Firmen buhlen um Nachwuchs

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Ein Raumthermometer mit Mikrocontroller konnten die Besucher der Ausbildungsmesse in Neustadt am Stand von Kaeser Kompressoren zusammenbauen.
Ein Raumthermometer mit Mikrocontroller konnten die Besucher der Ausbildungsmesse in Neustadt am Stand von Kaeser Kompressoren zusammenbauen.
Martin Rebhan
Für Lilli Graf und ihre Schulkollegen Fabian Wünsch und Tim Vormhals steht der Gang zur Polizei ganz oben auf der Berufswunschliste. Oberkommissar Michael Gödel stand dem Trio Rede und Antwort.
Für Lilli Graf und ihre Schulkollegen Fabian Wünsch und Tim Vormhals steht der Gang zur Polizei ganz oben auf der Berufswunschliste. Oberkommissar Michael Gödel stand dem Trio Rede und Antwort.
Martin Rebhan

Begegnung Wie sich die Ausbildungsmesse in Neustadt in den letzten Jahren gewandelt hat – und warum Jugendliche bei Firmen sehr begehrt sind.

Martin Rebhan

Wie dramatisch sich der Ausbildungsmarkt auch in der hiesigen Region verändert hat, wurde bei der jüngsten Ausbildungsmesse in Neustadt überaus deutlich.

Waren es vor Jahren noch die Schülerinnen und Schüler, die sich Sorgen darüber machen mussten, eine Lehrstelle zu erhalten, sind es heute die Firmen, die um Nachwuchs für ihre Betriebe buhlen. Ein Ausbilder , der nicht genannt werden wollte, brachte die Misere auf den Punkt: „Wir stellen heute Leute ein, die wir früher nicht einmal zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen hätten.“

Nicht nur von einem Ausbildungsverantwortlichen wurde kritisiert, dass manche jungen Leute nicht die richtige Einstellung zur Arbeitswelt haben. Betont wurde, dass man nicht alle über einen Kamm scheren darf, aber die Zahl derer, die sich mehr einem Hund angleichen, der „zur Jagd getragen werden muss“, steigt demnach.

Engagierte Schüler gewinnen

Ein Lied davon singen kann auch Michael Wagner, Ausbildungsleiter bei Dietz in Neustadt und Mitveranstalter der Ausbildungsmesse. „Es ist schon grenzwertig, wenn man jungen Menschen erklären muss, dass um sechs Uhr die Arbeit beginnt und das nicht bedeutet, dass man um sechs Uhr das Firmengelände betritt.“ Dass auch sein Unternehmen vor allem im gewerblich technischen Bereich um Auszubildende buhlen muss, daraus macht Wagner keinen Hehl. „Die Kunst ist, die ausbildungswilligen und engagierte Schüler für sich zu gewinnen“, erläutert Michael Wagner weiter. In der Frankenhalle zeigten sich die 52 Aussteller von ihrer besten Seite und gewährten tiefe Einblicke in rund 90 Ausbildungsberufe .

Andrang bei der Polizei

Auffallend war, dass es auch Qualitätsunterschiede zwischen den einzelnen Schulen und Klassen gab. Einige traten gut vorbereitet mit einem Laufzettel und konkreten Fragen an die Firmen heran, andere ließen sich mehr oder weniger davon überraschen, was auf sie zukam. Dem Betrachter fiel eines auf: Einige Stände, vor allem von namhaften Firmen, waren dicht umlagert, bei anderen, vor allem bei Ausstellern aus den sozialen Bereichen, herrschte deutlich weniger Trubel.

Zwei Einrichtungen konnten sich beileibe nicht über zu wenig Interesse beklagen: Polizei und Bundeswehr . Oberkommissar Michael Gödel betonte, dass die jungen Menschen viel über die Polizei wissen, Aufklärungsarbeit aber dahingehend geleistet werden muss, was hinter dem Beruf des Polizisten steckt. In Bayern werden nach seinen Worten jährlich 850 Polizeianwärter eingestellt. Mit einer überraschenden Zahl wartete er dann doch noch auf.

Bundeswehr sucht Spezialisten

„Um die Zahl der Einstellungen abdecken zu können, brauchen wir 12.000 bis 15.000 Bewerbungen. Oberstabsgefreiter Dominik S. erläuterte, dass viele der Interessenten nicht wissen, welche Berufsausbildungen bei der Bundeswehr abgeschlossen werden können. „Wir brauchen Spezialisten“ betonte der Soldat und zeigte auf, dass sich das Bild des „Soldat sein“ komplett gewandelt hat.

Eine von denen, bei der der Weg zur Polizei oder zur Bundeswehr ganz oben auf der Wunschliste steht, ist Lilli Graf aus Bad Rodach. Ihr Hauptargument, warum sie sich hier einen Berufseinstieg vorstellen kann, überraschte dann doch: „Die Stelle ist krisensicher“. Dass sie die heimischen Gefilde wahrscheinlich verlassen muss, war für sie eher Ansporn als Hindernis.

Der Wirtschaftsförderer des Landkreises Coburg, Martin Schmitz, hob die enormen Anstrengungen hervor, die Aussteller aufwendeten, um Ausbildungsinhalte transparent darzustellen. Den Weg, den die Firmen und Einrichtungen in Neustadt gegangen sind, zeigt nach seiner Meinung in die Zukunft. Für Martin Schmitz steht eines fest. „Der Wert der dualen Ausbildung hat weiter zugenommen.“