...

Was ist das schlimmste, was passieren kann?
Maria: Dass ich einen Herzinfarkt kriege! Nein, wenn ich es nicht schaffe, höre ich auf, das ist mir echt wurscht.
Bernhard: Es ist eine wunderschöne Strecke. Für mich vor allem nach der Altenburg, wenn man die hinter sich hat und dann den Kaulberg, Stephansberg ... Die Ecken sind eigentlich das Schönste.
Maria: Teilweise entwickeln sich auch richtig schöne Gespräche, das ist total witzig. Du triffst da halt auch Leute, die nicht aus Bamberg sind. In unserer Geschwindigkeit kann man sich ja unterhalten. Mir haben da schon so viele Leute gesagt, euer Bamberg ist so eine schöne Stadt, nur die Berge sind furchtbar.
Bernhard: Ich unterhalte mich nicht. Ich habe immer Musik im Ohr, ,Fiddler's Green' zum Beispiel. Wenn der dann schneller geigt, laufe ich automatisch schneller. Und sie spricht dann mit fremden Leuten ... Schlimm ist dann das Stück nach den ganzen Bergen in den Hain bis zur Buger Spitze. Das zieht sich so furchtbar. Da kommt dann meistens zum ersten Mal der Mann mit dem Hammer vorbei, der dich ausknockt. Wenn du dann wieder in die Stadt reinkommst, beim Spezi ...
Maria: Das ist schön! Da kriegt man dann auch mal ein Bier, das ist klasse.
Bernhard: Ja, da kannst du dann mal einen Schluck nehmen und triffst Leute und so. Aber im Haingebiet, da sind auch kaum Zuschauer, das ist ätzend. Da kommt meistens der tote Punkt.
Maria: In unserer Preisliga bleibt man schon auch mal stehen, wenn man jemand sieht, den man lange nicht getroffen hat. Deswegen schaffen wir die zwei Stunden auch nicht.
Bernhard: Wir unterhalten uns eigentlich zu viel am Wegesrand ...

Na gut, hört sich ja ganz angenehm an.
Maria: Ja. Wir werden eh nie erster, deswegen sehen wir das ganz entspannt. Hauptsache, wir kommen durch.

Das Gespräch führte
Andreas Thamm.