Traditionsgemäß wird der Sebastianstag in Steinwiesen von der Soldaten- und Reservistenkameradschaft gefeiert. In den letzten Jahren wurde zur Feier jeweils eine Kirchenparade mit den anderen Verein zusammen gehalten. In diesem Jahr steht der Sonntag wegen der Ewigen Anbetung in Steinwiesen nicht zur Verfügung. Deshalb findet heuer ausnahmsweise die Sebastiansfeier am Freitag, 20. Januar, statt.
Zur Kirchenparade angetreten wird um 17.45 Uhr beim Vereinslokal Gasthof Goldener Anker, um 18 Uhr ist Gottesdienst in der Pfarrkirche Maria Geburt zu Ehren des heiligen Sebastian sowie für lebende und verstorbene Angehörige der Soldaten- und Reservistenkameradschaft Steinwiesen, zelebriert von Pfarrer Richard Reis.
Nach dem Gottesdienst führt der Weg zurück zum Vereinslokal Goldener Anker, wo es traditionell "Fleck" zu essen gibt. Die Uniformträger, Frauen und alle Mitglieder der Kameradschaft sowie die Vereine und die Einwohner sind zu dieser Kirchenparade und den Feierlichkeiten eingeladen.


Gegründet 1871

Die Soldaten- und Reservistenkameradschaft Steinwiesen (SRK) wurde 1871 als Veteranen- und Kriegerverein gegründet. Schon damals wurde begonnen, den Sebastianstag im Gedenken an gefallene und verstorbene Kameraden zu feiern. Sogar die offizielle Gründung des Vereins erfolgte am 20. Januar 1872, am Sebastianstag. Johann Wunder (Wirt) und Johann Simon (Postbote) unterzeichneten für den Vorstand. Nur durch mündliche Überlieferung ist belegt, dass dieser Tag jedes Jahr begangen wurde. "Es war immer ein Feiertag für uns Krieger", sagen die Veteranen des Vereins. Und früher war der Sebastianstag wirklich ein Feiertag: sowohl kirchlich als auch weltlich.
Zusammenhängende Aufzeichnungen des Kriegervereins beginnen erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Aber: "Als ein besonderes Ereignis wurde der Sebastianstag 1954 hervorgehoben, an dem 80 Kameraden um ½ 9 Uhr vor dem Vereinslokal zum Kirchgang angetreten waren. Unter den Klängen der Blaskapelle Müller ging es zunächst zum Kamerad Erhard Kuhnlein, wo die Fahne abgeholt wurde. Um 9 Uhr fand ein Gottesdienst für die gefallenen und vermissten Kameraden der Gemeinde statt. Nach dem Gottesdienst zog man zum Gasthof Goldener Anker, wo die Fahnen erstmals untergebracht wurden und unter den Klängen der Blaskapelle Müller verbrachte man einige frohe Stunden und erst nach 14 Uhr besuchte man die Wirtschaft des Kameraden Richard Kuhnlein. Dort wurde die gemütliche Unterhaltung bei Bier und Wein bis in den Abend hinein fortgesetzt."
Ebenfalls an einem Sebastianstag, dem 20. Januar 1969 wurde Hans Simon mit feierlicher Übergabe der Urkunde zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Es gibt noch ein wichtiges Ereignis, das ebenfalls am Tag des heiligen Sebastian gefeiert wurde. Am 20. Januar 1984 wurde die von 1901 stammende renovierte zweite Vereinsfahne geweiht.


Gedenken

Bei dieser Sebastianifeier wird auch derer gedacht, die in Kriegen gefallen, gefoltert und erbärmlich ermordet wurden. 1626 starben allein in Steinwiesen 17 Personen an der Pest. 1633 brachen schwedische Truppen unter Herzog Wilhelm von Weimar und Obrist Taupadel mehrmals in Steinwiesen ein, im August wurde das ganze Dorf verwüstet, die Fenster und Öfen eingeschlagen, zwei Altäre in der Kirche zerbrochen, "die Orgelpfeifen verderbt und alle Truhen zerschlagen". Insgesamt forderte der Schwedenkrieg in Steinwiesen durch Verwüstungen, Brände und die Pest 83 Todesopfer. Der damals seit 1626 ansässige Pfarrer Andreas Bischoff wurde am 22. Juni 1633 von den Schweden ermordet.


Schwere Verluste

Auch im Siebenjährigen Krieg von 1756 bis 1763 wurde Steinwiesen sehr heimgesucht, der Gesamtverlust wurde auf 6000 Gulden veranschlagt, der Ort war drei Mal gebrandschatzt worden: alles Vieh weggetrieben, Fenster und Türen eingeschlagen, Öfen zerstört und drei Männer erschossen.
Auch Napoleons Heere, die im Oktober 1806 durchzogen, benahmen sich nicht wie "Verbündete". Sie plünderten und erpressten, nahmen Geiseln, zerstörten, was sie nicht mitnehmen konnten. Die Hungersnot war groß. Nach der Schlacht bei Jena und Auerstädt musste Steinwiesen Gefangene und Verletzte aufnehmen, die Durchzüge dauerten an und erst mit dem Pariser Frieden kehrte nach 1814 etwas Ruhe im Frankenwald ein.
Im "Glorreichen Feldzug von 1870/71 der tapferen Bayer nsoldaten" im Deutsch-Französischen Krieg wurden 60 Mann aus Steinwiesen einberufen, 17 leisteten Garnisonsdienst und 43 standen im Feld, alle kamen unversehrt in die Heimat zurück. Schwere Opfer forderten der Erste Weltkrieg 1914/18 und der Zweite Weltkrieg von 1939 bis 1945. sd