Mit einem eindringlichen Brief wendet sich Pfarrer Dirk Acksteiner an die Gemeinde Sonnefeld. Immer wieder werde er von verzweifelten Eltern gefragt, ob denn noch ein Platz im evangelischen Kindergarten frei sei - und immer wieder müsse er Nein sagen. "Die Eltern sind am Ende", schreibt er und appelliert an den Sonnefelder Gemeinderat, den Mangel an Betreuungsplätzen in der Gemeinde so schnell wie möglich zu beheben. "Es knirscht momentan gewaltig", findet auch Stefan Markus, der die Betreuungssituation in der Gemeinde Sonnefeld analysiert hat.

Vor drei Jahren ist der Bedarf an Kindergarten- und Krippenplätzen das letzte Mal in der Gemeinde überprüft worden. Damals wurden in der Gemeinde jährlich im Durchschnitt etwa 30 Kinder geboren. 100 Kindergarten- und 60 Krippenplätze waren völlig ausreichend. In den darauffolgenden Jahrgängen kamen allerdings mehr als 40 Kinder zur Welt, und auch in diesem Jahr zeichnet sich wieder ein geburtenreicher Jahrgang ab. "Bisher wurden 22 Kinder in der Gemeinde geboren, und das Jahr ist erst zur Hälfte vorbei", erklärte Stefan Markus in der Gemeinderatssitzung am Mittwoch. Schon jetzt seien alle vier Kindergärten im Gemeindegebiet bis auf den letzten Platz ausgebucht.

In Zukunft könnte sich die Situation noch weiter zuspitzen: Weitere Wohnflächen werden erschlossen und ausgewiesen, und durch die bauliche Erweiterung der Firma Silag entstehen neue Arbeitsplätze. Das könnte dazu führen, dass noch mehr Familien in die Gemeinde ziehen und dann auch Kindergartenplätze in Sonnefeld suchen. "Wir dürfen auch nicht vergessen, dass Eltern eigentlich einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz haben", betonte er.

Die Anzahl der Betreuungsplätze muss sich also langfristig erhöhen - darüber war sich auch der Gemeinderat einig. Einstimmig wurde per Beschluss festgestellt, dass in der Gemeinde künftig 125 Kindergarten- und 75 Krippenplätze notwendig sind.

Die Gemeinde kann diesem Bedarf allerdings nicht nachkommen. "Um in Ausnahmefällen mehr Kinder aufnehmen zu können, sind die Einrichtungen in der Gemeinde schon jetzt kreativ geworden und haben ihre Arbeitspläne relativ spontan umstrukturieren können - das geht auf Dauer natürlich nicht", sagte Stefan Markus.

Für Bürgermeister Michael Keilich (CSU) ist der Beschluss des Gemeinderats auch erst lediglich ein "Startschuss" für weitere Maßnahmen. Die Gemeinde befinde sich momentan zwar auch in Gesprächen mit weiteren externen Trägern, die möglicherweise einen neuen Kindergarten im Gemeindegebiet etablieren könnten. "Wir haben aber noch kein baureifes Grundstück für ein solches Vorhaben", sagte Keilich.

Weil wirklich schnell gehandelt werden muss, soll also zunächst an einen bestehenden Kindergarten angebaut werden. "Denkbar wäre hier der katholische Kindergarten St. Marien, hier wurde das Grundstück bereits erschlossen."