Am Sonntag fand zum sechsten Mal eine Kundgebung für Europa als Teil der Bewegung "Pulse of Europe" statt. Etwa 80 Bürger sind aufgrund des starken Regens spontan vom Marktplatz in das Foyer des Coburger Rathauses ausgewichen.
Dieses Mal eröffnete der Coburger Hochschulchor "Die Klangfänger" mit seinem Leiter Moritz Metzner die Kundgebung. Daraufhin folgten verschiedene Redebeiträge. Zunächst erinnerte Alois Schnitzer, pensionierter Pressesprecher der HUK Coburg, an die beiden Weltkriege, die sein Großvater miterlebt hat. "Danach hat man in Europa langsam begriffen, dass es besser ist zusammenzuarbeiten." Er umriss die Geschichte der EU und fügte hinzu: "Wir alle brauchen Europa, vor allem wir Deutschen profitieren in hohem Maße, aber ich habe tatsächlich Sorge, dass wir die europäischen Errungenschaften leichtfertig aufs Spiel setzen."
Daniel Lochner, Moderator der Veranstaltung, betonte, dass die Geschichte der EU auch eine der deutsch-französischen Freundschaft sei. "Es ist ein Wunder, dass wir nach den vielen Kriegen und Konflikten heute so enge Partner sind", sagte er. Passend dazu verlas Uschi Kunze-Hümmer einen Brief ihres Freundes François Vanel aus Frankreich: "Für mich, wie für viele Franzosen ist die deutsch-französische Freundschaft die Grundlage für einen europäischen Einfluss in der Welt. Zu wissen, dass viele Deutsche und Franzosen die EU unterstützen, macht mich optimistisch für die Zukunft", schrieb er. Gotthold Hümmer übersetzte einen Artikel über "Pulse of Europe" aus der französischen Zeitung "La Nouvelle République" vom 2. Mai 2017: "Sie wird von Bürgern ohne parteilichen Einfluss getragen, die Europa von der Basis her neu erfinden", heißt es darin.
Kim Moore sieht die EU als Familie mit 27 Mitgliedern, in der alle Europäer angstfrei ihre Meinung äußern dürfen, sich trotz vieler Unterschiede respektieren, stets versuchen, eine gemeinsame Lösung zu finden, und vor allem zusammenhalten.
Im Rahmen des offenen Mikrofons hob Martin Lücke, Coburger Stadtrat, hervor, dass Europa eine Herzensangelegenheit sei, für die es sich lohne, ein Zeichen zu setzen. Auch Ursula Kick-Bernklau, Schulleiterin am Arnoldgymnasium, erzählte von einigen Austauschprogrammen mit Schulklassen, die die EU ermöglicht habe. "Wir alle profitieren von der EU", betonte sie.
Alle gemeinsam sangen die Europahymne mit dem Coburger Hochschulchor, der durch weitere Lieder die Menge begeisterte. Zum Abschied erinnerte Walter Flohrschütz, der Initiator der Coburger "Pulse of Europe"-Bewegung, anlässlich der Frankreich-Stichwahl an den Leitspruch der Französischen Revolution: "Liberté, Egalité, Fraternité sollten in ganz Europa gelebt werden", forderte er. red