Die Natur kennt keine Naturkatastrophen - Katastrophen kennt allein der Mensch. Dieser Satz gilt besonders für Hochwasser. Bedingt durch die Schneeschmelze in den Mittelgebirgen, aber auch durch starke und lang anhaltende Regenfälle kommt es immer wieder zu Hochwasser am Main, an der Rodach und an der Steinach. Experten prognostizieren, dass infolge des Klimawandels extreme Hochwasserereignisse künftig sogar noch häufiger auftreten werden.

Der nachhaltige Schutz vor Hochwasser wird damit zu einem immer bedeutenderen Standortfaktor. Aus diesem Grund bietet der Landkreis Lichtenfels seit geraumer Zeit einen Hochwasserschutz-Lehrgang für seine Feuerwehren an.

Kreisbrandmeister (KBM) Oliver Schardt stellte das Unterrichtsmaterial für den Lehrgang zusammen, an dem 18 Mitglieder der Feuerwehren Ebneth-Hainweiher, Michelau, Marktzeuln, Lichtenfels, Altenkunstadt, Redwitz sowie zwei Vertreter des THW Bad Staffelstein teilnahmen. Es wurde theoretisches Hintergrundwissen wie die Entstehung von Hochwassern oder der Aufbau von Deichanlagen vermittelt.

Im praktischen Teil wurde beim Kieswerk der Firma Schramm in Trieb der Umgang mit Sandsackfüllgeräten sowie das richtige Füllen der Sandsäcke geübt. Bei den Sandsäcken unterscheidet man hauptsächlich zwischen Jute- und Kunststoffsäcken. Der Sandsack, zu zwei Dritteln mit Sand gefüllt, ist das Deichverteidigungsmittel Nummer eins.

Übrigens: Einen Sandsack zu befüllen, das dürfte ja wohl kein Problem darstellen - sollte man meinen. "Ist der Sandsack zu voll, wird er kugelförmig und lässt sich nicht mehr planmäßig aufschichten. Dadurch würde der Schutzwall durchlässig und auch instabil", so Schardt. Ist zu wenig Sand drin, ist die Saugfähigkeit geringer, und das Stapeln wird schwieriger. Das vorschriftsmäßige Befüllen von Sandsäcken ist also keine "Erbsenzählerei", sondern eine Notwendigkeit bei der Deichsicherung und bei Hochwasseralarm.

Tausende Sandsäcke werden bei Hochwasser zu Wällen aufgeschichtet, so der Ausbilder. Der ordentliche Verbau von Sandsäcken zur Deichverteidigung und die richtige Deichflusssicherung wurden am Hochwasserdamm in der Mainau geübt. Lehrgangsleiter KBM Oliver Schardt wurden von Michael Fischer und Sven Lausch vom Gefahrenschutzzug Lichtenfels unterstützt.

Die größte Überschwemmung im Landkreis Lichtenfels gab es übrigens am Heiligabend 1967. In Lichtenfels war die Coburger Straße vom Main bis zur Eisenbahnunterführung überschwemmt. Seitdem schützen die angelegten Hochwasserdämme die Stadt vor Überflutung.

Am Lehrgang teilgenommen haben Thomas Rupprecht (FF Ebneth-Hainweiher), Aline Wartensleben (FF Michelau), Natascha Schmitt, Jakob Dümmlein, Christian Herold, Bernhard Schmitt, Bernd Schmitt, Volker Schmitt (alle FF Marktzeuln), Anna Derr (FF Lichtenfels), Joschua Will, Stefan Maisel, Jannik Hofmann, Michael Baier, Jeremias Krause (alle FF Altenkunstadt), Timo Fuhrmann, David Herrmann, Michael Eideloth, Mark Walder (alle FF Redwitz) sowie Johannes Stich und Maximilian Schubert (beide THW Bad Staffelstein). Besonderer Dank galt auch der Firma Heinrich Schramm für die Bereitstellung des Firmengeländes zum Sandsackfüllen. Gerd Klemenz