Aus kleinen Anfängen wurde eine feste Einrichtung: die Waldweihnacht in Tiefenlauter am Heiligen Abend. In diesem Jahr hätte diese zum 50. Mal stattfinden sollen. Am Freitagabend entschlossen sich die Verantwortlichen dazu, die Veranstaltung abzusagen. "Die Entscheidung ist uns sehr schwergefallen", betont Norbert Seitz, der an der Spitze der Löschgruppe Tiefenlauter steht, die seit rund 40 Jahren für die Organisation der Waldweihnacht verantwortlich ist. Das Krippenspiel "Der stumme Hirte" sei bereits einstudiert worden. "Jetzt bleibt der Hirte wirklich stumm", stellt er enttäuscht fest.

"Den Grundstein für ein Ereignis, das als solches überhaupt nicht geplant war, legte eine Sängerrunde aus Tiefenlauter", erzählt er. Die Aktiven wollten sich auch am Heiligen Abend begegnen und gemeinsam die Ausstrahlung des besonderen Tages auf sich wirken lassen. Es entwickelte sich der Gedanke, mit einem Krippenspiel den Abend aufzuwerten. Als sich die Sängergruppe auflöste, sprang der Löschzug Tiefenlauter der Feuerwehr Lautertal ein und sorgte dafür, dass die Tradition erhalten blieb.

Seit seiner Kindheit ist Norbert Seitz fest mit der Waldweihnacht verwurzelt. Der 48-jährige Feuerwehrmann erinnert sich, dass es für ihn und gleichaltrige Kinder aus Tiefenlauter damals eine Selbstverständlichkeit und eine Ehre war, an der Waldweihnacht teilzunehmen. "Wir haben uns alle riesig darauf gefreut, dabei sein zu können." Seit über 20 Jahren steht Seitz als "Cheforganisator" dafür ein, dass die Tradition weiter am Leben bleibt. Das Wetter sei manchmal unberechenbar gewesen. "Einmal waren wir gezwungen, zwei Stunden Schnee zu schaufeln, um die Fläche für das Krippenspiel frei zu bekommen", erzählt Seitz. Ein anderes Extrem erlebte das Team, als es so stark regnete, dass der Hang am Hühnerbergweg, an dem die Waldweihnacht zuerst beheimatet war, sich in eine einzige Matschanlage verwandelte. "Den Besuchern hat es regelrecht die Beine weggezogen", erinnert sich Norbert Seitz. Der Begeisterung an der Waldweihnacht tat dies aber keinen Abbruch.

Einen "Schock" mussten die Verantwortlichen verkraften, als bekannt wurde, dass die Fläche am Hühnerbergweg bebaut wird. Eine Alternative wurde schnell gefunden. Seit über 25 Jahren findet die Waldweihnacht nun auf dem Gelände des ehemaligen Bahndamms statt. Für Norbert Seitz war dies kein schlechter Tausch. Das Flair der Waldweihnacht habe nichts an Attraktivität verloren.

In diesem Jahr beherrschte Hoffen und Bangen die Adventszeit. Seitz: "Lange haben wir geglaubt, die 50. Waldweihnacht feiern zu können." Dass es jetzt anders gekommen ist, macht nicht nur den Feuerwehrmann traurig. Aber: "Wir sind der festen Überzeugung, mit der Absage eine richtige Entscheidung zum Wohl unserer Mitmenschen getroffen zu haben", stellt er fest.