Wild romantisch, wie sie ist, zieht die Einberger Schweiz seit je her die Menschen in ihren Bann. Um Felsen und Schluchten rankten sich einst Mythen von Waldgeistern und gar dem Teufel selbst. Jungen machten sie über die Jahrzehnte immer wieder zum Ort für ihre Abenteuerspiele, waren dort Ritter, Cowboys oder Soldaten. Für einige von ihnen wurde aus dem Spiel tödlicher Ernst. Sie zogen in den Weltkrieg. Nicht alle kamen wieder. An sie erinnert eine Inschrift, die in den Fels der Teufelskanzel gehauen wurde.

Die Mundartdichterin und Heimatforscherin Anneliese Hübner schreibt darüber in ihrem Band "850 Jahre Einberg - Geschichte und Geschichten". Die Inschrift lautet: "In dankbarer Erinnerung unseren 1914 bis 1918 gefallenen Helden, erinnert an sie." Darüber steht: "Memento Mori" (Sei dir der Sterblichkeit bewusst) Darunter stehen die Initialen A. H. und K.G.

Erich Hutschgau, der heute den Steinmetzbetrieb führt, kennt die Geschichte der Inschrift an der Teufelskanzel nur zu gut. "Die hat mein Urgroßvater gemacht, das muss in den 20er Jahren gewesen sein", sagt er. "Später wurden dann durch meinen Großvater die Jahreszahlen 1939 bis 1945 angebracht." So wurde auch der jungen Männer gedacht, die im Zweiten Weltkrieg gefallen waren.

Die Inschriften an der Teufelskanzel inspirierten offenbar. Es gab weitere Menschen, die an die Gefallenen, oft an bestimmte Einzelne von ihnen, erinnern wollten. So findet sich etwa am Oelweg eine Inschrift und eine große Darstellung des Eisernen Kreuzes. Sie ist Alfred Roos gewidmet. Jahrgang 1916 fiel er im August 1944. Was dort in Stein gemeißelt zu sehen ist, wurde nicht von einem der Steinmetze aus der Familie Hutschgau gestaltet. Erich Hutschgau konnte aber in Erfahrung bringen, von wem: "Das hat Karl Roos für seinen gefallenen Bruder gemacht", sagt er.

Einmal sensibilisiert, finden sich bei einem Spaziergang noch weitere Inschriften zu Ehren gefallener Soldaten aus den beiden Weltkriegen, etwa an einem Felsen nahe dem Schwarzen Teichla oder am Weg in Richtung Kipfendorf. So wurde der Einberger Wald mit seinen Felsen zu einem Park der Erinnerung an die jungen Männer, die aus Einberg, Rothenhof, Kipfendorf oder Spittelstein für Kaiser und später für Hitler in den Krieg zogen und umkamen.

Abgestürzter britischer Bomber

Doch wurde nicht nur der Männer aus der Heimat gedacht. Es gibt auch einen Gedenkstein, der ins Gedächtnis ruft, dass der Tod auch direkt in den Einberger Wald kam. Für diesen Gedenkstein sorgte 2006 Ernst Wohlleben aus Einberg. Er wollte nicht, dass vergessen wird, was er am 18. August 1940 erlebte. Die Sirenen heulten. Fliegeralarm. Die Familie brachte sich in einem Hohlweg in Sicherheit, weil ihr Haus keinen Keller hatte. Dann brummten Flugzeugmotoren."Wir haben drei Flieger bemerkt, die über dem Annawerk gekreist sind", schilderte Ernst Wohlleben bei der Einweihung des Gedenksteins seine Erinnerungen. Dann brummte eine der Maschinen ganz nah über dem Einberger Wald. Gleich darauf hörte Wohlleben ein Krachen und Bersten. Das Flugzeug ist abgestürzt. Mit dem Licht der Dämmerung offenbarte sich das ganze Szenario. Die zweimotorige Vickers Wellington der Royal Airforce (RAF) war in die jungen Bäume am Kiefernberg gekracht und in zwei große Teile zerbrochen. Es war die erste Feindmaschine, die über Oberfranken abstürzte. Erst im Laufe des Tages wird sich herausstellen, dass sechs Mann mit der Wellington abgestürzt sind. Nicht nur Wohlleben wundert sich bis heute über die hochkarätige Besatzung. Ein Major, ein Hauptmann, drei Leutnants und ein Feldwebel waren an Bord der Maschine.

Der Major, der Hauptmann und ein Leutnant waren tot. Ein Leutnant verwundet. Ein Leutnant und ein Feldwebel kamen mit ein paar Blessuren davon, versuchten sich abzusetzen, wurden aber in Spittelstein festgehalten und später vom Militär in ein Gefangenenlager gebracht. Geschichten, die an reale Geschichte erinnern.

Es gibt auch andere. Etwa die, dass der Teufel selbst von der nach ihm benannten Kanzel predigte - freilich in der Gestalt eines frommen Einsiedlers, für den er sich ausgab. Als die Leute aber erkannten, wer er in Wirklichkeit war, kamen sie nicht mehr zu seinen Predigten. Das machte ihn so wütend, dass er künftig den Wanderern auflauerte, die über den Höhn gingen, um ihnen den Hals umzudrehen, wenn er sie erwischte. So schildert Anneliese Hübner eine Geschichte, die von dem früheren Einberger Lehrer Walter Landefeld aufgezeichnet worden war.