Derzeit leben im Heßdorfer Ortsteil Obermembach 39 Einwohner. Weithin bekannt ist der von Weiher und Wäldern eingerahmte Ort dennoch, und zwar vor allem durch seine Gastwirtschaft "Jägersruh", umgangssprachlich als "Waldkrankenhaus" tituliert, und den dazugehörigen Biergarten. Seit Donnerstag kann er wieder genutzt werden, wovon schon viele Gäste Gebrauch machten.

Gemeinsam mit seiner Frau Elfriede hatte lange Jahre Hans Gumbrecht dafür gesorgt, dass es im Biergarten zum Bier eine gute fränkische Brotzeit gab. Sämtliche Wurstwaren waren hausgemacht. Außerdem gab es am Mittwoch die Schlachtschüssel, am Donnerstag standen frische Köstlichkeiten wie Ripple, Schäuferle und Bratwürste auf dem Speiseplan. Dies lockte viele Interessenten nach Obermembach.

Unterstützt wurde Hans Gumbrecht dabei von Sohn Stefan, der als gelernter Koch gemeinsam mit seiner Mutter Elfriede für die Küche verantwortlich zeichnete. Sohn Christian am Ausschank sorgte dafür, dass niemand durstig blieb. Besonders bei schönem Wetter war der angrenzende Biergarten sehr gut frequentiert. Für viele Besucher war es ein Schock, als die Nachricht bekannt wurde, dass das "Waldkrankenhaus" in Obermembach seinen Betrieb stark einschränkt.

Wanderer aus Herzogenaurach

Nach einer Zeit des Wartens sorgen seit dem 1. August 2019 Sami Alijaj und Alex Vladulescu dafür, dass der Biergarten wieder besucht werden kann. Das dürfte viele Herzogenauracher freuen, denn lange bevor die Freizeitsportler aus der Siemensstadt Erlangen mit dem Auto oder dem Motorrad den idyllisch gelegenen Biergarten entdeckten, waren Generationen von Herzogenaurachern, vor allem aus dem Herrnbuch (Hirtenbuck), durch den Birkenbühl nach Obermembach gelaufen oder mit dem Fahrrad gefahren. Dort warteten auf sie eine Brotzeit und ein kühles Bier, es wurde Schafkopf gespielt und sich unterhalten.

Eröffnet wurde die Gastwirtschaft 1872 durch Christoph Gumbmann, es folgten Georg Gumbmann, dann dessen Sohn Valentin Gumbmann. Gumbmann hatte einen Sohn und vier Töchter, eine davon, Katharina, heiratete Andreas Gumbrecht aus Untermembach, beide führten das Wirtshaus lange Jahre.

Von Anfang an lieferte die Herzogenauracher Brauerei Hubmann ihr Bier nach Obermembach. Später übernahm die Brauerei Tucher diesen Dienst. Gelagert wurde das Bier in einem Keller am Ochsenhutberg. Durch Umbauten 1955 und 1968/69 wurde die Gastwirtschaft den Erfordernissen angepasst.

1986 übernahm Hans Gumbrecht die Gastwirtschaft, er hatte in Herzogenaurach bei Metzgermeister Heinrich Kreiner sein Handwerk erlernt. Bei einem Umbau 1991/1992 wurden die Küche und der Kühlraum den modernen Anforderungen angepasst und der Gastraum erweitert.

Gleich am ersten Tag der Neueröffnung waren Gerhard Welker aus Herzogenaurach, Willy Nagel aus Dechsendorf, Ernst Gell aus Niederndorf und Hans Zapf aus Baiersdorf wieder beim Karteln im Wirtshaus anzutreffen. Seit zehn Jahren pflegen sie schon ihre Kartelrunde am Donnerstag. "Wir sind froh, dass wir hier wieder unseren Platz haben, wo wir uns zur Kartelrunde treffen können", meinten sie unisono. Ähnlich ging es weiteren Gästen, die es sich sowohl im Gastraum als auch im Biergarten bequem gemacht hatten.

Genesung im Wirtshaus

Den Titel "Waldkrankenhaus" erhielt das Gasthaus "Jägersruh" von den Herzogenaurachern. In den 1950er und 1960er Jahren wanderten auch krankgeschriebene Aurachstädter gerne nach Obermembach, um sich dort auszukurieren. Dem Kontrolleur der Krankenkasse, der seine "Kunden" nicht daheim antraf, wurde kurz und bündig erklärt, dass sich die Krankgeschriebenen im "Waldkrankenhaus" regenerieren würden. Bis 1974 wurde dort Anfang September sogar eine eigene Kirchweih gefeiert.

Außerdem hat Obermembach eine eigene Kapelle, die dem heiligen Valentin von Rätien geweiht ist. Auch aus diesem Grund ist der Name Valentin im Seebachgrund nicht selten.

Heßdorfs Bürgermeister Horst Rehder (BB) gratulierte Sami Alijaj und Alex Vladulescu zu ihrer Entscheidung, die Gastwirtschaft weiterzuführen, und wünschte ihnen viel Erfolg bei ihrem Vorhaben.