Braucht die Stadt einen Gestaltungsbeirat? Die CSU-Fraktion im Stadtrat bejaht diese Frage. Nach Meinung von Bernhard Schwab, Franz-Josef Lang, Kurt Zollhöfer und Ille Prockl-Pfeiffer würde die Einrichtung eines Gestaltungsbeirates dem Ziel dienen, zur Verbesserung des Stadtbildes beizutragen, die architektonische Qualität auf einem hohen Standard zu sichern sowie städtebauliche und architektonische Fehlentwicklungen zu verhindern. Dabei möchte der Fraktionsvorsitzende Schwab bei einigen Bauten im Stadtgebiet nicht von "Bausünden" sprechen, aber sie würden einfach nicht zum Stadtbild passen.
Man wolle Architekten und Bauherren nicht an den Pranger stellen, denn deren Ziel sei es, möglichst viel Wohnraum zu schaffen. Markante öffentliche, private und gewerbliche Neu-, Um- und Erweiterungsbauten und Nachverdichtungen sowie neue Baugebiete würden allerdings nachhaltig das "Gesicht" der Stadt verändern. "In den letzten Jahren entstanden architektonisch sehr gelungene, aber leider auch weniger gelungene Neubauten", erklärte Schwab. Nachverdichtungen in "gewachsenen" Wohngebieten würden hinsichtlich ihrer Größe und architektonischer Gestaltung von vielen Bürgern sehr kritisch gesehen und aus städtebaulichen Gründen auch oft abgelehnt. Nachdem heute der Verdichtung aus ökologischen Überlegungen im innerstädtischen Bereich der Vorzug zu geben sei, gewännen der verbleibende öffentliche Raum sowie seine Gestaltung zusehends an Bedeutung.
Aus diesem Grund stellt die CSU-Stadtratsfraktion zwei Anträge: "1. Der Stadtrat beschließt, die Verwaltung damit zu beauftragen, zeitnah Mitarbeiter der Bayerischen Architektenkammer einzuladen, die in einer öffentlichen Stadtratssitzung über einen temporären Gestaltungsbeirat informieren. 2. Nach der Information soll der Stadtrat beschließen, einen temporären Gestaltungsbeirat für die Stadt Herzogenaurach einzurichten."
Bei einem Pressegespräch erläuterte die CSU-Fraktion die Gründe, warum Herzogenaurach ihrer Meinung nach einen temporären Gestaltungsbeirat braucht. Dabei wiesen Zollhöfer und Lang darauf hin, dass ihr Antrag mit der aktuellen Diskussion zum Neubau des Rathauses und Bürgerzentrum nichts zu tun habe. "Rathaus und Bürgerzentrum sind ein eigener Prozess", erklärte Zollhöfer, und Lang ergänzte, dass die CSU nicht nachtarocken will und auf das geplante Bürgerbegehren auch keinen Einfluss nehmen werde.
Nach Auffassung von Schwab und Zollhöfer kann ein Gestaltungsbeirat für zukünftige Bauten durchaus Impulse geben, auch bei der Ausweisung von neuen Baugebieten. Denn der Bauausschuss muss nach dem Baurecht entscheiden und habe wenig Einfluss auf die gestalterischen Möglichkeiten. Zollhöfer verwies dabei auf die positiven Erfahrungen mit einem Gestaltungsbeirat in einer Reihe von Städten, denn Baukultur sei eine Gemeinschaftsaufgabe, zu deren Gelingen viele Akteure beitragen. So haben größere Städte wie Fürth und Nürnberg einen ständigen Gestaltungsbeirat und größere Kommunen wie die Kreisstadt Weißenburg einen "temporären" Gestaltungsbeirat.


Beraten, nicht bevormunden

"Erst bau'n wir mal, dann schau'n wir mal": Nach diesem Motto werde häufig verfahren, meinte Franz-Josef Lang. Ziel des Beirates sei es, mit den Bauherren und deren Entwurfsverfassern möglichst frühzeitig in den Fachaustausch zu treten und diese bei ihrer Entwurfsfindung fachlich kompetent zu unterstützen.
Ein Außenstehender sehe eine geplante Baumaßnahme mit ganz anderen Augen. Dabei betonte Lang, dass ein Gestaltungsbeirat den Bauherren keinesfalls reglementieren oder den Bürger bevormunden wolle, sondern der Verwaltung beratend zur Seite stehen soll.
Dabei gehe es nicht nur um Neubauten, sondern in Herzogenaurach auch um eine Verträglichkeit zwischen Alt und Neu. Die Stadt müsse sich auch für die älter werdende Gesellschaft wappnen und der Beirat müsse deshalb die Bürger mitnehmen. Es gehe auch keinesfalls um Kritik an der Arbeit des Planungsamtes oder der Architekten, sondern darum, zukünftige Abläufe besser zu gestalten.