Es war der erste Volksentscheid in der deutschen Geschichte: Am 30. November 1919 stimmte die große Mehrheit der Einwohner des Freistaats Coburg gegen den Anschluss an Thüringen. Damit konnten die Beitrittsverhandlungen mit Bayern fortgesetzt werden. Dass sich die Coburger für Bayern entschieden, könnte damit zu tun haben, dass der Bayerische Landtag von April bis Mitte August 1919 in Bamberg tagte. In München war es zu unruhig. "Da waren die Wege sicherlich kürzer", sagt Christian Boseckert, Stadtheimatpfleger und stellvertretender Vorsitzender der Historischen Gesellschaft Coburg.

Ein anderer Grund könnte gewesen sein, dass mit dem Anschluss an Bayern die Weiterbeschäftigung der Coburger Staatsbeamten gesichert war. Das aber, sagt Boseckert, war möglich, weil schon im Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha ab Mitte des 19. Jahrhunderts fast alle Hofbehörden nach Gotha verlegt worden waren, um Doppelstrukturen abzubauen. "In Coburg blieb lediglich die Hoftheaterintendanz."

Boseckert wird einen der drei Vorträge halten, die die Historische Gesellschaft noch in diesem Jahr aus Anlass des Jubiläums anbieten will (siehe Kasten). Begonnen hatte die Reihe im Januar; die übrigen drei Veranstaltungen hätten noch vor dem eigentlichen Jubiläumsdatum am 1. Juli stattfinden sollen. Doch Corona machte hier einen Strich durch die Rechnung.

Nun wurden drei neue Termine gefunden. Zu hören sind die Vorträge im Kongresshaus, dank unbürokratischer Hilfe von Coburg Marketing. Dort ist genug Platz für rund 200 Zuhörer. Schon der erste Vortrag im Staatsarchiv im Januar habe gezeigt, dass großes Interesse bestehe, sagt Boseckert. Wer nicht zuhören kann, kann nachlesen: Die Vorträge und weitere Aufsätze werden in einem Buch zusammengefasst, das noch in diesem Jahr erscheinen soll. sb