Bernhard Panzer Es war letztlich ein trauriges Ende, das im vergangenen Jahr ein außergewöhnlicher Laden finden musste. Der Campingbahnhof, letztes Relikt des einstigen Herzogenauracher Bahnhofs, musste schließen - das Gebäude sollte abgerissen werden. Nach 33 Jahren war Schluss für einen in der ganzen Region einzigartigen Shop. Schaeffler brauchte Platz.

Inzwischen ist der Abbruch auch bereits geschehen. Schaeffler hatte von der Stadt ja Grundstücke entlang des Firmenareals erworben, zur Arrondierung, wie es hieß. Im Gegenzug erhielt die Stadt ein Gelände, das näher an der Hans-Maier-Straße gelegen ist, und das für die Stadt-Umland-Bahn benötigt wird. Das Tauschgeschäft war damals auch viel diskutiertes Thema im Stadtrat.

Alte Gleise abmontiert

Gerade auch deshalb, weil Schaeffler 755 Meter stillgelegte Bahntrasse entlang des Firmengeländes erwarb. Die Skeptiker im Stadtrat befürchteten, dass dies das endgültige Aus für eine mögliche Reaktivierung der Aurachtalbahn bedeuten könnte.

Sie wurden eines Besseren belehrt: Augenblicklich wird eine solche Reaktivierung nämlich auf den Prüfstand gestellt - vom gesamten Stadtrat übrigens, wenn auch mit unterschiedlicher Blickrichtung. Die CSU liebäugelt zwar mit einer S-Bahn, Bürgermeister Hacker und seine SPD bevorzugen jedoch die Stadt-Umland-Bahn. Einer S-Bahn gibt Hacker persönlich eher keine Chance. Geprüft wird trotzdem, derzeit wird die Beauftragung einer Machbarkeitsstudie vorbereitet.

Auch Schaeffler war unterdessen nicht untätig. Die Firma hat das erworbene Areal schon umgestaltet und Parkplätze gebaut. Die Schienenreste sind abmontiert, das letzte Bahnhofgebäude - eben als Campingbahnhof bekannt geworden - ist abgerissen. Das Firmenareal ist damit größer geworden. Wie das neue Gelände später genutzt wird, ist noch nicht bekanntgegeben worden.

Der Konzern hat zurzeit wohl andere Schwerpunkte: die Transformation und den Stellenabbau. Vorerst parken dort also Mitarbeiter. Rund 250 zogen jüngst daran vorbei, als sie sich zu einer Kundgebung der IG Metall begaben, die sich just gegen jenen beabsichtigten Stellenabbau (offenbar 1200 allein in Herzogenaurach) richtete (der FT berichtete). Die Redner blickten dabei direkt auf ein Mitarbeiter-Parkhaus. Pikant: "Dieses Parkhaus mit 950 Parkplätzen brauchen wir nicht mehr", sagte Ismene Bialkowski vom IG-Metall-Vertrauenskörper. Es sollen ja 1211 Beschäftige entlassen werden.

Und die Marscholiks?

Und was machen die Betreiber des Campingbahnhofs heute? Dietmar Marscholik (inzwischen 64) ist zuhause, sagt seine Frau Brigitte. Sie selber hat einen Minijob. Die beiden hatten Internethandel versucht, doch gegen die Konkurrenz der Großen mit kostenlosem Versand hatten sie keine Chance. Ihr Trumpf, die Beratung im Geschäft, ist online nicht gefragt. "Wir haben von den Ersparnissen gelebt", sagt die 60-Jährige. Dass sie wegen eines Parkplatzes ihr Lebenswerk aufgeben mussten, das können die Beiden nicht verstehen. Noch zwei bis drei Jahre, das hätte bis zur Rente gereicht.