Sabine Zeitner schaut durch ein kleines Fenster in der Oberen Salvatorgasse 1 direkt auf das Salvatortor. "Dieser Blick hat für mich den Ausschlag gegeben", meint die Eigentümerin stolz. Zusammen mit ihrem Mann Frank Zeitner wird ihr die Stadtbild-Medaille von Hans-Heinrich Eidt überreicht.
Seit über 40 Jahren prämiert der Vorsitzende der Gemeinschaft Stadtbild sanierte Häuser in der Coburger Innenstadt.
Mit einer Spende über 3,2 Millionen Euro von Brose-Gesellschafter Michael Stoschek und dessen Schwester Christine Volkmann hat Hans-Heinrich Eidt schon viele Eigentümer bei der Sanierung ihrer Häuser finanziell unterstützen können.


Aufwendige Renovierung

Das schon Ende des 12. Jahrhunderts erbaute Handwerkerhaus in der Oberen Salvatorgasse 1 sei dabei "eine der gewagtesten Renovierungen" gewesen, betont der Vorsitzende von "Stadtbild". Vor dem Kauf durch das Ehepaar Zeitner hatte das Haus schon seit ungefähr zehn Jahren leergestanden und sei so weit verfallen, dass sogar schon darüber diskutiert wurde, es abreißen zu lassen. "Stadtbild Coburg" hatte den jetzigen Eigentümern den Kauf finanziert, was aber in Anbetracht der hohen Renovierungskosten nur "ein Tropfen auf den heißen Stein" gewesen sei, so Eidt. Den genauen Betrag der Unterstützung will er nicht nennen, um keinen Neid zwischen den unterstützten Hauseigentümern zu schüren.
"Das Haus ist für uns zu einer Herzensangelegenheit geworden", betont Sabine Zeitner. Neben der Gemeinschaft "Stadtbild" habe sie auch von verschiedenen Stiftungen finanzielle Unterstützung erhalten, da das Gebäude unter Denkmalschutz steht. "Wir sind wirklich gut unterstützt worden, der Denkmalschutz war kein Hindernis, eher im Gegenteil", freut sich die Eigentümerin.
Wie aufwendig die Renovierung gewesen ist, wird schon an der Decke des Hauses deutlich: "Die historische Decke aus dem 16. Jahrhundert wurde mit kleinen Pinselchen restauriert und frisch gestrichen", erklärt Frank Zeitner. Auch Fassade und Fenster mussten erneuert werden, im Erdgeschoss wurde die Garage zum Raum umgebaut und das Garagentor zur Hauswand geschlossen.
Hans-Heinrich Eidt ist sehr zufrieden mit der Renovierung: "Aus einer völlig vergammelten Hütte ist eine schöne Wohnung entstanden. Es wurde das Beste daraus gemacht", lobt er die Eigentümer.


Kapelle im Garten

Obwohl die Medaillenvergabe in der Judengasse 32 und dem Hinteren Glockenberg 8a verschoben werden musste, da die Eigentümer verreist sind, lässt es sich der Vorsitzende von "Stadtbild" nicht nehmen, auch diese neu sanierten Objekte zu präsentieren:
Das Gebäude in der Judengasse hat einen neuen Anstrich erhalten und die Einscheibenfenster wurden durch passendere Fenster mit Querstreben ersetzt.
Auf dem Grundstück des Hinteren Glockenberg 8a stand früher eine 1922 für Hans von Bötticher erbaute Villa. Von ihr ist nur noch eine kleine Kapelle geblieben, die nun neu restauriert im Garten neben dem modernen Einfamilienhaus steht.


"Schönstes Haus Coburgs"

Der Höhepunkt der Medaillenvergabe ist allerdings die Jugendstilvilla im Gustav-Freytag-Weg 23. "Das ist eines der schönsten Jugendstilhäuser Coburgs", schwärmt Hans-Heinrich Eidt. Im Jahr 1904 hatte der damalige Stadtbaumeister Max Böhme die Fachwerkvilla als eigenes Wohnhaus erbauen lassen.
In den 80er Jahren hat der gelernte Schreiner Günther Steiger dessen Töchtern die Villa abgekauft, in der er mit seiner Frau Gabriele Steiger wohnt.
Die Sanierungsmedaille von "Stadtbild Coburg" ist nicht die erste, die Günther und Gabriele Steiger überreicht wird: Neben dem Haus sind schon zwei weitere Plaketten angebracht. Seit dem Kauf hat das Ehepaar Steiger vieles an der Villa innen und außen sanieren lassen und dabei oft auch selbst Hand angelegt: "Sie haben wochenlang die Türen und Fenster abgebeizt", erzählt Hans-Heinreich Eidt. Außerdem wurden die Holzbalken und der Putz erneuert. Die Außenrenovierung habe einen "Haufen Geld" gekostet, bestätigt der gelernte Schreiner, er habe dabei aber auch vieles selbst gemacht.
Auch auf die Innengestaltung ihres Hauses legen Gabriele und Günther Steiger sehr viel Wert: Über den Türen sind bemalte Wandfliesen eingesetzt, die alten Holzschränke wurden noch von den Vorbesitzern übernommen. Dadurch wirkt das Gebäude fast wie ein bewohntes Museum.