Es hätte ein großes Jubiläum werden sollen: Zum 50. Jubiläum der Freibaderöffnung war ein ganzes Festwochenende im Juni geplant - vor Corona. Denn selbst, als die ersten Beschränkungen im April und Mai wieder gelockert wurden, war erst nicht klar, ob das Eberner Freibad überhaupt wieder öffnen könnte.

Seit 11. Juni darf es das, und die Sicherheits- und Hygieneregeln haben sich schnell eingespielt: am Eingang die Besucherkarte mit Kontaktdaten ausfüllen, nur in der vorgezeichneten Richtung schwimmen, Abstand halten. Freundinnen dürfen zusammen auf der Bank unterm Sonnenschirm sitzen und plauschen, und das ist vielen genauso wichtig wie die körperliche Ertüchtigung. Und weil alles so gut funktioniert, sollte die Geburtstagsfeier wenigstens im Kleinen stattfinden.

Zu heiß fürs Bad?

Die Feier wurde sehr klein. Es mag am Wetter gelegen haben, das, wie Laudator Dieter Brünn bemerkte, im Freibad ja eigentlich nie passt. Am Freitagabend war es vermutlich zu heiß. Bestenfalls 50 Zuhörer hatten sich in der Anlage verteilt, mehr als die Hälfte von ihnen saß im Biergarten "Weitblick".

Brünn, studierter Philosoph und Mitglied des Schwimmbad-Teams, hatte es sich zur Aufgabe gemacht, eine gereimte Laudatio aufs Bad zu verfassen. Da war von den Badegäste-Typen die Rede und vom Weitblick, der sich vom Losberg aus genießen lässt: bis zur Zugspitze, Zweibrücken, Wiesbaden.

Was ja alles nicht falsch ist: Durch den Baunachgrund schnurren die Agilis-Züge, Brücken gibt es sogar mehr als zwei, und wie sie baden, die Badegäste, hat der Bademeister immer im Blick. Daneben hat er mit allen möglichen Problemen zu kämpfen, wie Brünn anmerkte: ausgerechnet zu Saisonbeginn nicht funktionierende Duschen oder Eichenprozessionsspinner in den Bäumen.

Die Zeiten ändern sich

Freilich: Die großen Zeiten scheint das Eberner Freibad hinter sich zu haben. Als es 1970 am 12. Juni eröffnet wurde, kamen in den ersten zehn Tagen über 24 000 Menschen, also im Schnitt über 2400 am Tag. Heute ist Bademeister Klaus Hanke froh, wenn er an einem Tag 450 zählen kann, wie am Freitag. Und das trotz Corona - oder vielleicht gerade deswegen: Aus Bamberg sind zwei Mädchen angereist, weil man ins Eberner Bad leichter und unbürokratischer gelangt als ins Bamberger Hainbad, wie sie erzählen.

Die 35 000 Quadratmeter große Fläche macht es möglich, viele Gäste zuzulassen. Hier lässt sich Abstand halten. Einschränkungen gibt es bei der Nutzung der Becken: 100 Personen dürfen gleichzeitig im Schwimmerbecken sein, 60 im Nichtschwimmerbecken und 30 im Springerbecken.

"Ebern hat ein besonderes Bad, und da gibt es besondere Gestalten", sagte Brünn, der sich selbst als "Sonderling" bezeichnete: Er arbeitet zwar im Bad, ist aber laut Selbstbeschreibung "leidenschaftlicher Nichtschwimmer." Vom Beckenrand aus hatte er sich seinen Reim auf das Verhältnis der Eberner zu ihrem Freibad gemacht, ließ eine Badesaison Revue passieren und malte düstere Zukunftsvisionen an den weißblauen Julihimmel.

Schließung ist kein Thema

Auf keinen Fall sei daran gedacht, das Bad zu schließen, versicherte Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD). Dieter Brünn hatte Entsprechendes geunkt. Hennemann ließ ein deutliches Bekenntnis zum Bad folgen: "Wir tun alles, um es zu erhalten." Leicht ist das nicht: Allein sieben Millionen Euro würde es kosten, nur die technischen Anlagen zu erneuern, sagte Hennemann. Ausdrücklich lobte er das Freibad-Team für die "super Wasserqualität trotz der alten Technik".

Als im März 1968 beschlossen wurde, das Bad am Losberg zu bauen, sollte eine Attraktion geschaffen werden, die Fremde anlockt. Denn es war absehbar, dass Ebern durch den Bau der Autobahn A 7 von Hersfeld bis Würzburg ins Abseits geraten würde. Bis dahin war die B 279 eine der Urlaubsrouten von Niedersachsen in den Süden gewesen. Die Bundesstraße führte damals noch mitten durch die Stadt, aber der Bau der Umgehungsstraße war bereits beschlossen. Außerdem gab es 1968 ein bayerisches Konjunkturprogramm, aus dem der Bau des Freibads gefördert wurde. Im Juni 1968 ging es los, zwei Jahre später wurde die Eröffnung gefeiert.

Feier im kommenden Jahr

Hennemann konnte sich den Hinweis nicht verkneifen, dass damals ein SPD-Bürgermeister (Franz Hübl) so entschlossen und weitsichtig gehandelt habe.

2,4 Millionen Mark kostete der Bau des Freibads damals. Es wurde großzügig geplant, mit einem zweistöckigen Umkleidegebäude, einem Restaurant mit Kiosk und überdachter Terrasse. Unter anderem wurden 1800 Spinde eingebaut.

Viel verändert hat sich seither nicht, von der neuen Rutsche am Nichtschwimmerbecken und den zusätzlichen Umkleiden und Toiletten am Schwimmbecken abgesehen.

Die Jubiläumsfeier soll nun im nächsten Jahr nachgeholt werden, wie Bürgermeister Hennemann versprach. Und das Bad werde weiter betrieben: "Wir gehen in die nächsten 50 Jahre."