Das Medienecho war bei der Mitgliederversammlung des CSU-Ortsverbandes Coburg-Nord am Mittwoch schon außergewöhnlich. Das Zweite Deutsche Fernsehen war mit einem dreiköpfigen Team nach Beiersdorf gekommen. ZDF-Redakteurin Patricia Schäfer interesssierte sich freilich nicht so sehr für lokale Coburger Befindlichkeiten. Sie wollte vor dem nächsten CSU-Parteitag Originaltöne von der Parteibasis einfangen, Statements zu den anstehenden Personalfragen. Da war die ganz und gar inoffizielle Stimmungslage eigentlich klar. Horst Seehofer werde wohl auch in den nächsten Jahren an der Spitze bleiben.


Es gibt einen Favoriten

Der Coburger CSU-Bundestagsabgeordnete Hans Michelbach nannte - ebenfalls ganz und gar inoffiziell - einen Favoriten für die Spitzenkandidatur der Christsozialen bei der Bundestagswahl am Sonntag, 24. September: den Innenminister Joachim Herrmann. "Wir haben mit ihm einen engen fränkischen Freund", sagte Michelbach.
Michelbach sowie Coburgs Zweite Bürgermeisterin Birgit Weber, der CSU-Landtagsabgeordnete Jürgen W. Heike und Jürgen Oehm, Stadtrat und Vorsitzender des CSU-Ortsverbandes Coburg-Nord, sprühten am Mittwoch gar vor Optimismus. "Die CSU ist der Motor für visionäre Entwicklungen in unserer Stadt", sagte Oehm bei einer Rückbesinnung auf die Coburger Kommunalpolitik. Er erwähnte die Entwicklung des Schlachthofquartiers, dessen Erschließung im Herbst abgeschlossen sein soll. Er wies auf das neue Sanierungsgebiet zwischen Steinweg, Bürglaß und ehemaliger Hauptpost hin. Und auch das Geld spielte immer wieder eine Rolle: "Die CSU steht für geordnete Finanzen und Generationengerechtigkeit."
Ein Einsparvolumen von rund sechs Millionen Euro im Jahr wolle die Stadt Coburg erreichen. Als Beispiel nannte er die gemeinsame Kraftfahrzeugzulassungsstelle von Coburg Stadt und Land, die etwa 450 000 Euro pro Jahr einspare. Ähnlich könne man ja auch in anderen Dienstleistungsbereichen und kommunalen Unternehmen verfahren, bei denen es in Stadt und Landkreis Coburg noch getrennte Strukturen gebe.
Am Steinweg scheiden sich auch innerhalb der CSU und befreundeter Organisationen die Geister. Oehm tendiert zu einer Sperrzeitverlängerung, wobei er sich nicht auf konkrete Uhrzeiten festlegen wollte. In der Bamberger Sandstraße, auch eine beliebte Kneipenmeile, sei die Sperrstunde um 2 Uhr. "Wir wollen das Quartier für das innerstädtische Wohnen und den Einzelhandel attraktiv machen", betonte Oehm.
Zum Einzugsbereich des CSU-Ortsverbandes Coburg-Nord gehören auch der Stadtteil Neuses und das Demo. Die bislang noch unbeschrankten Bahnübergänge am Neuseser Bahnhof und in der Bad Rodacher Straße werden wohl kaum vor Jahresende 2018 mit Halbschranken gesichert sein können, vermutete Birgit Weber. Und bedingt durch einen Brückenneubau in der Bad Rodacher Straße werde man sich wohl ein halbes Jahr auf kreative Umwege einstellen müssen.
Die Neuwahlen bestätigten Jürgen Oehm an der Spitze der CSU im Coburger Norden. Stellvertretende Vorsitzende sind künftig Maximilian Forkel, Hans-Herbert Hartan und Kurt Knoch. Um die Kasse kümmert sich Petra Heginger. Neuer Schriftführer ist Volker Zipprich.
Die Beisitzer sind Max William Beyersdorf, Christian Dorsch, Hannelore Ernst, Daniel Forkel, Hubertus Prinz von Sachsen-Coburg und Gotha, Fred Matthes, Ulrich Müller und Horst Rückert.
Die CSU ehrte Mitglieder für ihre Treue zur Partei. Ihr Silberjubiläum (25 Jahre) feierten Frank Goldammer, Bertram Vogelsang, Rainer Müller, Klaus Schaller und Christine Lochner. 30 Jahre ist Bernd Edelmann Mitglied bei der CSU, seit 35 Jahren gehören Jürgen Oehm, Gerhard Fischer und Hansjürgen Jackisch und seit 45 Jahren Josef Geyer und Christian B. Reinhardt dazu. Martin Koch