Der HSC 2000 Coburg hatte in den vergangenen Jahren einen größeren Verschleiß an Geschäftsführern. Aber was ist aus ihnen geworden? Wir sind auf Spurensuche gegangen. Dem Sport ist kaum einer treu geblieben. Steffen Ramer und Michael Häfner sind jetzt sogar in der Kneipen- und Unterhaltungsbranche aktiv. Florian Dotterweich ist seit fast vier Jahren angestellter Geschäftsleiter bei "eventworks", einer eigenständigen Abteilung von Radio Bamberg mit Sitz in Altendorf zwischen Bamberg und Forchheim.

Nach zehn aufregenden Jahren beim HSC ist Dotterweich nun Abteilungsleiter. Seine Kernaufgabe ist das Projekt- und Personalmanagement für Event-Produktionen aller Größenordnungen. Sein Kerngeschäft ist die Vermietung von Veranstaltungstechnik, also alles, was mit Sound, Licht, Video und Bühne zu tun hat. Damit sind er und seine Firma deutschlandweit unterwegs.

Corona: 90 Prozent weniger Aufträge

Bis zum Beginn der Corona-Krise war sein Betrieb gut ausgelastet. "Aber mit dem ersten großen Lockdown im März 2020 sind uns binnen weniger Tage knapp 90 Prozent der Aufträge für das Jahr weggebrochen, das war buchstäblich ein Schlag ins Gesicht - nicht nur für mich und meine Mitarbeiter, die gesamte Branche leidet bis heute noch unter den Auswirkungen der Krise."

Glücklicherweise habe der Betrieb das Leistungsportfolio im Sommer 2020 relativ schnell auf Digital-Events umstellen können, so dass sich "eventworks" mit Livestream-Produktionen zumindest über Wasser hielt. Mittlerweile hat sich die Auftragslage dank des Impffortschritts und der Lockerungen wieder etwas verbessert. Von dem Pensum, das die Firma vor Corona abgerufen hat, ist man nach den Worten Dotterweichs aber noch weit entfernt.

Sein neuer Job hat mit Sport nicht viel zu tun. In Sachen Corona hätte es den Profisport aber wohl mindestens genauso hart getroffen wie die Veranstaltungswirtschaft - zumal ja beide Branchen miteinander verwandt seien.

Für Brose Bamberg bei Heimspielen tätig

Dotterweich und sein Team sind unter anderem als technische Dienstleister für die Basketballer von Brose Bamberg bei den Heimspielen in der Brose-Arena tätig und auch regelmäßig mit der deutschen Basketball-Nationalmannschaft bei Länderspielen in Deutschland unterwegs. Von daher gibt es durchaus noch Berührungspunkte, aber aus dem operativen Profisport-Geschäft hat sich der ehemalige Geschäftsführer des HSC mit seinem Berufswechsel verabschiedet.

Rückblickend hat Dotterweich seinen verantwortungsvollen Job in Coburg mit einem lachenden und einem weinenden Auge verlassen: "Ich bin heute immer noch dankbar, dass ich meine Ausbildung und mein Studium mit meiner Leidenschaft zum Handball-Sport verknüpfen und im Lauf meiner Karriere vom FSJler zum Geschäftsführer viele tolle und inspirierende Menschen kennenlernen durfte." Diese Erfahrungen hätten ihn als Mensch geprägt und im Berufsleben profitiere er heute noch maßgeblich von den gemachten Erfahrungen. In den vergangenen vier Jahren hat Florian Dotterweich allerdings festgestellt, dass es ihm sehr gut tut, nicht mehr im Fokus der Öffentlichkeit zu stehen. Er räumt ein: "So schön das oft nach außen wirken mag, so belastend war es auch für mich, wenn man als Mensch fast nur noch auf seine berufliche Position reduziert wird und die Distanz zwischen Beruf und Privatleben quasi nicht mehr vorhanden ist. Ich war schon immer ein Macher hinter den Kulissen, umso mehr gehe ich in meiner neuen Aufgabe auf und bereue daher den Berufswechsel bis heute nicht."

Immer noch ein großes Interesse am HSC

Die Entwicklung bei den Coburger Handballern verfolgt der 33-Jährige nach wie vor mit Argusaugen. Sportlich erinnert ihn die aktuelle Spielzeit an die Saison 2017/2018. "Damals sind wir auch als Erstliga-Absteiger mit einer neu formierten Mannschaft angetreten und waren ab dem ersten Spieltag die ,Gejagten' mit entsprechend durchwachsenen Ergebnissen, haben uns im Lauf der Runde aber kontinuierlich gesteigert und die Saison mit einem respektablen vierten Platz abgeschlossen."

In der aktuellen Spielzeit seien auch wieder zahlreiche und vor allem viele junge neue Spieler zu integrieren. Der Trainerwechsel mitten im Spielbetrieb sei eine besondere Situation. Dotterweich hofft, dass der Mannschaft und vor allem dem neuen Trainer Zeit gegeben wird, um sich zu finden und ein gemeinsames Spielkonzept zu erarbeiten. "Der Saisonstart ist für alle Beteiligten sicher nicht zufriedenstellend - aber zu glauben, dass der HSC mit aller Gewalt sofort wieder in die 1. Liga aufsteigt, wäre meiner Meinung nach vermessen. Zudem ist das, so wie ich Jan Gorr und die Verantwortlichen kenne, aktuell nicht Sinn und Ziel der Sache."

Dass sein Ex-Klub vor Kurzem bekannt gab, dass stolze 100 000 Euro an Verbindlichkeiten abgebaut worden sind, freut Dotterweich. Doch grundsätzlich müsse man bei solchen Statements seiner Meinung nach etwas aufpassen, da der HSC nach wie vor aus dem eingetragenen Verein sowie der HSC Coburg GmbH und der HSC Coburg GmbH & Co. KG als wirtschaftliche Träger besteht. "Das ist schon zu meiner Zeit zu oft über einen Kamm geschert worden, was in der betriebswirtschaftlichen Betrachtung faktisch falsch ist."

Finanzieller Umschwung ist wichtig

Der Abbau der genannten Verbindlichkeiten betrifft nämlich nach den Worten Dotterweichs im Wesentlichen den eingetragenen Verein. Man müsse sich darüber im Klaren sein, dass der Verein mit seinem Vereinsleben, dem ehrenamtlichen Engagement einer Vielzahl von Menschen und vor allem der Nachwuchsarbeit die Lebensader des Projekts HSC sei. "Umso wichtiger ist es, dass der finanzielle Umschwung erfolgreich angelaufen ist - andernfalls hätte das noch viel weitreichendere Konsequenzen für den Profispielbetrieb und das Projekt gehabt", ist sich Dotterweich sicher.

Mit vielen seiner ehemaligen Weggefährten hat er noch regelmäßig Kontakt, schließlich hätten sich neben dem Berufsalltag zahlreiche tolle Freundschaften entwickelt. Wenn es seine Zeit zulässt, versucht er, möglichst oft in Coburg zu sein. Neben Besuchen bei seinen Eltern und seiner Familie lässt er mit den ehemaligen Kollegen gerne mal die alten Zeiten bei einem Kaltgetränk aufleben. Ein Besuch bei einem Heimspiel in der HUK-Arena steht als nächstes auf seiner Agenda.

Dotterweich schwärmt von Bamberg

Und wie wäre es eines Tages wieder mit einem verantwortungsvollen Posten bei einem Profiverein? Grundsätzlich will Dotterweich niemals nie sagen. Aktuell fühlt er sich beruflich und privat in Bamberg sehr wohl. Mit seinem Umzug von Coburg nach Bamberg vor zweieinhalb Jahren hat der neue Lebensabschnitt für ihn endgültig begonnen. "Ich habe in der Stadt Fuß gefasst, viele neue geschäftliche und private Kontakte geknüpft und bin von der Schönheit und Vielfalt der Stadt nach wie vor beeindruckt.

Von daher müssten die Rahmenbedingungen schon sehr gut passen, um mich erneut verändern zu wollen. Aber am Ende kommt es so, wie es kommen soll."

Auch der Wunsch nach einer eigenen Familie ist bei ihm durchaus vorhanden, "an der Umsetzung muss ich allerdings noch arbeiten", sagt ein zufrieden wirkender Dotterweich und lacht dabei.